Beatenberg in der Presse im Jahr 2014

BEATENBERG 15. AUGUST 2015 aus der Jungfrauzeitung vom 18.8.2015

Über Glaube, Liebe und eine Wettertanne

Als «Wohlfühlbuch mit einem Schuss Rosamunde Pilcher» beschreibt Autor Martin Rindlisbacher seinen Debütroman. Die muntere Dorfgeschichte hat sprachlich viel zu bieten und behandelt nebenbei ein tiefgründiges Thema.
von Nils Sager
Im Kongress-Saal der Gemeinde Beatenberg las Martin Rindlisbacher am Donnerstagabend aus seinem berndeutschen Roman «Flüemiswil». Der Emmentaler basiert seine Geschichte des verkrachten Theologiestudenten Nestor Albert Bälliz, genannt Düss, auf der nach dem Protagonisten benannten Novelle «Düss» von Rudolf von Tavel. «Die Gestalt des Düss hat mich fasziniert», erklärt Rindlisbacher. Während der Charakter bei von Tavel ein gescheiterter ist, nennt Rindlisbacher seinen «einen talentierten, gebildeten jungen Mann, der sich selbst nicht helfen kann». Dessen Erlebnisse bettet Rindlisbacher sowohl in Bern als auch in ein Emmentaler Dorfleben in den 1930er-Jahren ein. Obwohl das Buchcover ein Bild von Rindlisbachers Heimatort Fechigen zeigt, ist «Flüemiswil» ein fiktiver Ort und die Geschichte kaum biographisch angereichert. Viel mehr geht es dem Autor um den Konflikt zwischen «Buchstaben-Christen» und gelebtem Glauben. «Es ist auch ein Experiment, das Dorfleben mit wichtigen Glaubensfragen zu verweben. Das habe ich probiert», sagt er. Herausgekommen ist ein «Wohlfühlbuch mit einem Schuss Rosamunde Pilcher», wie der Autor lachend erklärt. Dabei setzt Rindlisbacher sprachlich konsequent auf Emmentaler Berndeutsch aus den 1930er-Jahren. An der Lesung sorgten seine Wortkreationen für Staunen und Belustigung bei den Anwesenden.
Viele Liebesgeschichten

Auf Einladung Andreas Rähmis, Inhaber der Pabugesch-Bücherei in Beatenberg, kam Rindlisbacher zu der erst zweiten öffentlichen Lesung seines Erstlings. Dem Publikum stellte er die Charaktere seiner Geschichte in mehreren Ausschnitten vor. Da ist zum einen der Protagonist Düss, der Student, der Musiker, ein romantischer Zeitgenosse mit Problemen in der Selbstfindung. Dieser erlebt rund um das Pfarrhaus in Flüemiswil so einige Geschichten. Zentral ist in Rindlisbachers Buch auch die Osterpredigt, die der junge Theologiestudent abhält. Nebenbei lernt Düss seine grosse Liebe kennen. Nora, die im schwarzen Kleid daherkommt, beschreibt Rindlisbacher mit den Worten: «Gross und schlank steht sie an der Brüstung und zeichnet sich gegen das Licht ab.» Mit ihrem «verzaubernden Lachen» und «Lippen, die den Himmel bedeuten» zieht sie den Protagonisten in ihren Bann. Hier zeigt sich die romantische, bisweilen auch kitschige Seite der Geschichte. Rindlisbacher selbst entschuldigte sich am Abend für die vielen Liebesszenen, die er dem Publikum vorstellte.

Der Autor kann in seinem selbst verlegten Roman aber auch mit der authentischen Sprache und den urchig komischen Charakteren punkten. So lernten die Anwesenden zum Beispiel Lisette, die Wirtin des Gasthof Bären, kennen. Deren Bratpfanne für ihre berühmten Rösti ist «im Durchmesser so gross wie ein aufgeschnittener Emmentaler Käse».

Der Emmentaler Schriftsteller ist mit dem Gefüge rund ums Pfarrhaus aus seiner Kindheit wohl vertraut.

Der Emmentaler Schriftsteller ist mit dem Gefüge rund ums Pfarrhaus aus seiner Kindheit wohl vertraut.
Lieblingscharakter Gemeindepräsident

Ein weiterer Charakter, den Rindlisbacher am Abend vorstellt, ist der Gemeindepräsident. Die politische Instanz im Dorf versucht, ein guter Führer für alle zu sein, mischt sich als Machtmensch aber auch in die Pfarrerswahl ein. Als «Wettertanne» beschreibt der Autor seinen Lieblingscharakter, der im Verlauf der Geschichte eine Wandlung durchmacht. «Er ist auch optisch ein richtiger Gemeindepräsident», freut sich Rindlisberger.

Das Dorfleben zeichnet der Sohn eines Pfarrers und einer Bauerntochter authentisch, lustig und scharf. «Ich habe solche Machtverhältnisse noch erlebt», sagt er. Das Publikum in Beatenberg nahm sein Werk wohlwollend auf. «Es ist nicht für Veganer geschrieben», scherzte Andreas Rähmi. Ihn freute vor allem die Botschaft, die Rindlisbacher mit seinem Buch vermitteln möchte: «Das Menschsein im Glauben». Aber auch sprachlich ist dem Autor «das Experiment» durchaus geglückt.

Über den Autor

Martin Rindlisbacher (63) ist Fotolithograf und arbeitet als Atelierleiter im Jugendheim der Viktoria-Stiftung Richigen. «Das Schreiben ist für mich auch ein Gegenpol zur Arbeit mit den Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen», erklärt er. Ein zweiter Roman ist in Arbeit. Dieser soll aber nicht mehr in Dialekt, sondern in Schriftdeutsch verfasst sein.

Zum Buch und zur weiteren Lesung

Wer den Autor aus seinem Debütroman «Flüemiswil» vorlesen hören möchte, kann dies ein weiteres Mal im Berner Oberland tun.

Mittwoch, 2. September, 20.00 Uhr im Kirchgemeindehaus Reichenbach

Ansonsten ist das Buch im Handel für zirka 28 Franken erhältlich, zum Beispiel in der Bücherei Pabugesch in Beatenberg.

Martin Rindlisbacher (2015): «Flüemiswil – e bärndütschi Gschicht». Verlag Fluhdesign. 240 Seiten.

Keine grossen Abenteuer mehr für Thomas Ulrich-aus  Berner Oberländer Zeitung vom 13.5.2015

Thomas Ulrich aus Beatenberg geht nie mehr auf ganz grosse Abenteuerreise. Seit er kürzlich nach dem Abbruch seiner Testexpedition vom Nordpol nach Kanada heimgekehrt ist, hat er sich selber einige existenzielle Fragen gestellt.

Dem Abenteuer irgendeinen philosophischen oder gar ideologischen Deckmantel umzuhängen, kam für mich nie infrage», sagt Thomas Ulrich.
Bild: Thomas Ulrich

Zur Person

Thomas Ulrich als Abenteurer zu schubladisieren, würde ihm nicht gerecht. Der Beatenberger war und ist sehr viel mehr: gelernter Zimmermann, diplomierter Bergführer, Gleitschirmflieger, Extremalpinist, Fotograf, Kameramann, Autor, Referent und Mitinhaber der Bildagentur Visual Impact GmbH. Geboren 1967 in Matten, war Thomas schon in seiner frühen Jugend oft in den nahen Bergen unterwegs. Parallel dazu brachte er sich autodidaktisch das Fotografieren bei. 1987 nahm er erstmals an einer Expedition teil, in Patagonien – das er später noch mehrmals besuchte und wo ihm die erste Winterbegehung des Cerro Torre gelang. 1997 folgte eine Kajak- und Kletterexpedition in Grönland mit der Zweitbesteigung des Tupilaks. Ebenfalls in Grönland gelang Ulrich mit Bergkameraden 2010 die Erstbegehung der 1300 Meter hohen Granitnadel namens Grundtvigskirken. Sein treuester Weggefährte war der Norweger Børge Ousland. Dem Duo gelang 2003 in 54 Tagen die erste Überquerung des südlichen patagonischen Inlandeises. 2007 folgten sie vier Monate lang den Spuren von Fridtjof Nansen vom Nordpol bis nach Franz-Josef-Land.

2006 dann das wohl riskanteste Erlebnis im Leben von Thomas Ulrich: Kurz nach dem Start zur geplanten Solodurchquerung der Arktis geriet er auf einer treibenden Eisscholle in höchste Lebensgefahr und konnte erst in letzter Minute per Helikopter gerettet werden. Zehn Jahre später wollte es Ulrich nochmals versuchen. Doch nun hat er anders entschieden (siehe Interview).

Thomas Ulrich veröffentlichte seine mehrfach ausgezeichneten Fotos in renommierten Magazinen wie «Geo», «National Geographic», «Life» und «Sports Illustrated» sowie für Werbematerial, unter anderem für eine Kleiderkollektion von Lasse Kjus. Preise gabs auch für seine Filme wie zum Beispiel «El Capitan». Für das Schweizer Fernsehen stand Ulrich oft im Einsatz, so für eine Dokumentation über die Erstbegehung der Eigernordwand, und 2003 filmte er zwei Monate am Mount Everest. Auch im Kino war er präsent, unter anderem als Sicherheitsexperte bei Aufnahmen für «Fräulein Smillas Gespür für Schnee» und den James-Bond-Film «Golden Eye» sowie als Kameramann für «Nordwand».

Schliesslich machte sich Ulrich auch einen Namen als Autor, zum Beispiel von «Reisen zum Abenteuer» und «Horizont Nord» (2008). Den Inhalt der Bücher präsentierte er erfolgreich als Referent bei grossen Veranstaltungen namhafter Firmen und öffentlichen Vorträgen. Allein auf seiner Tournee 2004/2005 trat er in 53 Städten und Ortschaften auf und erreichte dabei insgesamt 15’000 Zuschauer.

Zuerst die wichtigste Frage bei einem heimgekehrten Abenteurer: Wie geht es Ihnen?

Thomas Ulrich: Es geht mir blendend, und ich bin gespannt, was die Zukunft bringt.

Wie gross waren die körperlichen Strapazen auf den ersten 80 Kilometern vom Nordpol aus Richtung Kanada?
Es waren keine körperlichen Strapazen. Ich kam sehr gut und schnell vorwärts, konnte viel das Windsegel benützen.

Und wie haben Sie die grosse Einsamkeit im Kopf gemeistert?
Auf einer solchen Expedition weiss man, dass man die ersten 10 bis 14 Tage versuchen muss, zu sich selber zu finden. Ich war dieses Mal aber schon von Anfang an nicht ganz glücklich mit mir selber und hatte ein eher ungutes Gefühl.

Gab es einen klar definierten Moment der Entscheidung, abzubrechen, oder war es ein längerer Prozess?
Grundsätzlich war die Expedition ein Test für meinen Traum der Durchquerung der ganzen Arktis, die ich für 2016 plante. Ich wusste, dass ich zuerst eine Antwort finden musste auf die Frage, ob ich diesen Traum tatsächlich verwirklichen wollte oder eben halt doch nicht. Jemandem in der warmen Kafistube ist das schwer zu vermitteln. Schon auf der Tour mit den Kunden von Barneo zum Nordpol hatte ich mir Gedanken gemacht. Und bereits am zweiten Tag, als ich dann solo unterwegs war, fasste ich den Entschluss, das Projekt Transarctic Solo 2016 nicht zu machen.

Also hatte der Test seinen Zweck eigentlich erfüllt und konnte abgebrochen werden?
Ja, der Zweck war in diesem Moment erfüllt, und es machte keinen Sinn mehr, nach Kanada zu marschieren. Schon gar nicht angesichts einiger negativer Punkte wie zum Beispiel des Entscheides der kanadischen Fluggesellschaft, dieses Jahr auf Flüge in die Arktis zu verzichten. Ich war also nicht mehr bereit, den Point of no Return zu überschreiten, und nutzte die Möglichkeit, aus eigener Kraft wieder nach Barneo zu gelangen.

Ist angesichts der klimatisch bedingten Verschlechterung der Eissituation die Solodurchquerung der Arktis gar nicht mehr möglich?
Nein, das würde ich nicht sagen. Im Gegenteil: Ich bin sogar überzeugt, dass es künftig noch einfacher sein könnte. Aber: Immer schwieriger wird es, das Festland zu verlassen und wieder zu betreten. Dazwischen jedoch, auf dem arktischen Eis, herrschen für Ski und Schlitten bessere Bedingungen als früher.

Wie ist das zu verstehen?
Durch die globale Erwärmung hats immer weniger mehrjähriges Eis, dafür mehrheitlich jüngeres Eis, ein-, zweijährig, das bei Stürmen weniger aufgebrochen wird und somit ebener ist und sich für den Einsatz des Segels eignet. Es ist immer eine Entschuldigung auf dem Buckel der Natur, der Klimaerwärmung Schuld zu geben. Mein Motto war immer, sich den Gegebenheiten anzupassen. Das bedeutet in der Arktis, dass man sich auch im offenen Wasser fortbewegen kann.

Heisst Ihr Entscheid nun ganz grundsätzlich, dass Sie von den zeit- und materialaufwendigen Unternehmungen endgültig Abschied nehmen?
Ich hatte schon immer hohe Ansprüche an meine Unternehmungen, die ich als Sportler und Abenteurer in möglichst reiner Form realisieren wollte. Um Ihre Frage zu beantworten: Ja, ich will und werde keine solchen kompromisslosen Soloabenteuer mehr realisieren. Schon der Aufwand im Vorfeld ist gross, ebenso die psychische und physische Beanspruchung, und ich muss einsehen, dass ich nicht mehr 20 bin, sondern gegen die 50 gehe und mein Körper in einem Zustand ist, für den solche Beanspruchungen nicht mehr realistisch sind.

Kritiker sprechen in solchen Momenten von «Einsicht». Heisst das wirklich, dass Sie Ihre bisherigen Abenteuer in einem neuen Licht sehen oder sogar selber neu hinterfragen?
Nein, überhaupt nicht. Einsicht würde ja bedeuten, dass man vorher etwas Dummes gemacht hat. Das trifft bei mir aber nicht zu. Ich habe alle meine Vorhaben nach bestem Wissen und Gewissen angepackt, und die Sicherheit hatte immer die höchste Priorität. Aber klar, wenn man einen solchen Beruf wählt, ist es normal, mit Kritik konfrontiert zu werden. Ich habe gelernt, damit umzugehen.

Nachgehakt: Wie oft hatten Sie bei früheren Unternehmungen Zweifel an deren Sinn?
Hier muss wohl das Erlebnis von 2006 erwähnt werden. Der Traum scheiterte damals schon sehr schnell, und ich musste ums Überleben kämpfen. Das war ein einschneidendes Erlebnis, das mich nicht mehr losliess. Aber gezweifelt habe ich trotzdem nicht, auch jetzt nicht. Hingegen ist es die Sinnfrage für mich selber, die nicht mehr stimmt. Ich bin aber gerne bereit, mein Know-how und die Erfahrungen an andere weiterzugeben.

Brauchen Abenteuer überhaupt einen Sinn?
Grundsätzlich muss es nur für dich selber Sinn machen. Das traf bei mir immer zu. Ich durfte sehr viel erleben, zudem konnte ich beruflich davon leben und habe eine Familie ernährt. Das allein ist schon Sinn genug. Dem Abenteuer irgendeinen philosophischen oder gar ideologischen Deckmantel umzuhängen, kam für mich nie infrage.

Aber für solche Höchstleistungen brauchts eine hundertprozentige Motivation, genau wie zum Beispiel im Spitzensport…
…Ja, es braucht Motivation, es braucht die Leidenschaft. Die Expedition Transarctic Solo wäre ein Vorhaben gewesen, von dem ich lange hätte zehren können. Doch die Motivation fürs Wirtschaftliche war wohl grösser als Leidenschaft und Leidensbereitschaft – das ist aber der falsche Weg, denn an die erste Stelle gehört die Leidenschaft.

Wie steht es um die Risikobereitschaft – nimmt sie mit dem Alter ab?
Nicht unbedingt. Ich bin ein ängstlicher Mensch und suche nicht das Risiko, sondern das intensive Leben. Ich will das Risiko auf verschiedenen Ebenen kalkulieren können. Aber zugegeben, so bis 20-jährig nahm ich wohl grössere Risiken auf mich.

Und wie verhält es sich mit der Akzeptanz eines möglichen Scheiterns?
Scheitern hat mich nie aus der Bahn geworfen. Es gab ja immer einen Grund dazu, meistens bei mir selber oder bei äusseren Umständen wie dem Wetter. Scheitern ist immer ein Grund, zu fragen, wie man es besser machen kann. Das trifft auch im Alltag zu.

Wie gross sind nun die finanziellen Folgen Ihres Entscheides?
Es gibt ein paar persönliche Sponsoren, die mich in den vergangenen Jahren unterstützt haben mit dem Gedanken, dass ich die Transarctic Solo machen werde. Mit ihnen werde ich nun das Gespräch suchen und hoffe, eine Lösung zu finden, ihnen zu erklären, was zu diesem Entscheid geführt hat.

Wer Sie kennt, weiss um Ihre Unternehmungslust, aber auch um Ihren Ideenreichtum. Was sind die nächsten Pläne?
Es ist gut möglich, dass ich mich wieder mehr auf die Fotografie konzentriere. Und auf Reiseführungen, so auch jährlich mit Gästen zum Nordpol. Auch eine Grönlandreise ist ein Thema. Ausserdem geht es mir mit meiner Lebenspartnerin in Beatenberg sehr gut, ich habe drei wunderbare Töchter sowie meine Bienen, und im Herbst gehts wieder auf die Jagd.

Langweilig wird Ihnen also nicht. Aber ist es nicht Ironie, bitter oder gar unfair, dass Abenteurer ausgerechnet dann aufhören, wenn Sie über die grösste Erfahrung verfügen?
Ich packe gerne neue Herausforderungen an, um sie zu meistern. Das waren aber nicht nur die Abenteuer, sondern auch das erwähnte Fotografieren, Filmaufträge, Referate. Ich mache sicher auch weiterhin Expeditionen, die allerdings nicht mit einer Solodurchquerung der Arktis zu vergleichen sind und viel weniger Substanz kosten. Was mich etwas frustriert: Ich weiss, dass mein Rüstzeug für die Arktis, meine Erfahrung und das Material, auf sehr hohem Level ist – habe aber feststellen müssen, dass mein Kopf nicht mehr ganz mithalten kann und es zu gefährlich und fahrlässig werden könnte.

BEATENBERG 9. DEZEMBER 2014

Gemeinde rechnet mit 40’000 Franken Gewinn

In vielen Punkten waren sich die 48 Stimmberechtigten einig. Nur über das Schulhaus Schmocken wurde gereizt diskutiert.
Die Gemeinde kann in Zukunft über das Schulhausareal Schmocken bestimmen

48 von 828 Stimmberechtigten tauchten an der Gemeindeversammlung in Beatenberg aus dem Nebel auf. Gemeindepräsident Christian Grossniklaus begrüsste die Interessierten im Kongresssaal, in welchem nur ein Traktandum ausführlicher diskutiert wurde. Die anderen vier konnten ohne grössere Diskussionen genehmigt werden.

Keine aktuellen Zahlen

Gleich beim ersten Traktandum kam es zu einer etwas gereizten Diskussion. Das Thema war die Genehmigung der Entwidmung und Überführung des Verwaltungs- ins Finanzvermögen des Schulhausareals Schmocken. Da das Schulhaus nicht mehr seine ursprüngliche Funktion hat, sollte das Verwaltungsvermögen ins Finanzvermögen überführt werden, damit die Gemeinde zukünftig über das Areal verfügen kann. Die Gemeinde hatte diese Überführung auf 1’807’000 Franken beantragt. Aus dem Publikum kam aber ein Gegenantrag für eine Aufschiebung des Entschlusses, weil es nicht stimme, dass der Betrag von 200’000 Franken schon als Aufwertung im Budget aufgenommen sei.

Ausserdem werde von Zahlen ausgegangen, welche nicht mehr auf dem neusten Stand seien, da sie 2007 festgelegt wurden. Am Schluss gab es aber mit nur acht Stimmen keine Mehrheit für diesen Antrag, und das Traktandum wurde genehmigt.

40’000 Franken Gewinn

Bei der Genehmigung des Voranschlags 2015 gab es kaum Fragen. Das Ergebnis vor den Abschreibungen beträgt 786’400 Franken. Nach Abzug der Abschreibungen ist das Ergebnis ein Ertragsüberschuss von 40’000 Franken, mit der Folge, dass das Eigenkapital am 31. Dezember 841’253 Franken sein wird. Dabei sollte aber berücksichtigt werden, dass die 200’000 Franken für die Aufwertung des Schulhauses in Schmocken darin enthalten sind.

Der für 2015 ungenügende Selbstfinanzierungsgrad von nur 64 Prozent ist auf Investitionen von 971’000 Franken bei einer Selbstfinanzierung von nur 621’400 Franken zurückzuführen. Vor allem Investitionen in die Wasser- und Abwasserversorgung sind ein wichtiger Grund dafür. Bei einigen Projekten ist in den Folgejahren mit Subventionen und Beiträgen Dritter an die betreffenden Investitionen zu rechnen.

Erneuerung Quellgebiete

Die Quellgebiete Baumisboden und Chüematte (Schrick und Schlüechten) sind schon länger sanierungsbedürftig. Die nötigen Massnahmen sollten bis Ende 2015 getroffen worden sein. Die Quellbrunnstuben müssen erneuert, und die alten Eisenleitungen sollten durch Kunststoffleitungen ersetzt werden. Für beide Quellgebiete ist gemäss Kostenvoranschlag ein Baukredit von 280’000 Franken nötig. Da dieser Ausbau als Primäranlage gilt, sollten Beiträge aus dem kantonalen Trinkwasserfonds von 50 Prozent erwartet werden können, die aber noch nicht schriftlich zugesichert worden sind. Auch dieser Kredit wurde genehmigt.

Das vorletzte Traktandum war Wahl einer neuen externen Revisionsstelle für die Prüfung der Jahresrechnung und der Datenaufsicht zum Thema. Nach dem Vergleich der Offerten wurde die Firma ROD Treuhandgesellschaft des Schweizerischen Gemeindeverbandes AG gewählt. Mit Berichten aus den verschiedenen Ressorts wurde der Abend abgeschlossen.

SUNDLAUENEN 2. DEZEMBER 2014 (Jungfrauzeitung v. 2.12.2014)

Die Mehrheit will weg

Sundlauenens Abspaltung von Beatenberg nach Unterseen wird von den Gemeindebehörden überprüft. Eine Umfrage ergab ein klares Resultat.
Die Idee, dass sich der Ortsteil Sundlauenen von Beatenberg trennt und sich Unterseen anschliessen will, ist nicht neu. Nachdem letztes Jahr der alte Wunsch wieder Auftrieb erhielt, versicherten die Beatenberger Behörden, dass sie mit Unterseen den Kontakt suchen. Zudem führten sie in Sundlauenen eine Umfrage durch, die nun die wahre Befindlichkeit der dortigen Einwohner zeigt. Von 79 Stimmberechtigten in Sundlauenen befürworten 45 eine Abspaltung, 10 lehnen sie ab und 24 gaben keine Antwort. Letzteren sei es mehrheitlich egal, oder sie hätten nichts gegen einen Verbleib, sagt Beatenbergs Gemeindepräsident Christian Grossniklaus. «Die Konsultativumfrage zeigt, dass zwar eine Mehrheit der Sundlauener weg möchte, aber nicht ganz so viele, wie manchmal behauptet wird», sagt Grossniklaus.

AUFTRAG FÜR BERATUNGSBÜRO

Mit dem Segen des Gemeinderats hat er nun den Kontakt zu seinem Amtskollegen Jürgen Ritschard gesucht. «Wir waren bisher nicht aktiv, aber jetzt ist es ein Thema für Unterseen», sagt dieser. Sobald der Unterseener Gemeinderat über das Geschäft diskutiert hat, wollen die beiden Präsidenten eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aller Beteiligter ins Leben rufen. Die Prüfung einer möglichen Abspaltung möchten sie dann in die Hände eines spezialisierten Büros legen. «Die Kantonsbehörden haben uns signalisiert, dass sie damit keine Erfahrung hätten», sagt Grossniklaus. Im Vordergrund stünde eine vermögensrechtliche Auseinandersetzung. Die Restwerte von Beatenberger Investitionen in Sundlauenen müsste von Unterseen abgegolten werden. Auch die Zukunft der Wasserversorung müsste überprüft werden, da auch Beatenberg einen Teil seines Wassers von Sundlauenen bezieht.

Ohne Beatushöhlen

Als Perimeter, der für eine Abspaltung in Frage kommt, orientieren sich die Behörden am Schulkreis Sundlauenen. Die Beatushöhlen blieben in jedem Fall bei Beatenberg, da dieses Land der Bäuertgemeinde Schmocken gehört. Wenn sich das Vorhaben tatsächlich konkretisiert, wären mehrere Entscheidungen notwendig. Neben den Gemeindeversammlungen in Beatenberg und Unterseen bräuchte es unter Umständen auch einen separaten Entscheid der Sundlauener. Und am Ende müsste in jedem Fall der Grosse Rat über die Sezession befinden. «Ich bin im Moment weder für noch gegen eine Abspaltung», sagt Grossniklaus. «Wenn es um Volksentscheide geht, müssen die Sundlauener selber für ihr Anliegen kämpfen. Wir prüfen nur die Möglichkeiten.» Laut Ritschard würde die Prüfung der Trennung mindestens vier Jahre in Anspruch nehmen.

BEATENBERG 30. NOVEMBER 2014 (Jungfrauzeitung vom 30.11.2014)

Zwei neue Gesichter im Gemeinderat

Die Verteilung bleibt gleich: Die SVP-Liste stellt in der Beatenberger Dorfexekutive weiterhin vier Sitze, die UBB behält ihre zwei. Mit Fritz Gimmel verpasst ein bisheriges Ratsmitglied die Wiederwahl.

Mit der Begründung, dass in Beatenberg 50 Prozent der Bevölkerung SVP wählen, verkündeten die Unabhängigen Bürger Beatenberg (UBB) letzten Monat ihren Anspruch auf einen dritten Sitz und somit ein Fifty-Fifty-Verhältnis in der Exekutive. Nun hat Beatenberg gewählt, und alles bleibt gleich: Die SVP verteidigt ihre vier Sitze, die UBB kommt weiterhin auf zwei Mandate. Entschieden hat dies das Proporz-Wahlsystem: 1923 Listenstimmen gehen auf das Konto der SVP, 870 auf jenes der UBB. Dies entspricht einem Verhältnis von 68,9 Prozent für die Volkspartei und 31,15 Prozent für die Unabhängigen Bürger.

Sundlauenen verliert seinen Gemeinderat

Die SVP trat mit sämtlichen vier bisherigen Ratsmitgliedern zur Wahl an und stellte zudem zwei neue Kandidaten. Mit Matthias Käser (440 Stimmen) und Daniel Grossniklaus (329) schaffen zwei Bisherige die Wiederwahl problemlos. Mit 292 Stimmen zieht die parteilose Katharina Thomann neu in den Gemeinderat ein. Um den vierten Sitz entwickelte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den bisherigen Hans von Allmen und Fritz Gimmel, das von Allmen mit 272 zu 266 Stimmen zu seinen Gunsten entschied – damit stellt Sundlauenen künftig im Beatenberger Gemeinderat keinen Sitz mehr, was den Willen der Sundlauener, sich der Gemeinde Unterseen anzuschliessen, wohl noch bestärken dürfte.

Auf der UBB-Liste macht die bisherige Christina Rähmi-Mäder (parteilos) mit 227 Stimmen das Spitzenergebnis und schafft die Wiederwahl problemlos. Als einziger Bisheriger war Andreas Sieber nicht mehr zur Wahl angetreten. Seinen Sitz übernimmt Peter Beutler, pensionierter Chemiker und Autor von Kriminalromanen, der mit 72 Jahren zudem das älteste Mitglied im neu zusammengesetzten Gemeinderat ist.

Bereits vor dem 30. November war Christian Grossniklaus (SVP) für die Legislatur 2015 bis 2018 als Gemeindepräsident in stiller Wahl bestätigt worden.

BEATENBERG 25. NOVEMBER 2014 (Jungfrauzeitung vom 25.11.2014)

Heisses Bühnen-Spektakel

Die Theateraufführung «D Familie Nägeli» feierte im Kongresssaal Premiere. Es war ein unterhaltsamer Abend, der nicht nur die Schauspieler ins Schwitzen brachte.
Das Beatenberger Theaterteam, hinten (vlnr): Urs Gafner, Vreni Gerber, Kewin Gafner, Manuela Gafner, Patric Berger, Natalie Hurst, Adrian Deuschle, Anita Wullschleger und Beni Gafner. Vorne (vlnr): Selin Gafner, Adrian Gafner und Irene Moser.

Das Beatenberger Theaterteam, hinten (vlnr): Urs Gafner, Vreni Gerber, Kewin Gafner, Manuela Gafner, Patric Berger, Natalie Hurst, Adrian Deuschle, Anita Wullschleger und Beni Gafner. Vorne (vlnr): Selin Gafner, Adrian Gafner und Irene Moser.Foto: Frederike Scholten

In der beinahe vierzigjährigen Tradition des Beatenberger Theaters konnten die Zuschauer auch diesmal einen unkomplizierten Abend geniessen. Die Handlung des lustigen Dreiakters «D Familie Nägeli» verfehlte ihre Wirkung beim Publikum nicht und führte zu grossem Gelächter im Saal.

Von Emil zu Eva

Der Junggeselle Doktor Hans Nägeli täuscht seiner reichen Erbtante Jutta aus Kalkutta wegen seines immerwährenden Geldmangels jahrelang eine fiktive Ehe vor und erfindet aus diesem Grund eine Frau, einen Sohn und einen Schwiegervater. Das funktioniert über eine lange Zeit, aber so wie es im Leben immer geht, droht seine Lüge aufzufliegen, als die Tante dem Doktor ihre grosszügige Spende nicht wie jedes Jahr per Post zum Geburtstag schickt. Denn als grosse Überraschung erscheint sie diesmal selber und entschliesst sich, die Zeit in der Wohnung ihres Neffen zu verbringen. Es ergeben sich komischen Situationen, wenn der Doktor versucht, eine Familie vorzutäuschen, wobei er auf die Leute in seiner Umgebung angewiesen ist. So führt die sehr stressige Lage zum Beispiel dazu, dass sein Freund Emil, plötzlich seine Frau Eva wird.

Je stärker Doktor Nägeli auf der Bühne ins Schwitzen gerät, desto höher wurde auch die Temperatur im vollen Saal. Nach dem grossen Applaus ist auch Regisseur Beni Gafner klar: «Es war wirklich super! Obwohl wir es immer lustig haben bei den Proben, war es auch eine sehr intensive Zeit.»

Dies war aber noch nicht der Abschluss des Abends, denn die Gäste liessen den Abend begleitet vom Beatenberger Schwyzerörgelitrio Rotmoos ausklingen und freuten sich an der Tombola des Turnvereins mit den begehrten Preisen.

Nächste Aufführungen

Freitag, 28. November 20.00 Uhr.

Samstag, 29. November, 20.00 Uhr

Anschliessend jeweils Turnerbar-Betrieb und volkstümliche Begleitung von den Harzer Fäger aus Iseltwald.

Berner Oberländer Zeitung vom 20.11.2014

Retten Spender diese Hängebrücke?

Seit dem 2.Januar 2012 ist die Hängebrücke über dem Sundbach unpassierbar und der Wanderweg ist gesperrt. Pläne für eine neue Brücke sind vorhanden. Was fehlt, sind 250’000 Franken. Eine Spendenaktion ist lanciert.

 Der Punkt auf dem unteren Bild zeigt, wo im Sundgraben die 2012 zerstörte Hängebrücke steht. Am See ist das Dorf Sundlauenen zu sehen.
Bild: Ueli Flück

100-jährig

Es kann nicht auf den Tag genau gesagt werden, wann die Hängebrücke über den Sundgraben gebaut worden ist. Fest steht, dass die Standseilbahn Beatenbucht–Beatenberg, die ihren Betrieb 1889 aufgenommen hatte, bis 1910 mit Wasserübergewicht und ab 1911 mit elektrischem Antrieb fuhr. Beim Umbau wurden auch die Seile ausgewechselt. Zwei Einheimische, von denen einer beim Tram (rechtsufrige Thunerseebahn) arbeitete, kamen in den Besitz eines ausrangierten Seiles, nahmen es auseinander, machten zwei draus und hängten die Brücke an ihnen auf. Die 2012 weggerissene Brücke dürfte also rund 100 Jahre alt geworden sein. Vor ihr führte an ungefähr gleicher Stelle ein Steg, der Haseleggsteg, über den Sundgraben. Er wurde aber immer wieder durch Hochwasser weggerissen Am Abend des 2.Januar 2012 stürzten rund 30’000 Kubikmeter Hangmaterial unterhalb des Des-Alpes-Areals in der Waldegg Beatenberg in den Sundgraben und machten sich auf den Weg in den Thunersee. Das Delta wurde weggeschwemmt, oberhalb der Staat-strasse in Sundlauenen mussten Felsblöcke gesprengt werden, die Halterungen der Hängebrücke in der Haselegg oberhalb Ruchenbühl (rund 750 m ü.M.) wurden ausgerissen.

Der Wanderweg von Sundlauenen zur Kirche Beatenberg – einst gemeindeinterner Beatenberger Kirch- und Verkehrsweg – wurde unterbrochen und ist immer noch gesperrt.

Projekt vorhanden

Nach dem verheerenden Murgang kam dem Ersatz der Hängebrücke nicht erste Priorität zu. Mitte 2013 sprach der Gemeinderat Beatenberg dann aber die nötigen Kredite für ein geologisches Gutachten und beauftragte die Firma X-alpin aus Innertkirchen mit der Projektierung einer neuen Hängebrücke. Das Vorprojekt sieht vor, den neuen Übergang mit einer Spannweite von 75 Metern nach dem Vorbild der sogenannten Nepalesischen Hängeseilbrücken zu bauen.

Deren Standort wird gegenüber dem bisherigen nach unten verschoben, um gegenüber dem Bachbett Höhe zu gewinnen. Eine zu geringe Distanz zwischen Brücke und Bachbett hatte zum Totalschaden geführt.

Der Bau der neuen Brücke ist mit rund 230’000 Franken budgetiert. Dazu kommen «Nebenkosten» für geologische Abklärungen, die Baustellenzufahrt, die Gehweganschlüsse, die Demontage und die Entsorgung der bestehenden Konstruktionen und vieles andere mehr.

Die Gesamtkosten sind mit 300’000 Franken veranschlagt. Da der Brückenbau mit dem Abwasserprojekt «Aufhebung ARA Wang» kombiniert werden könnte (keine separate Rohrbrücke), würde die Gemeinde einen Beitrag von 50000 Franken an den Brückenneubau leisten.

Behörde hofft auf Spenden

«Mehr liegt von der Gemeinde her nicht drin», erklärt Gemeindepräsident Christian Grossniklaus, «ohne fremde Hilfe können wir uns den Brückenersatz nicht leisten.» Der Wanderweg werde von den Berner Wanderwegen nicht als Hauptverbindung von und nach Beatenberg anerkannt, erklärt der Gemeindepräsident, und so seien auch keine Subventionen zu erwarten. Der Gemeinderat erliess deshalb einen Spendenaufruf. Und hofft auf 250’000 Franken.

In einer ersten Runde wurden die Einheimischen und die Zweitwohnungsbesitzer angeschrieben, in einem zweiten Umgang die Hotel- und Gastrobetriebe, andere Institutionen sowie die Einwohner- und Burgergemeinden auf dem Bödeli.

«Wir freuen uns sehr über einen Beitrag von 5000 Franken von der Tourismus Organisation Interlaken», verrät Christian Grossniklaus. TOI-Direktor Stefan Otz sagt dazu: «Mit der Spende anerkennen wir die Bemühungen der Gemeinde Beatenberg, den Unterhalt und die Weiterentwicklung des für die Region unverzichtbaren Wander- und Spazierwegnetzes nachhaltig zu sichern.»

Die geplante neue Brücke bezeichnet Otz als «attraktive Ergänzung und Aufwertung dieser historischen Wegverbindung».

Spontan oder verpflichtend

Es kann auf zwei Arten gespendet werden: einerseits durch spontane Bargeldspenden auf das errichtete Spendenkonto, andererseits (besser) mit einer schriftlichen Beitragsverpflichtung (Details: www.beatenberg.ch – Rubrik aktuell). Bis jetzt gingen Spenden von gegen 40000 Franken ein.

Ende Februar 2015 wird Kasse gemacht. Kommen die nötigen 250’000 Franken nicht zusammen, wird das Vorhaben abgebrochen, die Barspenden werden zurückbezahlt und die Beitragsverpflichtungen hinfällig. Kommt das Geld zusammen, werden die Submissions- und Bewilligungsverfahren für eine neue Brücke eingeleitet.

BEATENBERG 16. NOVEMBER 2014

Altersheim in neuer Hülle

Das Alters- und Pflegeheim Beatenberg-Habkern zeigt sich am Tag der offenen Tür von seiner renovierten Seite. Das Resultat sorgt teilweise für Erstaunen. Insgesamt fallen die Reaktionen aber positiv aus.
Die Fassade des Altersheims stösst nicht nur auf Begeisterung.

Die Fassade des Altersheims stösst nicht nur auf Begeisterung.Fotos: Frederike Scholten

Das 1980 gebaute Alters- und Pflegeheim brauchte nach mehr als einem Vierteljahrhundert eine Erneuerung. Aus diesem Grund zügelten die Bewohner im März 2013 ins ehemalige Hotel Schönegg, etwas weiter vorne im Dorf. Obwohl vor allem die räumlichen Bedingungen dort nicht optimal waren, hatte dies der Vorteil, dass die Bewohner nicht auf verschiedene Orte verteilt werden mussten und auch das Personal behalten werden konnte. Jetzt sind Personal und Bewohner froh, dass sie nächste Woche in das neue Gebäude am vertrauten Ort zurückkehren.

Coole Fassade – oder doch nicht?

Vor allem die Fassade, die mit ihren drei Dächern ein Verweis auf das Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau ist, springt ins Auge. Im Dorf führte diese neue Gebäudehülle zu einigen Diskussionen. Die Meinungen gehen auseinander, wobei das Spektrum der Bewertungen von «kalter, grauer, unschöner Ausstrahlung» bis zum Ausruf «coole Farbe!» eines Vierjährigen reicht. Rudolf Schatzmann, Präsident des Verband Alters- und Pflegeheim Beatenberg-Habkern, sagt dazu: «Es ist nicht der traditionelle Chaletstil, so fehlt zum Beispiel ein Vordach. Es ist aber ein Funktionsgebäude, das dem Stand der heutigen Technik entspricht und eine zeitgemässe Ausstrahlung hat. Die graue Farbe der Fassade kann man auch als eine vorweg genommene Grauung, die beim Holz normalerweise im Laufe der Zeit stattfindet, betrachten.»

Viele Neuerungen

Zusammenfassend kann man sagen, dass nach Aufstockung des Gebäudes mehr oder weniger alles erneuert ist, nur die Zahl der Zimmer ist mit 33 gleich geblieben. Der Empfangsraum wie die Räumlichkeiten für das Personal sind vergrössert, die Küche ist neu, zusätzlich gibt es drei Studios mit eigener Küche und im oberen Stockwerk gibt es einen Unterhaltungsraum. Auch im technischen Bereich konnte alles auf den neusten Stand gebracht werden. Konstruktive Verstärkungen, das Anbringen von Sonnenkollektoren und die Installation einer Heizung, die mit Pellets aus Habkern gefeuert wird, gehören dazu. Nach Schatzmann verlief der Bau ohne grosse Probleme: «Wir brauchten einen Endspurt und waren auf den Tag genau pünktlich fertig.»

Heute sieht alles noch ein wenig steril aus. Das Konzept war auch, einen neutralen Rahmen zu bauen, der von Bildern, Möbeln und selbstverständlich den Bewohnern selber belebt werden soll. Auffällig darin sind aber die roten und grünen Türen der Zimmer, die laut Schatzmann als Farbakzente funktionieren. Am Schluss ihres Rundgangs setzten sich viele Besucher in die Cafeteria und besprachen beim Genuss von Kaffee, Kuchen oder Suppe das Gesehene.
BEATENBERG 2. NOVEMBER 2014 Jungfrauzeitung vom 2.11.2014

Zukunftspläne konkretisieren sich

Der Verein Schulhausareal Schmocken präsentierte die vorläufigen Ideen über die Möglichkeiten zur Nutzung des früheren Schulgebäudes. Vieles ist noch offen, aber Perspektiven gibt es bereits.
Das Schulhaus Schmocken in Beatenberg wie es heute aussieht.

Das Schulhaus Schmocken in Beatenberg wie es heute aussieht.Foto: Frederike Scholten

Ein kleines Publikum, vor allem einheimische Interessierte, war anwesend, um sich die Zukunftspläne des Schulhausareals erklären zu lassen. Der Vorstand des Vereins Schulhausareal Schmocken (VSS) erläuterte seine bisherige Arbeit und welche Ergebnisse daraus hervorgegangen sind. Wie Präsidentin Christina Rähmi sagt, ist es dem Verein wichtig, dass für die Beatenberger Bevölkerung der bestmöglichen Nutzen des Gebäudes angestrebt wird.

Bisherige Arbeit

Im September 2013 gründeten Christina Rähmi, Andres Sieber, Rudolf Schatzmann, Erika Zobrist (Kassierin) und Verena Moser (Sekretärin) den VSS. Bis jetzt gab es schon einige Versammlungen und Besprechungen mit der Gemeinde Beatenberg, die das Schulhausareal verkauft. Ein wichtiger Aspekt der Arbeit des VSS war auch die Umfrage im Februar, welche die Bedürfnisse der Bevölkerung festhielt. Es stellte sich heraus, dass es vor allem ein Interesse an Alterswohnungen kombiniert mit Dienstleistungen gibt, und dass auch ein Bedürfnis für grössere Familienwohnungen besteht. Die Wohnungen sollen nach der Mehrheit der Umfrageteilnehmer über zwei bis vier Zimmer verfügen, die Miete zwischen 800 und 1200 Franken pro Monat betragen.

Zusätzlich sollte das Areal aber auch von der Öffentlichkeit genutzt werden können, indem sich zum Beispiel Vereine und stille Gewerbe niederlassen. Nachdem der Verein sich über ähnliche bereits realisierte Projekte informiert hatte, konnte Ende September ein vorläufiger Plan, in den diese Bedürfnisse miteinbezogen worden sind, bei der Gemeinde eingereicht werden.

Vorgesehen sind neben dem bestehenden Schulhaus auch zwei Neubauten.

Vorgesehen sind neben dem bestehenden Schulhaus auch zwei Neubauten.Grafik: VSS Beatenberg

ERWEITERUNG DES BESTEHENDEN

Da das Gebäude als erhaltenswert eingestuft ist, liegt eine Ergänzung des bestehenden Schulhauses auf der Hand. Wie man auf der vorläufigen Skizze sehen kann, könnte je ein zusätzliches Gebäude auf beiden Seiten gebaut werden, wobei die Aussicht erhalten bleibt. Unter der vorne entstehenden Terrasse gäbe es eine Parkmöglichkeit, auf Strassenhöhe könnte ein geschützter, öffentlicher Aussenraum oder eine Verweilzone entstehen. Wie von der Bevölkerung gewünscht, würden Wohnungen gebaut, und auch die öffentliche Nutzung wäre gewährleistet. Die Zusammenarbeit mit dem eben renovierten benachbarten Altersheim ist auch nicht ausgeschlossen. All das sind aber nur vorläufige Vorstellungen. Es soll ein Wettbewerb für detailliertere Pläne ausgeschrieben werden. Zuerst muss mit der Gemeinde über den Preis verhandelt werden, und es braucht Investoren.

So könnte das ehemalige Schulgelände dereinst aussehen.

So könnte das ehemalige Schulgelände dereinst aussehen.Skizze: VSS Beatenberg
Weiteres Vorgehen

Der Plan ist, zuerst die Verhandlungen mit der Einwohnergemeinde aufzunehmen und das Grundstück im Baurecht zu übernehmen. Der VSS hofft im Laufe des Jahres 2015 zu wissen, wie es weitergeht. Zudem soll die Form der Trägerschaft abgeklärt werden. Denn obwohl eine Mehrheit in der Umfrage für eine Genossenschaft war, hat dies einige Nachteile, weshalb ein Fachmann beigezogen werden soll. Über die weiteren Entwicklungen wird die Bevölkerung informiert. Ausserdem sucht man weitere Vereinsmitglieder, und man ist immer offen für Fragen und zusätzliche Ideen. Das Brainstorming begann direkt nach der Informationsveranstaltung in einer gemütlichen Atmosphäre beim Apéro.

BEATENBERG 28. OKTOBER 2014 aus Jungfrauzeitung 28.10.2014

Mit Altersresidenzen Investoren locken

Die Promotoren wollen in Beatenberg mit dem «Projekt Jungfrau» ein neues Dorfzentrum mit Hotels, Bäder und Geschäften bauen. Für eine attraktivere Finanzierung wollen sie jetzt auch 70 Wohnungen erstellen.
Die Seniorenresidenzen befinden sich im Vordergrund am Steilhang.

Die Seniorenresidenzen befinden sich im Vordergrund am Steilhang.Foto: Marco Wölfli

Über 200 Beatenberger kamen im Juli in den Kongress-Saal, um sich die Pläne der Promotorengruppe um Koordinator Günter Müller anzuhören. Die Promotoren wollen Beatenberg unter dem Namen «Projekt Jungfrau» endlich ein Dorfzentrum bescheren und die stillgelegten Hotels Beauregard und Parkhotel sollen zum Leben erweckt werden. Im Sommer präsentierten die Promotoren viele kühne Ideen und Visionen aber nur wenig Konkretes, wie die Pläne umgesetzt und finanziert werden sollen. Jetzt haben Gemeinde und Promotoren erneut zu einer Information geladen, allerdings nur im kleinen Rahmen. Gekommen waren Beherberger, Gemeinderäte und Touristiker.

Um es vorweg zu nehmen: Auch dreieinhalb Monate nach dem Gang an die Öffentlichkeit gibt es keine bahnbrechenden Neuigkeiten. Die Kernelemente des Grossprojekts sind immer noch die Wiedereröffnung der beiden Hotelruinen und der Neubau des bewilligten Hotel Jungfraublick. Dazu kommen ein Gesundheitszentrum für Entschlackung, Regenerierung und Gewichtsabnahme, Sole-Badewelten und weitere Wellnessangebote. Bisher gingen die Promotoren von ungefähr 142 Millionen Franken Investitionsvolumen aus. Diese Summe schreckte potenzielle Investoren wahrscheinlich ab, und die Initianten haben ihr «Projekt Jungfrau» nun ein bisschen angepasst.

DEAL MIT KANTON

Unterhalb des Parkhotel war bisher nur ein kleiner Neubau vorgesehen. Jetzt wollen die Promotoren anstelle zusätzlicher Hotelzimmer 70 Seniorenresidenzen in den Hang hinein bauen. Die Wohnungen sollen im Stockwerkeigentum verkauft werden und ordentlich Geld einbringen. Gemäss Jürg Krüsi, Architekt und Ökonom, beläuft sich das Investitionsvolumen neu auf rund 137 Millionen Franken. «Mehr als die Hälfte davon können wir mit dem Verkauf der Seniorenresidenzen wieder reinholen», sagt Krüsi. Ganz ohne Hindernisse ist auch dieses Vorhaben nicht. Das Land des Parkhotel befindet sich in einer Hotelzone und kann nicht einfach mit Wohnungen überbaut werden. Zudem darf Beatenberg eigentlich gar kein neues Bauland einzonen. «Wir befinden uns diesbezüglich im Gespräch mit dem Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR)», sagt Beatenbergs Gemeindepräsident Christian Grossniklaus. Er sei aber zuversichtlich, dass man dafür eine Lösung finde. «Möglich ist zum Beispiel, dass wir an einem anderen Ort Bauland ausscheiden.»

Renditeprognosen und Studien

Die Promotoren hoffen, dass das «Projekt Jungfrau» mit den Seniorenresidenzen attraktiver wird für Investoren, da sie weniger Eigenmittel benötigen. Die Promotoren haben laut eigener Aussagen über 20 Machbarkeitsstudien durchgeführt, welche die Rentabilität des «Projekt Jungfrau» untersuchten. Die genauen Zahlen in Bezug auf Umsatz und Rendite lägen aber erst seit wenigen Tagen vor. Damit sollen die Verhandlungen mit möglichen Geldgebern vereinfacht werden. In den bisherigen Gesprächen mit potenziellen Investoren seien sie durchaus auf positives Echo gestossen, so Krüsi. Um welche finanzkräftigen Firmen oder Personen es sich dabei handelt, wollen sie aber noch nicht preisgeben. «Wir standen schon in Kontakt mit Investoren, die bereits Hotels besitzen, aber auch das baunahe Gewerbe bietet natürlich interessante Möglichkeiten.»

Einigung mit Bank

Laut des Zeitplans der Promotoren dauern die Mutmassungen und Spekulationen nicht mehr lange. Sie wollen bis Ende Jahr einen Investoren präsentieren. «Dabei erhalten wir auch Unterstützung der Banken», sagt Krüsi. Die Banken kommen auch ins Spiel, wenn es um die Zukunft des Areals geht, auf dem das Hotel Jungfraublick entstehen soll. Da die Vorgängergesellschaft, die dort ein Hotel realisieren wollte, Konkurs ging, gehört das Land im Moment der Bank und soll Ende November versteigert werden. «Da das Land in der Hotelzone liegt, ist es für Private weniger interessant», so Günter Müller. «Wir streben eine Lösung mit der Bank an. Schliesslich liegt für das Hotel eine Baubewilligung vor.» Dieses Teilprojekt könnte deshalb sofort in Angriff genommen werden. Für die gesamte Umsetzung des «Projekt Jungfrau» rechnen die Promotoren mit sieben Jahren.

BEATENBERG 26. OKTOBER 2014

Für mehr Verständnis für die Landwirtschaft

Bei der Miss-Beatenberg-Wahl geht es um weit mehr, als nur die schönste Kuh des Dorfes zu küren. Während sich die hübschen Kuhdamen von ihrer besten Seite zeigen, versuchen die Bauern, die Gesellschaft für ihre Anliegen zu sensibilisieren.
Schon früh am Morgen hört man die Glocken der Kühe, die mit ihren Bauern zur Viehschau auf dem Wydi-Dorfplatz marschieren. Dort können alle die vor Ort versammelten Kühe bewundern. Zuerst durften die Kinder dem Publikum ihre schön geschmückten Kälber zeigen. Dies nicht ohne Grund, denn wie der Präsident des Viehzucht Verein Beatenberg, Hans von Allmen, betonte: «Es ist wichtig, dass Kinder einen Bezug zur Landwirtschaft entwickeln und zum Beispiel im Stall mithelfen können. Sie kommen vielleicht schmutzig nach Hause, es ist aber eine Bereicherung für ihr Leben, man sollte wissen, dass Bauern einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten.»
Die Kandidatinnen für den Höhepunkt des Tages, die Miss-Beatenberg-Wahl, werden dem Publikum zur Beurteilung vorgeführt.
Verschiedene Kategorien

Dann wird es aber ernst, denn die Punktierung fängt an. In verschiedenen Altersgruppen werden unter anderem die Haltung, der Knochenbau, die Euter, die Milchmenge, und der Gesamteindruck beurteilt. Der Höhepunkt ist die darauf folgende Miss-Wahl. Pro Kategorie kann eine Kuh eine Trychel gewinnen. Eine Trychel für die Kuh mit der grössten Milchleistung, weiter werden eine Miss Protein, eine Miss Schöneuter und eine Miss Raiffeisen für den Bauern, der in den anderen Kategorien nichts gewonnen hat, ausgezeichnet. Zum Schluss kommt die Miss-Beatenberg-Wahl. Bei dieser wird die Beurteilung von den Zuschauern verlangt. Schliesslich gewinnt Fabiola, deren Besitzerin Familie Aebersold ist, welche die vom Tourismusverein gesponserte grosse Trychel erhält.

Nicht nur für Bauern

Aber nicht nur die Kühe konnten gewinnen, auch die Zuschauer, die durch ihre Bewertung gleichzeitig an einer Verlosung teilnahmen. Auf diese Weise werden die Leute in die Welt der Bauern einbezogen. Und dies nicht ohne Grund, denn wie auch Ueli Schmocker, Mitorganisator der Viehschau, sagt: «Es lohnt sich auch für Nicht-Bauern, einmal bei einer traditionellen Veranstaltung vorbeizuschauen. Es ist wichtig, dass die Leute sehen, dass Bauern eine Beziehung zum Tier haben, wie sie sich Mühe geben, die Kühe zu putzen und zu schmücken. Es sollte in der heutigen Zeit mehr Verständnis und ein Bezug zur Landwirtschaft entwickelt werden.» Im Jahr 1997 gab es im Dorf noch doppelt so viele Bauern wie heute. Hans von Allmen und Ueli Schmocker befürchten sehr, dass es in den nächsten Jahren rasch noch weniger sein werden.

Für die Bauern selber bietet die Viehschau die Möglichkeit, die eigenen Tiere mit denen von anderen zu vergleichen. Wenn man gemeinsam darüber spricht, kann man etwas von einander lernen. Von Allmen meint: «Man sollte auf keinen Fall betriebsblind werden.» Aber nicht nur diese berufspolitische Seite spielt an diesem Tag eine wichtige Rolle, auch der gemütliche Aspekt wird berücksichtigt. Der Anlass wurde mit einem Essen am Züchterabend abgeschlossen, der auch für all jene organisiert wird, die das ganze Jahr über mithelfen.

BEATENBERG 25. OKTOBER 2014 aus Jungfrauzeitung vom 25.10.2014

UBB will drei Sitze erobern

Christian Grossniklaus ist in stiller Wahl als Gemeindepräsident bestätigt worden. Für die sechs Gemeinderatssitze schicken SVP und UBB je sechs Kandidaten ins Rennen.

SVP WILL SITZE HALTEN

Im Gegensatz zum Präsidium zeichnet sich für die Wahl der sechs Gemeinderäte ein munterer Wahlkampf ab. Die SVP, die aktuell vier Sitze hält, tritt mit allen Bisherigen und insgesamt sechs Kandidaten an. Ein Sitzzuwachs sei allerdings nicht das Ziel, sagt Grossniklaus: «Mehr als die Verteidigung der vier Sitze liegt nicht drin. Das ist aber auch kein Problem, es sollen schliesslich auch noch andere ein bisschen schuld sein.» Die anderen sind in diesem Fall die Unabhängigen Bürger Beatenberg (UBB), die im Moment zwei Sitze besetzen. «Wir wollen einen dritten Sitz», sagt UBB-Präsident Heinrich Gafner. «50 Prozent in Beatenberg wählen SVP. Wir wollen die andere Hälfte abholen.» Ein ambitioniertes Ziel. Mit Andres Sieber tritt ein bisheriger UBB-Gemeinderat nicht mehr an. Dafür kandidiert der Autor und ehemalige Luzerner Grossrat Peter Beutler für die UBB.

Froh um Wahlen

Dass beide Parteien so viele Kandidaten fanden, ist keineswegs selbstverständlich. Nach der Affäre um manipulierte Spitex-Formulare traten drei Gemeinderäte zurück. «Diese Vorfälle haben viele Leute abgeschreckt», sagt Gafner. Er sei deshalb froh, dass überhaupt Wahlen stattfinden. Auch für Grossniklaus hat die demokratische Ausmarchung einen hohen Stellenwert: «Ich wünsche mir nicht Hasliberger Verhältnisse, wo die Suche nach Kandidaten fast unmöglich ist.» Beide Parteivertreter bezeichnen die Entwicklung des Dorfzentrums als dringendste Herausforderung auch wenn der Einfluss der Gemeinde nur beschränkt ist. Die Urnenwahlen finden am 30. November statt.

Fritz Gimmel (SVP/bisher).
Katharina Thomann (SVP).
Christina Rähmi (UBB/bisher).
Heinrich Gafner (UBB).
Herbert Fankhauser (UBB).
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BEATENBERG 21. OKTOBER 2014 Jungfrauzeitung

Musiker tagten auf der Sonnenterrasse

An der Delegiertenversammlung des BOMV in Beatenberg wurden alle Geschäfte einstimmig genehmigt, darunter auch das neue Reglement zur Durchführung der Kreis- und Oberländischen Musiktage.
Die 95. Delegiertenversammlung des Berner Oberländischen Musikverbandes (BOMV) fand im Kongresssaal auf dem Beatenberg statt. Zu Beginn der Versammlung wurden die Delegierten mit musikalischen Klängen der Musikgesellschaft Beatenberg auf die Delegiertenversammlung eingestimmt und der Vertreter der Gemeinde, Gemeindepräsident Christian Grossniklaus, gab den Anwesenden einen kurzen Einblick in die Einwohnergemeinde Beatenberg. Präsident Martin Schneider eröffnete kurz darauf die Versammlung und begrüsste die 48 Sektionen mit ihren Vertretern auf dem Beatenberg. Die Versammlung fand zum ersten Mal am Vormittag statt, über 80 Delegierte hatten ihren Weg auf die Sonnenterrasse hoch über dem Thunersee gefunden. Die ordentlichen Traktanden wie Jahresbericht, Jahresrechnung, Entlastung gingen reibungslos über die Bühne.

Die Jahresrechnung musste leider auch dieses Jahr wieder einen kleinen Verlust ausweisen. Doch Kassierin Ursula Allemann erklärte der Versammlung ausführlich und kompetent, wie dieser zustande gekommen ist. Diesbezüglich wurden von Seiten der Delegierten auch keine Vorbehalte geäussert, und die Rechnung konnte einstimmig genehmigt werden.

Präsident als neuer Delegierter

Bei den Wahlen wurden die Mitglieder des Vorstandes und der Musikkommission, welche sich wieder zur Verfügung stellten, mit Applaus für weitere zwei Jahre bestätigt. Es waren dies die Vorstandsmitglieder Stefan Janzi, Ursula Allemann und Renate Hänni, und die Mitglieder der Musikkommission Barbara Bütikofer und Beat Aberegg. Für den Kreis 2 konnte leider immer noch kein Vertreter gefunden werden. Als neue Rechnungsprüfungssektion wurde die MG Gstaad gewählt. Zudem standen auch Wahlen für die Eidgenössischen Delegierten des Schweizerischen Blasmusikverbandes (SBV) auf dem Programm. Beat Flückiger, welcher schon seit 1994 das Oberland vertritt, wurde wiedergewählt. Neu wird auch der Verbandspräsident des BOMV, Martin Schneider, das Oberland auf nationaler Ebene vertreten.

Das im Vorfeld heiss oder kontrovers diskutierte überarbeitete Reglement betreffend der Durchführung von Kreis- und Oberländischen Musiktagen wurde den Delegierten an der Versammlung zusammen mit drei Abänderungsanträgen zur Beschlussfassung vorgelegt. Die Anträge fanden bei den Delegierten keine Mehrheit, und so wurde das neue Reglement mit großem Mehr genehmigt.

BEATENBERG 21. OKTOBER 2014 Jungfrauzeitung

Grossniklaus still gewählt

Der bisherige Beatenberger Gemeindepräsident bleibt weiterhin im Amt.

Auch in der nächsten Legislatur wird Christian Grossniklaus der Gemeinde als Präsident vorstehen. Der SVP-Vertreter wurde in stiller Wahl bestätigt, da keine anderen Kandidaturen eingegangen sind. Grossniklaus ist seit vier Jahren Gemeindepräsident. Die sechs anderen Sitze im Gemeinderat werden an einer Urnenwahl am 30. November besetzt. SVP und UBB treten mit je sechs Kandidaten an.

Beatenberg, 14. September 2014

Mit fast 100 Jahren wieder neu

Nachdem das Beatenberger Schulhaus Spirenwald wegen Umbaus ein Jahr geschlossen war, fand zum Wiedereinzug am Freitag, 12. September, ein Tag der offenen Tür statt. Dazu gab es Ansprachen, Spiele und eine Festwirtschaft. Bei vielen Besuchern erwachten vermeintlich vergessene Kindheitserinnerungen.
Zum Abschluss des Tages liessen die Besucher Luftballons fliegen.

Zum Abschluss des Tages liessen die Besucher Luftballons fliegen.Fotos: Frederike Scholten
Im Innern des Schulhauses ist es heller geworden, nicht zuletzt dank der Verwendung freundlicherer Farben.

Dem bald 100-jährigen Schulhaus sieht man sein Alter nach der Renovation höchstens noch am Baustil an, denn dieser Schulhaustyp ist ziemlich weitverbreitet im Kanton Bern. Davon berichtete der Architekt Hermann Trauffer in seiner Rede anlässlich des Festtages. Das unter Heimatschutz stehende Gebäude wurde äusserlich kaum geändert und hat deswegen seinen ursprünglichen Charme und Charakter behalten.

Frisch, modern und kindgerecht: Das Konzept zieht sich durch das ganze Gebäude.

Dagegen hat sich das Innere stark verändert. Die Sekundar-Lehrerin und Schulleiterin Verena Moser sagt, dass die Zimmer viel heller geworden seien und dass man das Gefühl habe, es gebe mehr Raum. Und dabei steht sie nicht allein mit ihrer Meinung. Viele Einheimische, die hier vor Jahrzehnten zur Schule gegangen sind, staunen über die Helligkeit. Ansonsten gab es vor allem technische und energetische Massnahmen, damit das Gebäude dem modernen Standard entspricht. Ausserdem mussten die Zimmer und die Umgebung kinderfreundlicher gestaltet werden, da jetzt die Kindergartenkinder zusammen mit den Erst- und Zweitklässlern hier ihren Bildungsanfang machen werden. Der neue Spielplatz war somit eine unentbehrliche Ergänzung.

Gemeindepräsident Christian Grossniklaus ergänzte Pestalozzis Sprichwort «Lernen mit Kopf, Herz und Hand»: Auch die Lernumgebung gehöre dazu.
Ausstellung zur Geschichte

Die Fertigstellung des Umbaus war natürlich ein Anlass zum Feiern für die Schulfamilie. Das Programm zum Tag der offenen Tür fing mit den Reden der verschiedenen Beteiligten an. Der Gemeindepräsident Christian Grossniklaus betonte in seiner Ansprache, dass Bildung von grosser Bedeutung und eine funktionierende Lernumgebung dazu ein Anliegen der Gemeinde sei. Auch Schulinspektor Bernhard Häsler findet es wichtig, dass ins Schulwesen investiert wird. Als Überraschung schenkte er den zwei jüngsten Schülern, stellvertretend für alle anderen, zwei Bälle. Danach fing das Festprogramm mit Spielen und einer kleinen Festwirtschaft an. Zudem konnte das Schulhaus sowie eine kleine Ausstellung zu dessen Geschichte besichtigt werden.

Barriere führte zu Unmut

Zu einigen Diskussionen führte in der vergangenen Zeit die Barriere, die den Spielplatz abschliesst. Verena Moser erklärt warum: «Vorher waren hier Parkplätze für die Besucher des Kongresssaales. Es gibt aber einen neuen, roten Kunststoffbelag, der nicht befahren werden darf, weil er sonst kaputt ginge.» Ausserdem diene sie als klare Abgrenzung des Spielplatzes. Die Anwohner könnten aber natürlich schon durchfahren und ihre Häuser erreichen. Parken könne man in der Nähe, auf dem Wydi-Platz.

Verlauf der Renovation

2011 – Grundsatzentscheid, dass es in Beatenberg nur noch die zwei Schulstandorte Waldegg und Spirenwald geben wird; das Schulhaus Schmocken wird geschlossen.

Dezember 2012 – Gemeindebeschluss für den Kredit von 1,9 Millionen Franken.

Juli 2013 – Das Schulhaus wird für den Baubeginn komplett geräumt.

Juli 2014 – Das Schulmaterial wird gezügelt.

August 2014 – Erster Schultag im renovierten Schulhaus.

BEATENBERG 13. SEPTEMBER 2014

Die Holländerin in der Berner Tracht

Frederike Scholten ist fasziniert vom Schweizer Brauchtum. Vor zwei Jahren trat sie der Beatenberger Trachtengruppe bei. Seither bereichert die Niederländerin das kulturelle Dorfleben.
Die Holländerin Frederike Scholten lebt die Schweizer Kultur in vollen Zügen aus.Fotos: Eingesandt, Fritz Bieri

Obwohl sie die Tanzschritte schon gut beherrscht, tanzt Frederike Scholten ganz schön aus der Reihe: Die 25-Jährige gehört nämlich nicht nur zu den jüngsten Trachtentänzerinnen im Mikrokosmos Jungfrau, sie ist auch das erste Mitglied der Beatenberger Trachtengruppe ohne Schweizer Pass. «Brauchtum ist Kultur. Ich finde es wichtig, dass es gepflegt wird», sagt die holländische Germanistikstudentin. Persönlich ist ihr der Trachtentanz eine Lebensbereicherung: «Wenn ich nach der Probe nach Hause gehe, bin ich glücklich.» Einmal pro Woche treffen sich die Beatenberger Trachtentänzer und studieren neue Schritte ein. Frederike Scholten schätzt das Durchschnittsalter ihrer Kolleginnen und Kollegen auf rund 50 Jahre. Die fröhliche Holländerin ist die Zweitjüngste im Beatenberger Reigen. «Vereinsnachwuchs ist rar; ich bin mit offenen Armen in die Gruppe aufgenommen worden.» Sie glaubt nicht, dass sie ihre Berner Ausgangstracht jemals wieder gegen die holländischen Holzschuhe tauschen wird.

Trachten machen Leute

«Wenn ich die Tracht trage, fühle ich mich richtig adrett angezogen», sagt Frederike Scholten. Es sei bemerkenswert wie einen Passanten behandeln, sobald man in der Tracht aus dem Haus geht: «Ob von Einheimischen oder Touristen, in der Tracht wird mir ein gewisser Respekt gezollt. Das kommt schon fast einer gewissen Ehrfurcht gleich.» Frederike Scholten entschied sich für die Berner Ausgangstracht mit blauer Schürze; blau ist ihre Lieblingsfarbe. «Viele meiner Tanzkolleginnen tragen die Gotthelftracht, die ich auch sehr schön finde. Die Berner Ausgangstracht scheint mir aber freundlicher. Sie passt zu meinem Gemüt», so Frederike Scholten. Ihre Liebe zur Schweizer Kultur liess sich die Holländerin gerne etwas kosten; um die 3000 Franken investierte Frederike Scholten in ihr neues Hobby und liess sich ihre Tracht von der Interlakner Trachtenschneiderin Malou Balmer massanfertigen. Jede Spitze sitzt wie angegossen. Trotzdem sei das Tragen der Tracht durchaus gewöhnungsbedürftig: «Sobald man die Tracht geschnürt hat, geht man automatisch aufrecht. Anfangs fühlte ich mich schon ein wenig eingeengt, dieses Gefühl legt sich aber mit der Zeit. Ich trage meine Tracht mit Freude und Stolz.»

Konzentration und Fitness zugleich

Dem Laien können Trachtentänze vielleicht einfach erscheinen. Frederike Scholten aber bezeugt, dass die verschiedenen Schrittabfolgen dennoch komplex sind und regelmässiges Proben unerlässlich ist. Ihr Repertoire umfasst heute schon über ein Dutzend Tänze. Persönlich bevorzugt sie, ihrem Wesen entsprechend, die fröhlichen Tänze. Trachtentanz ist Teamarbeit: Falsche Tanzschritte eines einzelnen Tänzers können verheerende Folgen nach sich ziehen: «Ein falscher Schritt und die Choreographie der gesamten Gruppe gerät durcheinander. Die schnellen Richtungswechsel fordern grosse Konzentration und auch die Fitness eines jeden einzelnen Tänzers.» Vom Auftritt am Alphorntreffen auf der Chüematte in Beatenberg im August zehrt Frederike Scholten noch immer: «Das war trotz Nebel und kaltem Wetter ein eindrücklicher Anlass. Nicht nur für Holländer, auch für Einheimische!»

Einmal pro Woche probt die Trachtengruppe Beatenberg.
Wertvolles Kulturgut

Ihr persönliches Umfeld reagierte unterschiedlich auf ihre neue Freizeitbeschäftigung. Vor allem unter den gleichaltrigen Studienkollegen traf Frederike Scholten nicht immer auf Verständnis. Sie macht sich nichts aus diesen Reaktionen: «Ich bin der Meinung, dass Tradition geschätzt und auch geschützt werden soll.» Für die Holländerin ist es unverständlich, dass das Schweizer Brauchtum nicht vermehrt auch von einheimischen Jungen gepflegt wird: «Es ist doch eigentlich paradox, dass eine Holländerin den Nachwuchs einer Schweizer Trachtengruppe bildet.» Trotzdem findet Frederike Scholten, dass im Mikrokosmos Jungfrau Traditionen noch mehr Wert beigemessen werden als anderswo im Land. Den Trachtentanz sieht Scholten als ein Glied in der langen Kette der reichen Schweizer Traditionen, die es zu erhalten gibt. Für die holländische Germanistin ist klar: «Traditionen prägen die Kultur eines Landes. Die Vielfalt macht es aus, und gerade die gilt es zu erhalten.»

Jungfrauzeitung 26. August 2014
BEATENBERG 

Sogar die Hunde jodelten mit

Das Alphorntreffen auf der Chüematte wird langsam zur Tradition. Erneut reisten Bläser aus aller Welt an, um am Event mit der Trachtengruppe und dem Jodlerklub einen gemütlichen Tag zu erleben.
Was vor Jahrzehnten als Familienausflug angefangen hat, ist im Laufe der Zeit zu einer schönen Veranstaltung oberhalb vom längsten Dorf Europas geworden, wie Mitorganisator Walter Zobrist erzählt. Den «Beatenberger Alphornbläsern» mit Franz Grossniklaus, Christian Gafner, Andy Fuhrer, Markus Jaun, Urs Zimmermann und ihm selber ist es unter dem Patronat vom Beatenberg-Tourismus beinahe jedes Jahr gelungen, das Treffen zu organisieren.

Die Alphornbläser kommen zum grössten Teil aus der Jungfrauregion, es gibt aber auch Auswärtige aus Basel oder Zug und sogar aus England. Dieses Ehepaar macht schon einige Jahre Ferien in der Jungfrauregion. Beide hat das Alphornspielen so richtig gepackt. Aus dem Grund planen sie ihren Urlaub sogar so, dass sie beim Treffen dabei sein können.

Ein volkstümlicher Tag

Es gab trotz Nebel, Nässe und Kälte einen gemütlichen Tag, der mit einer Bergpredigt im Stall, unterstützt von der Musikgesellschaft Beatenberg, anfing. Obwohl die Berge sich nicht zeigten, kamen doch immer wieder Wanderlustige, die die verschiedenen Auftritte der ganzen volkstümlichen Palette geniessen konnten. Die Jodler gaben ihre Lieder zum Besten und die Trachtengruppe Beatenberg zeigte schöne Tänze, aber auch Gäste konnten das Tanzbein schwingen. Natürlich aber standen die Alphornklänge im Zentrum. Doch Chäsbrätel, Bratwurst, Meringue, Älplerkafee – kurz all das, was man von einem Alphorntreffen erwartet – durften nicht fehlen. Und wenn sogar ein Hund spontan mit den Tönen eines Büchels mitzujodeln anfängt, kann man wohl sagen, dass es ein richtig volkstümlicher Tag war.

Mehr als dreissig Alphornbläser kamen zur Chüematte oberhalb von Beatenberg.Fotos: Frederike Scholten

Trotz diesem reichhaltigen Programm, hat das schlechte Wetter die Besucherzahlen doch negativ beeinflusst. Walter Zobrist: «Dieses Jahr waren 200 bis 300 Leute da, eigentlich sind wir zufrieden, denn es war kalt und nass. Aber im Vergleich zu anderen Jahren waren es wenige Besucher. Wenn das Wetter schön ist, sind ungefähr 500 Gäste hier.» Es gibt kein Verschiebedatum, da am Wochenende vorher die Bodechilbi und eine Woche später der Alpabzug stattfindet. «Da bleibt nur eines: Wir hoffen für nächstes Jahr auf schönes Wetter und auf eine weitere gute Zusammenarbeit der Beatenberger Vereine.»

Jungfrauzeitung 23. August 2014
BEATENBERG 

Bevölkerung soll sich finanziell beteiligen

Die Hängebrücke Sundbach, die 2012 durch einen Murgang zerstört worden ist, soll ersetzt werden. Die Gemeinde kann sich das nicht leisten – mit Subventionen von Bund und Kanton ist nicht zu rechnen. Aus diesem Grund erfolgt nun ein Spendenaufruf.

Die bestehende Hängebrücke Sundbach (Ruchenbühl) wurde 2012 durch einen Murgang zerstört. Gemäss Kostenvoranschlag der Brückenbaufirma x-alpin GmbH kostet ein Ersatz rund 300’000 Franken. Das Vorhaben soll mit dem allfälligen Abwasserprojekt «Aufhebung ARA Wang» kombiniert werden. Die Gemeinde Beatenberg kann sich ohne Fremdhilfe diesen Brückenersatz nicht leisten. Mit Subventionen seitens Bund und Kanton kann nicht gerechnet werden. Deshalb soll die neue Hängebrücke mittels Spendegelder finanziert, respektive realisiert, werden. Seitens der Gemeinde werden etwa 50’000 Franken (anstatt einer separaten Rohrbrücke) an die Brücke geleistet. Aus diesem Grund wird in den nächsten Tagen ein Spendenaufruf erfolgen. Die Unterlagen werden auch unter www.beatenberg.ch aufgeschaltet. Die Gemeinde bedankt sich bereits im Voraus für die Spenden.

Werbefilmproduktion Beatenberg

Beatenberg Tourismus beabsichtigt, diesen Sommer mit der Firma Oculus Video einen kurzen Werbefilm – von zwei bis drei Minuten – über Beatenberg zu drehen. Mit schönen und prägnanten Bildern soll das Interesse am Ort geweckt werden. Der Film folgt einer Familie, die verschiedene Aktivitäten in und um Beatenberg unternimmt, umrahmt von wunderschönen Impressionen. Der Gemeinderat hat einen Betrag von 1000 Franken für den Sponsorenauftritt gewährt.

Sonja Fuss, Gemeindeschreiberin
Weitere Geschäfte

Prüfungserfolge

Die dreijährige Verwaltungslehre mit Berufsmaturität (Kauffrau mit Profil M, Branche öffentliche Verwaltung) hat Melanie Schmocker aus Beatenberg mit grossem Erfolg abgeschlossen. Sie hat nun eine Festanstellung seit 1. August als Verwaltungsangestellte zu 100 Prozent auf der Gemeindeverwaltung in Beatenberg. Der Bauverwalter Patrick Suter hat den Diplomlehrgang zum Bernischen Bauverwalter mit Erfolg bestanden. Er wird nun den erforderlichen Führungslehrgang in Bern ab August für ein halbes Jahr besuchen und mit der Prüfung abschliessen, damit ihm schlussendlich das Diplom zum Bauverwalter ausgehändigt wird. Der Gemeinderat gratuliert Melanie Schmocker und Patrick Suter für die sehr guten Prüfungserfolge und freut sich auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit.

Während Probezeit gekündigt

Monika Ruchti aus Unterseen hat bereits in der Probezeit gekündigt, weil sie eine andere Stelle angenommen hat. Deshalb wurde die Stelle als Verwaltungsangestellte zu 50 Prozent in der Abteilung Bauverwaltung umgehend ausgeschrieben. Als Nachfolger seit dem 1. August wurde Stephen Werner aus Gündlischwand angestellt. Aufgrund seiner bisherigen Tätigkeit auf dem Regierungsstatthalteramt Interlaken-Oberhasli ist er bestens für die Stelle qualifiziert. Er wird ab Mitte September berufsbegleitend für vier Jahre das Bachelor-Studium in Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Bern beginnen.

Neuer Lernender

Mischa Söjtöri aus Unterseen hat am 1. August seine dreijährige Verwaltungslehre bei der Gemeindeverwaltung Beatenberg begonnen. Das Team der Gemeindeverwaltung freut sich auf eine spannende Lehrzeit.

Marketingkonzept Gemeinde Beatenberg

Michael Isenring, Student der Berner Fachhochschule, Fachbereich Wirtschaft, hat ein Marketingkonzept Gemeinde Beatenberg (Situationsanalyse und Konzept) erstellt. Im Vorfeld erarbeitete er einen Fragebogen «Standortanalyse Beatenberg», welcher an 210 länger ansässige Beatenbergerinnen und Beatenberger, an 104 Zuzüger und 142 Wegzüger der letzten drei Jahre versendet wurde. Etwa 35 Prozent der verschickten Fragebogen wurden retourniert. Als Dankeschön haben die Personen, die den Fragebogen zurück geschickt haben, eine von der Niederhornbahn AG gesponserte Retour-Fahrkarte auf das Niederhorn erhalten. Anlässlich der öffentlichen Vorstellung des Projekts Jungfrau – Dorfzentrum Beatenberg am 11. Juli stellte Michael Isenring das Marketingkonzept vor. Eine kurze Zusammenfassung des Marketingkonzepts kann am Schalter der Gemeindeverwaltung bezogen werden und auf der Homepage unter aktuell ist die Zusammenfassung und das gesamte Marketingkonzept aufgeschaltet.

Amtliche Vermessung: Ersterhebung Los 6; Restgebiet

In der Gemeinde Beatenberg ist hauptsächlich das bebaute Gebiet vermessen. Das Restgebiet soll nun mit der Gemeinde Habkern zusammen vermessen werden. Es handelt sich um eine Fläche von rund 2002 Hektaren. Die Gesamtkosten für das Vermessen von Beatenberg kosten in etwa 435’000 Franken. Davon übernehmen Bund und Kanton 313’450 Franken. Der Gemeinde Beatenberg bleiben Restkosten von 121’550 Franken. Das Amt für Geoinformation wird die Organisation und Koordination übernehmen und die Submission durchführen. Gemäss Fahrplan ist der Arbeitsbeginn für diese Vermessungsarbeiten im Herbst 2015 geplant. Der Gemeinderat hat die Vermessung des Restgebietes (Ersterhebung Los 6) genehmigt und die Ausgaben von total 121’550 Franken nach Art. 7 Abs. 1 und 2 Gesetz über die Amtliche Vermessung beschlossen (Kosten der Vermessung und der Vermarkung müssen nicht zusammengerechnet werden, um das finanzkompetente Organ zu bestimmen). Auf eine Beteiligung der Grundeigentümer, infolge Gleichbehandlung der Lose in den Vorjahren, wird verzichtet.

Richtlinien für Schülertransporte

Die letztjährigen Richtlinien für Schülertransporte sind nur für das Schuljahr 2013/14 mit den Schulstandorten Schmocken und Waldegg erstellt worden. Durch die neue Organisation ab August mit den Schulstandorten Spirenwald und Waldegg wurde eine Überarbeitung nötig. Der Gemeinderat hat die neuen Richtlinien für Schülertransporte in der Gemeinde Beatenberg ab Schuljahr 2014/2015 genehmigt.

Neugestaltung Westbahnhofplatz

Die Gemeinde Interlaken gestaltet ab September den Westbahnhof neu. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 4,84 Millionen Franken. Auch wenn das Projekt teilweise im Agglomerationsprogramm des Bundes enthalten ist und deshalb namhafte Subventionen fliessen, belaufen sich die Kosten, die der Gemeinde Interlaken verbleiben, auf immer noch über eine Million Franken. Um die Neugestaltung zügig durchführen zu können, soll während der Bauphase ein provisorischer Busbahnhof auf dem zurzeit brachliegenden Terrain vor der Velo- und Fussgängerunterführung Süd errichtet werden. Die Kosten für den provisorischen Busbahnhof belaufen sich auf rund 80’000 Franken. Auf dem Bahnhofplatz Interlaken West beginnt oder endet zum Biespiel die Postautolinien 101 Beatenberg. Der Gemeinderat hat einen einmaligen Beitrag von 3550 Franken an den provisorischen Busbahnhof West genehmigt.

Finanzplan 2015 – 2019

Aufgrund des Investitionsprogramms 2015 – 2019 wurde der Finanzplan 2015 – 2019 erstellt. Diese zwei Planungsinstrumente werden für den Voranschlag 2015 benötigt. Der Finanzplan kann bei der Gemeindeverwaltung Beatenberg eingesehen oder bezogen werden. Über die Ergebnisse des Finanzplanes wird an der Gemeindeversammlung am 5. Dezember orientiert.

Beitragsgesuch Flurstrasse Boden – Haberencher

Die Flurgenossenschaft hat beschlossen, im Bereich Boden bis Haberencher einen periodischen Strassenunterhalt durchzuführen. Die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Bern hat das Vorprojekt genehmigt und den Kantonsbeitrag zugesichert. Die beitragsberechtigten Kosten betragen maximal 116’000 Franken, und der Kantonsbeitrag beläuft sich auf 50 Prozent. Die Restkosten betragen 58’000 Franken. Die

Flurgenossenschaft Beatenberg stellt das Gesuch, einen Gemeindebeitrag in der bisherigen Praxis von 15 Prozent, 8700 Franken, zu gewähren. Der Gemeinderat hat dem Gesuch zugestimmt.

Installationen der Sirenen zur Alarmierung der Bevölkerung

Gemäss den gesetzlichen Vorgaben von Bund und Kanton werden zur flächendeckenden Alarmierung der Bevölkerung in besiedelten Gebieten primär stationäre Sirenen installiert (exklusiv Feuerwehr). Die Installation der stationären Sirenen wird vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz zu 100 Prozent finanziert. Als Standorte wurden nach Begehungen das Schulhaus Waldegg sowie das Apparthotel Blüemlisalp AG ausgewählt. Nach Aussage der Fachleute sollte auch der Ortsteil Sundlauenen durch die Sirene Schulhaus Waldegg beschallt werden. Der Gemeinderat hat der Sireneninstallation auf dem Schulhaus Waldegg und auf dem Apparthotel Blüemlisalp zugestimmt. Mit dem Apparthotel wird eine entsprechende Vereinbarung dazu abgeschlossen.

Baugesuche

Der Gemeinderat hat folgende Baugesuche mit positivem Amtsbericht an das Regierungsstatthalteramt Interlaken-Oberhasli weitergeleitet: Alter Karl, Aesch, Hohlen, Parzelle-Nummer 1627, Neubau Autounterstand; Wildi Arnold und Franziska, Toffen, Matte, Parzelle-Nummer 1265, Gebäude-Nummer 149A; Komplettsanierung Wohnhaus, Holzwabenmauer, Holzlager.

Der Gemeinderat hat folgende Baubewilligungen erteilt:Stockwerkeigentümergemeinschaft Schopfen 215A, pA Leo Lützelschwab, Beatenberg, Schopfen, Parzelle-Nummer 1818, Parkplatzerweiterung hangseitig mit Abgrabung Böschung und Sicherung der Böschung mit Blockwurf;Bachmann Oskar und Jolanda, Beatenberg, Gehri, Parzelle-Nummer 560, Gebäude-Nummer 381K, Einbau Studiowohnung, Überdachung Parkplätze und Sitzplatz;

Blaser Peter und Ursula, Andermatt, Stapfen, Parzelle-Nummer 43, 771, Gebäude-Nummer 664, Umbau und Erneuerung Ferienhaus, Nutzung Wohnen; Messer Daniel, Zauggenried, Matte, Parzelle-Nummer 1814, Hangsicherung der südseitigen Böschung mittels Blocksteinmauer und Installation freistehende Sonnenkollektorenanlage in Böschung; Wolf Ulrich, Ligerz, Matte, Parzelle-Nummer 1484, Abbruch bestehende Garage, Neubau Autounterstand mit begehbarer Dachterrasse und Anpassungen Gartenanlage; Boss Sandra, Gimmel Johann und Grossniklaus Franz, Beatenberg, Ramsern, Parzelle-Nummer 1857, Geb.Nr. 634B, Einbau von zwei Dachlukarnen, Vergrösserung Küche und Bad (DG) und Einbau zwei Cheminéeöfen mit Kaminanlagen (EG und DG); Wüthrich Yves, Basel, Lehn, Parzelle-Nummer 373, Gebäude-Nummer 104D, Ausbau bestehende Scheune in unbeheizten Ausstellungsraum für Mineraliensammlung;

Eilert Toni, Beatenberg, Schafschürli, Parzellen-Nummer 1659, Gebäude-Nummer 310C, Anbau Fassadenkamin, Anschluss von zwei Pelletcheminée-Öfen; Lang Tobias, D-Hamburg, pA Ingenieurbüro Urs Zimmermann, Beatenberg, Hohlen, Parzellen-Infos 1360, Gebäude-Nummer 935, Einbau einer Toilette und Dusche. Ersatz Kaminofen, Neuanschluss Kanalisation, Ersatz Wasseranschluss.

Berner Oberländer 14.Juli 2014

Eine Traumlandschaft für jeden Touristiker

Das Interesse war gross, als am Freitagabend die Promotoren erklärten, wie sie den Dorfkern für 142 Millionen zur Gesundheits- und Erlebnisoase entwickeln wollen.

Das Modell für ein neues Dorfzentrum von Beatenberg: links unten  ein Teil des Parkhotels, in blau der künftige Dorfplatz, in der Bildmitte bestehende Häuser, ergänzt mit einer Kunsthandwerk-Häuserzeile, rechts im Vordergrund das Hotel Beauregard und der künftige Kongresssaal, dahinter die neue Überbauung Jungfraublick und das neue Thermalbad vor dem Beatenberger Hallenbad.

Das Modell für ein neues Dorfzentrum von Beatenberg: links unten ein Teil des Parkhotels, in blau der künftige Dorfplatz, in der Bildmitte bestehende Häuser, ergänzt mit einer Kunsthandwerk-Häuserzeile, rechts im Vordergrund das Hotel Beauregard und der künftige Kongresssaal, dahinter die neue Überbauung Jungfraublick und das neue Thermalbad vor dem Beatenberger Hallenbad.
Bild: zvg

«Wir haben ein Jahr lang am Projekt gearbeitet», sagte Projektkoordinator Günter Müller am Freitagabend im Kongresssaal Beatenberg. Diese Arbeit stiess auf grosses Interesse: Sehr viele Beatenberger waren da, aber auch Gäste aus dem Bödeli.

Zum Promotorenteam gehört neben Müller dessen Geschäftspartnerin Elisabeth Rubin, Immobilienfachmann Jörg Krüsi aus Münchenstein und , Architekten und Produkteentwickler aus Burgdorf. Steffen ist in einem Tourismusbetrieb im Saanenland aufgewachsen.

Was die Promotoren vorstellten, klang wunderbar perfekt. Sie brachten ihr Projekt Jungfrau Beatenberg dem Publikum mit Elan und vielen bunten Bildern nahe. Der Dorfkern von Beatenberg soll so umgebaut werden, dass er zu einem Ganzjahreserlebnis für gesundheitsbewusste Feriengäste und Ausflügler wird.

Die Ausgangslage ist bekannt: Beatenberg verliert touristisch immer mehr an Bedeutung. Im Dorfzentrum stehen mit dem Jungfraublick, dem Beauregard und dem Parkhotel drei Hotels leer. Neu war auch nicht, was BWL-Student Michael Isenring in seiner Bachelorarbeit herausgefunden hat und im Kongresssaal erläuterte: Beatenberg muss für eine gute Zukunft trotz allem auf den Tourismus setzen.

Zu dieser These passt das Projekt Jungfrau Beatenberg perfekt: Es beinhaltet die Sanierung Beauregard und Park, einen Neubau Jungfraublick, attraktive Platzgestaltungen, ein Gesundheitszentrum mit Thermalbad, weitere Bäder beim Parkhotel, den Einbezug des Hallenbads, einen neuen Kongresssaal, Altersresidenzen beim Parkhotel, Restaurants, Panoramaweg und eine Schau- und Einkaufsstrasse mit Alpkäserei und Kunsthandwerkern. Kurz: einen Quantensprung in der touristischen Entwicklung.

Mehr als eine Utopie

Was wie eine schöne Utopie klingt, ist nach Aussage der Promotoren durch zahlreiche Studien und Marktanalysen solid für eine Umsetzung in die Realität untermauert: Die Gesamtanlage könnte nach einem gewissen Anlauf mit einer Rendite betrieben werden. Ein wichtiger Faktor ist das Gesundheitszentrum mit Thermalbad und medizinisch gestützter Wellness, in dem sich rund 600 Personen gleichzeitig aufhalten könnten.

Klar ist den Promotoren, dass der Werbeaufwand gross sein wird, um das Gesundheitszentrum mit unvergleichlicher Aussicht und Erlebnismehrwert dank Glasbläsern, Alpkäsern, Chocolatiers, Confiseurs, Uhrmachern und Kunstschreinern bekannt zu machen.

Konkrete Zahlen gabs an der Veranstaltung für die Öffentlichkeit nur spärlich. In der Gesamtanlage sollen 280 bis 290 Arbeitsplätze entstehen. Die Gesamtkosten der Anlage wurden auf 142 Millionen Franken beziffert. 95 Hotelzimmer sind für das Jungfrau-Beauregard, 130 für das Romantikhotel Park geplant.

In sechs Restaurants sollen insgesamt 430 Plätze angeboten werden, die Verkaufsgeschäfte benötigen 1780 Quadratmeter, und es sollen 445 Parkplätze geschaffen werden. Die Umsetzungszeit wird auf 7 bis 10 Jahre geschätzt.

Die Fragen und Meinungsäusserungen aus dem Publikum betrafen die Grösse des Gesamtprojekts, das die Infrastrukturen des Dorfes mit all den Badelandschaften stark belasten könnte. Gemeindepräsident Christian Grossniklaus zeigte sich überzeugt, dass keine Probleme entstehen würden.

In der Gefahrenzone

Bis zur Realisierung sollte auch der Hälteligraben so verbaut werden, dass die rote Gefahrenzone, in dem ein Teil des Gebiets liegt, aufgehoben werden kann. Beatenberg würde, als starke Marke, weiterhin zur Tourismusorganisation Interlaken gehören.

Eher für Heiterkeit sorgte ein Votum für natürliche Schönheit in der schönen Natur: Das Gesundheitszentrum solle ohne Botox und plastische Chirurgie auskommen. Der Beatenberger Hotelier Christoph Ringgenberg und der Unterseener Hotelier Dres Grossniklaus rieten dazu, etwas vom Elan der Promotoren zu übernehmen und nicht bereits jetzt zu bremsen.

Hürden sind – auch das wurde deutlich – ohnehin noch viele zu nehmen. Im Bereich Jungfraublick gibt es vom gescheiterten Resortprojekt noch eine Baubewilligung; inwieweit sie angepasst werden müsste, ist noch offen, ebenso wie die baulichen Grundlagen im Bereich Parkhotel oder Details wie die gewünschte Pflästerung der Kantonsstrasse im Dorfzentrum.

Klar wurde, dass die Promotoren nicht die Investoren, also die Geldgeber, sind. «Die Facts sind vorhanden. Jemand muss das Ganze jetzt realisieren», sagte Krüsi. Grossniklaus versprach, sein politisches Netzwerk einzusetzen.

Jungfrauzeitung vom 13. Juli 2014
BEATENBERG 13. JULI 2014

Ein Dorf und seine Verheissung

Unter dem Namen «Projekt Jungfrau» sollen in Beatenberg für 142 Millionen Franken Bäder, Hotels und ein komplett neues Dorfzentrum entstehen. Die Initianten verbreiten Aufbruchstimmung und suchen nach Investoren.
Die roten Gebäude sind alle Bestandteil des «Projekts Jungfrau».

Die roten Gebäude sind alle Bestandteil des «Projekts Jungfrau».Grafik: Eingesandt

Beatenberg ist ein gebranntes Kind. Bis vor einem Jahr glaubte die Gemeinde fest daran, dass das Projekt Jungfraublick realisiert werden kann. Geplant war ein Aparthotel mit 37 Suiten, die sich um einen zentralen Dorfplatz gruppieren. Zudem hätte die Gemeinde das Wydi-Grundstück mit Mehrzweckgebäude, Hallenbad und Kongresssaal im Baurecht an die holländischen Investoren abgegeben. Insgesamt wären 25 Millionen Franken in die touristische Aufwertung Beatenbergs investiert worden. Doch Ende August 2013 platzte der Traum definitiv. Die AGV Invest AG wurde «mangels Aktiven» aufgelöst. Die Gemeinde verlor 57’000 Franken und die verheissungsvolle Zukunftsperspektive war weg.

Jungfraublick-Bewilligung reaktivieren

Doch das ist Schnee von gestern. Die Hoffnung auf ein echtes Dorfzentrum und touristischen Aufschwung ist zurück. Unter dem Namen «Projekt Jungfrau» hat eine Promotorengruppe Grosses vor. Am Freitagabend erhielt die Bevölkerung von Beatenberg an einem Informationsanlass Einblick in das Mammutprojekt. Nicht weniger als eine komplette Umgestaltung des Dorfteils Wydi schwebt den Initianten vor. Kernpunkte sind drei Hotelprojekte: Die stillgelegten Betriebe Beauregard und Parkhotel sollen umfassend renoviert und zu neuem Leben erweckt werden. Zudem soll das bewilligte Hotel Jungfraublick der früheren Investoren realisiert werden. Insgesamt sind225 neue Hotelzimmer geplant. Dazu kommen sechs neue Restaurants mit 430 Plätzen.

Bei den Beatenbergern stiess der Informationsabend auf grosses Interesse.

WEIL NEUE HOTELZIMMER UND EINE SCHÖNE AUSSICHT ALLEIN IM HEUTIGEN TOURISMUS KEINE GÄSTE ANLOCKEN, WILL DIE PROMOTORENGRUPPE EINE EINZIGARTIGE BÄDERLANDSCHAFT REALISIEREN. EIN GESUNDHEITSZENTRUM FÜR ENTSCHLACKUNG, REGENERIERUNG UND GEWICHTSABNAHME, SOLE-BADEWELTEN UND WEITERE WELLNESSANGEBOTE SOLLEN FÜR MEHRTÄGIGE AUFENTHALTE SORGEN UND EINEN GANZJAHRESBETRIEB ERMÖGLICHEN. DEN GROSSTEIL DER BÄDERLANDSCHAFT SOLL AM STANDORT DES HEUTIGEN KONGRESSSAALS GEBAUT WERDEN, DAMIT SYNERGIEN MIT DEM DARÜBERLIEGENDEN HALLENBAD MÖGLICH SIND. IM RAHMEN DER RENOVIERUNGEN AM HOTEL BEAUREGARD SOLL ALS ANBAU EIN NEUER KONGRESSSAAL ENTSTEHEN. DOCH DAS IST NOCH NICHT ALLES: DEN INITIANTEN SCHWEBT EINE FLANIERZONE VON DER GEMEINDEVERWALTUNG BIS ZUM ENDE DES PARKHOTEL-AREALS VOR. AUCH DIE OBERE GASSE VOM GEPLANTEN HOTEL JUNGFRAU BIS ZUR DORFWIESE SOLL INTEGRIERT WERDEN. IN DIESER FLANIERZONE SIND GESCHÄFTE, UND SCHAU-HANDWERKSBETRIEBE WIE EINE KÄSEREI, EINE SCHOKOLADE-MANUFAKTUR ODER EINE GLASBLÄSEREI ANGEDACHT.

Immobilienspezialisten und Architekten

Wenn alles in Betrieb ist, soll das «Projekt Jungfrau» 290 Arbeitsplätze bieten und die strukturellen Probleme von Beatenberg beheben. Diese sind nämlich nicht von der Hand zu weisen, wie Gemeindepräsident Christian Grossniklaus vor der Versammlung sagte: «Beatenberg ist überaltert. Die Bevölkerungszahl bleibt zwar gleich, doch viele Junge zieht es weg, während Alte hierher ziehen.» War Beatenberg vor ein paar Jahrzehnten eine stolze Tourismusdestination, ist das Dorf mittlerweile in eine Art Dornröschenschlaf versunken. Wachküssen will es die Promotorengruppe um Koordinator Günter Müller. Er hat sich darauf spezialisiert, alte Liegenschaften aufzuwerten und neuen Nutzungen zuzuführen. Als langjähriger Gast in Beatenberg sei es für ihn eine «Herzensangelegenheit» dem Dorf etwas zurückzugeben. Mit dabei sind zudem die Immobilien-Fachfrau Elisabeth Rubin, Jörg Krüsi, Architekt und Ökonom, und das Architektenehepaar Christina und Hansruedi Steffen. Günter Müller ist Koordinator des Projekts

An der Präsentation vor der Beatenberger Bevölkerung hoben die Promotoren immer wieder die prächtige Aussicht und Lage des Dorfes hervor und gaben sich alle Mühe einen positiven Eindruck zu hinterlassen: «Wir wollen nicht als Diktatoren auftreten, sondern mit der Bevölkerung zusammenarbeiten», sagte Hansruedi Steffen. Danach folgte wieder eine Reihe von Landschaftsbildern und philosophischen Zitaten. Erst nach knapp zwei Stunden gab es halbwegs konkrete Zahlen. Das Investitionsvolumen für die komplette Überbauung von 25’000 Quadratmetern beträgt 142 Millionen Franken. Wer das bezahlen soll, ist aber noch unklar. «Wir haben jetzt ein Jahr lang nur an Machbarkeitsstudien, Kalkulationen und Analysen gearbeitet», sagte Müller. «Mit diesen Daten gehen wir jetzt auf Investorensuche.» Müller ist optimistisch, dass es ihm bis Ende Jahr gelingt, einen Investor zu finden, der das Ganze finanziert. Es sei wichtig, dass alle Projektteile koordiniert realisiert werden. «Ein einzelnes neues Hotel bringt Beatenberg nichts.» Als mögliche Investoren nennt Müller Banken, Pensionskassen oder auch Privatpersonen. Da die Gemeinde am Schluss entscheidet, mit wem sie den Baurechtsvertrag abschliessen will, hat auch Grossniklaus ein Wörtchen mitzureden.Dieser deutete an, dass er einen Schweizer Investor bevorzugen würde, weil so die Gefahr kleiner sei, dass Schwarzgeld im Spiel sei. Mit einem schwerreichen Oligarchen ist also eher nicht zu rechnen.

Positiver Tenor

Das Konzept sieht vor, dass der Investor das ganze Projekt finanziert, die Promotorengruppe es aber bis am Ende begleitet. Wenn gemäss Plan in sieben bis zehn Jahren alles fertig ist, würde man die einzelnen Betriebe verpachten. Für Müller selber steht nicht der Profit im Vordergrund: «Wir wollen natürlich, dass unser Aufwand entschädigt wird. Doch am Gewinn wollen wir uns nicht beteiligen.» Ihm sei es vielmehr wichtig, Beatenberg eine Chance zu geben, erklärt er sein hehres Motiv.

In der abschliessenden Fragerunde herrscht unter den Anwesenden mehrheitlich Aufbruchstimmung. Man solle es wagen, lautete der Tenor. Hotelier Christoph Ringgenberg meinte gar: «Ich scheue neue Mitbewerber nicht. Von neuen Hotels können alle profitieren.» Kritische Stimmen bezweifelten, ob wirklich alle Teilprojekte umgesetzt werden können und ob die Beatenberger Infrastruktur dem Ganzen standhalten könne. Zu Letzterem meinte Grossniklaus: «Wir hatten früher viel mehr Hotelbetten. Unsere Wasserleitung und Kanalisation ist darauf ausgelegt.» Im Anschluss an die Information zeigte sich Müller hochzufrieden mit der positiven Grundstimmung, welche die Promotorengruppe erzeugen konnte. Die Initianten haben nun eine blühende Zukunft, zwar nicht versprochen, aber zumindest skizziert. Daran werden sie die Beatenberger künftig messen.

Hervorhebungen sind seitens des Admin, zur vielleicht besseren Übersicht, gemacht worden.

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Berner Oberländer Zeitung vom 4.7.2014

Hotelbauten und Spa sollen Zentrum beleben

«Projekt Jungfrau» heisst das Vorhaben, das eine Investorengruppe für das Dorfzentrum von Beatenberg ausgearbeitet hat. Darin enthalten: mehrere Hotels, Verkaufsgeschäfte, ein Gesundheitszentrum und Sole-Badewelten.

Jungfraublick: Baubewilligung verlängert

Wie sieht es mit der Baubewilligung für den Jungfraublick aus? Dazu hat der Gemeinderat Folgendes mitgeteilt: «Da die Verträge für die Überbauung Jungfraublick mit der konkursiten AGV Invest AG, Interlaken, erst bei Baubeginn im Grundbuch hätten eingetragen werden können, hatte der Gemeinderat eine Einsprache gegen die Verlängerung der Baubewilligung beim Regierungsstatthalteramt (RSA) Interlaken-Oberhasli eingereicht. Das RSA schlägt nun vor, die Verlängerung der Baubewilligung mit der zusätzlichen Bedingung zu genehmigen, dass die notwendigen Näherbaurechte vor Beginn der Bauarbeiten erteilt sein müssen.» Die Gemeinde erhalte so die Möglichkeit, entsprechende Verträge mit einem neuen Investor auszuhandeln, so die Mitteilung des Gemeinderates. Die Einsprache wurde formell zurückgezogen.

Auf Euphorie folgte Ernüchterung. Nun kehrt die Hoffnung zurück, dass Beatenberg doch noch sein schon einmal angekündigtes Zentrum und damit seine touristische Aufwertung erhält.

«Projekt Jungfrau» heisst der neue Hoffnungsschimmer, der den Gemeinderat bereits in der Ankündigung des geplanten Infoabends zu folgenden Äusserungen verleitet: «Die aktuellen Voraussetzungen sind optimal für eine notwendige und nachhaltige Entwicklung zur Blüte unseres Dorfes. Mit einem eigentlichen Dorfzentrum mit breitem, attraktivem Ganzjahresangebot hat Beatenberg die Chance, bald wieder zu den touristischen Topdestinationen des Berner Oberlandes zu zählen.» Und weiter heisst es: «Vor allem aber wird der Aufschwung dem Dorf viele interessante Arbeitsplätze bringen und den Jungen gute Zukunftsaussichten im Ort.»

Erinnerungen an das Projekt «Jungfraublick»

Aber was genau verbirgt sich hinter dem Projekt, das am Freitag, 11. Juli, der Bevölkerung vorgestellt werden soll? Geplant ist eine Kombination verschiedener Bauten mit touristischer Nutzung, wie einem Infoblatt der Investorengruppe zu entnehmen ist: Da wären zum Beispiel das Hotel Jungfrau Beauregard mit 95 Zimmern, das nach Jahren brachliegt und nun endlich wieder Gäste beherbergen soll. Gleiches gilt für das Romantikhotel Park mit 130 Zimmern. Auch hier findet hinter der denkmalgeschützten Fassade schon lange kein Betrieb mehr statt.

Hinzu kommen verschiedene Verkaufsgeschäfte, Alpschaukäserei, Chüersattlerei, Glasbläserei, Confiserie, Chocolatier, traditionelles Handwerk und weiteres mehr in einer Ladenpassage auf insgesamt 1780 Quadratmetern sowie 445 Parkplätze und 6 Restaurants mit insgesamt 430 Plätzen. Und dann das eigentliche Dorfzentrum mit Dorfplatz, einer grossen, gepflasterten Flanierzone, Kultur- und Kongresssaal, einem Gesundheitszentrum für Entschlackung, Regenerierung und Gewichtsabnahme sowie Sole-Badewelten, Spa und Hamam.

Gerade dieser letzte Teil erinnert an das Projekt «Jungfraublick». Ein holländisches Investorentrio hatte die Idee von einem Aparthotel mit 37 Suiten, die sich um einen zentralen Dorfplatz gruppieren, mit einem Mehrzweckgebäude mit öffentlich nutzbarem Hallenbad, Kongresssaal und Turnhalle auf dem Wydi-Grundstück verknüpft.

Doch obwohl die Baurechtsverträge mit der Gemeinde bereits im Jahr 2010 geschlossen worden waren, ist der Spatenstich bis heute nicht erfolgt, da das Investorentrio im Streit auseinandergegangen ist. Dessen AGV Invest AG wurde im Mai durch einen Entscheid des Handelsgerichts des Kantons Bern aufgelöst, und eine Liquidation wurde angeordnet.

Eine Versteigerung der ursprünglichen Jungfraublick-Gebäude auf dem Gelände Wydi hat jedoch bislang nicht stattgefunden – wohl auch, weil kein Käufer da gewesen wäre, der das baubewilligte Projekt umsetzen würde.

Bisher keine Kostenangaben

Das scheint nun anders zu sein. Vor einem halben Jahr hätte die neue Investorengruppe aus der Schweiz ihr Interesse am Jungfraublick bei der Gemeinde angemeldet, wie Beatenbergs Gemeindepräsident Christian Grossniklaus berichtet. Nähere Informationen zu den möglichen Investoren gibt er auf deren Wunsch nicht. Auf dem Infoblatt, mit dem das Projekt «Jungfrau» vorgestellt wird, werden verschiedene Unternehmen bei Projektentwicklung und Promotion genannt: eine Huvas SA Immobilien und Logistik, eine I.D.E.A. GmbH sowie die Firma Jörg Krüsi Immobilien.

Am Infoabend in einer Woche werden die Personen, die hinter der Idee zum Projekt «Jungfrau» stehen, in Erscheinung treten und weitere Details zum Projekt vorstellen. Dann werden sie vermutlich auch über die Kosten reden und die Frage der Finanzierung beantworten. Denn bis gestern war keine Stellungnahme von ihnen einzuholen.

Zum Vergleich: Für das gescheiterte Aparthotel-Projekt Jungfraublick der AGV Invest AG war von Investitionen in Höhe von 25 Millionen Franken die Rede. Claudius JezellaInfoabend: Am Freitag, 11. Juli, um 20 Uhr stellen der Gemeinderat Beatenberg und das Promotorenteam das Projekt «Jungfrau» der Bevölkerung im Kongresssaal Beatenberg vor.

Infoabend: Am Freitag, 11. Juli, um 20 Uhr stellen der Gemeinderat Beatenberg und das Promotorenteam das Projekt «Jungfrau» der Bevölkerung im Kongresssaal Beatenberg vor.(Berner Oberländer)

Jungfrauzeitung vom 27. Juni 2014
BEATENBERG  27. JUNI 2014

Drachenkopf muss weichen

Die Ersatzkandidaten für die zurückgetretenen Gemeinderatsmitglieder stehen fest. Des Weiteren erhält Beatenberg auf Anregung der Bevölkerung ein neues Gemeindelogo.

Als Ersatz für die drei zurückgetretenen Gemeinderatsmitglieder hat der Gemeinderat Fritz Gimmel, SVP, ernannt. Der 68-jährige Maler aus Sundlauenen übernimmt die restliche Amtsdauer bis 31. Dezember. Die zusätzliche Ersatzkandidatin Sandra Grossniklaus-Kunz nimmt das Amt als Gemeinderätin nicht an. Im Weiteren hat die Liste Nr. 2 SVP folgende zwei Wahlvorschläge für den Gemeinderat eingereicht: Den Landwirt Hans von Allmen und den parteilosen Bauingenieur Matthias Käser. Der Gemeinderat hat die Wahlvorschläge für den Rest der Amtsdauer bis 31. Dezember in stiller Wahl angenommen.

Sieber übernimmt Vize-Präsidium

Als neuer Vizegemeinde- und Vizegemeinderatspräsident in einer Person für den Rest der Amtsdauer bis Ende Dezember wurde der 55-jährige Andres Sieber aus der Ratsmitte gewählt. Sieber ist Heimleiter und parteilos. Der Gemeinderat hat die Ressorts neu zugewiesen. Zudem wurde die entsprechende Stellvertretung geregelt. Für die restliche Amtsdauer bis Ende Dezember übernimmt Christian Grossniklaus Präsidiales/Tourismus/Wirtschaft und Finanzen; Andres Sieber das Ressort Bildung; Christina Rähmi steht dem Ressort Soziales und Sicherheit vor; Matthias Käser Kultur und Liegenschaften; Hans von Allmen Planung und Baurecht; Fritz Gimmel übernimmt Tiefbau; Daniel Grossniklaus Ver- und Entsorgung.

 Neues Gemeindelogo

Neues Logo

Logo Tourismus Beatenberg

Im Jahr 2000 wurde das heutige Gemeindelogo mit Drachenkopf eingeführt. In den vergangenen Jahren wurde mehrmals durch die Bevölkerung angeregt, die Gemeinde soll das Logo überprüfen. Der Schriftzug “Beatenberg” wird nun analog Beatenberg Tourismus geführt sowie der Drachenkopf und die Bezeichnung “Drachenberg” fallen weg. Das neue Gemeindelogo wird nun laufend bei Korrespondenz, Aufträgen, Verträgen, Formulare, Kuverts, Abstimmungskuverts, Homepage und E-Mails angewendet, bis die Reserven aufgebraucht sind.

 Zukunftschancen mit Projekt Jungfrau

Der Gemeinderat und das Promotorenteam stellen das Projekt Jungfrau der Bevölkerung von Beatenberg am Freitag, 11. Juli um 20.00 Uhr im Kongress-Saal vor. Mit einem eigentlichen Dorfzentrum mit breitem, attraktivem Ganzjahresangebot will Beatenberg wieder zu den touristischen Top Destinationen des Berner Oberlands gehören.

Sonja Fuss, Gemeindeschreiberin Beatenberg
Weitere Geschäfte

Gemeindeverband Altersheim Beatenberg und Habkern

Der Gemeinderat hat die Jahresrechnung 2013 des Alters- und Pflegeheims Beatenberg-Habkern mit einem Ertragsüberschuss von 302’496.40 Franken genehmigt und die Nachkredite von 148’709.05 Franken zur Kenntnis genommen.

Überbauung Jungfraublick; Wydi

Da die Verträge mit der Konkursiten AGV Invest AG, Interlaken, erst bei Baubeginn im Grundbuch hätten eingetragen werden können, hatte der Gemeinderat eine Einsprache gegen die Verlängerung der Baubewilligung beim Regierungsstatthalteramt Interlaken-Oberhasli (RSA) eingereicht. Das RSA schlägt nun vor, die Verlängerung der Baubewilligung mit der zusätzlichen Bedingung zu genehmigen, dass die notwendigen Näherbaurechte vor Beginn der Bauarbeiten erteilt sein müssen. Die Gemeinde erhält so die Möglichkeit, entsprechende Verträge mit einem neuen Investor auszuhandeln. Die Einsprache wurde formell zurückgezogen.

 ARA Wang

Im Zusammenhang mit den GEP-Arbeiten hat das Amt für Wasser und Abfall (AWA) verlangt, unverzüglich die gemeindeeigene ARA Wang aufzuheben. Im Herbst 2013 wurde die Ingenieurgemeinschaft Sterchi und Zimmermann (IGSZ) beauftragt, die Anschlussmöglichkeiten an die ARA Interlaken oder an die ARA Thunersee zu klären. Mit den Nachbargemeinden Unterseen und Sigriswil erfolgten diverse Abklärungen. In beiden Gemeinden müssten diverse Pumpwerke und Leitungen mit Kostenfolgen angepasst werden. Von der IGSZ liegt nun der Bericht als Entscheidgrundlage vor. Vom AWA wurden vorgängig die technischen Anforderungen für die Aufhebung der ARA Wang mit Anschluss an eine regionale ARA definiert. Für beide Anschlussmöglichkeiten wurden je zwei Untervarianten untersucht und miteinander hinsichtlich den einmaligen Investitionskosten und den jährlich wiederkehrenden Kosten verglichen.

 Der Gemeinderat hat auf Antrag der Kommission Ver- und Entsorgung beschlossen, dass das Schmutzabwasser der aufzuhebenden ARA Wang via das Pumpwerk Bätterich in Sundlauenen durch die Gemeinde Unterseen der ARA Region Interlaken zuzuführen ist. Es ist vorgesehen, den erforderlichen Ausführungskredit an der Gemeindeversammlung vom 5. Dezember bewilligen zu lassen.

Zweitwohnungsanteil Beatenberg

Der Gemeinderat hat an seiner Sitzung vom 22. April 2014 beschlossen, dem Amt für Gemeinde und Raumordnung (AGR) die Verlängerung der Planungszone “Zweitwohnungen”, um weitere drei Jahre zu beantragen. Diese Verlängerungsabsicht wurde im Anzeiger Interlaken vom 1. und 8. Mai publiziert. Fristgerecht gingen dagegen zwei Einsprachen ein. Beide Parteien sind der Auffassung, dass die Gemeinde Beatenberg nicht mehr auf die Planungszone “Zweitwohnungen” angewiesen ist. Die heutigen vorhandenen Rechtsgrundlagen seien genügend. Auf das Durchführen von Einigungsverhandlungen wurde verzichtet und dem AGR wurde beantragt, die Einsprachen abzuweisen.

 Nach dem Zustandekommen der Zweitwohnungsinitiative wurde der Anteil von Zweitwohnungen der Gemeinde Beatenberg auf 60 Prozent geschätzt. Mittels vorhanden Daten der Gemeindeverwaltung, dem eidgenössischem Gebäude- und Wohnungsregister (GWR) und einem Fragebogen an die Grundeigentümer wurde der Anteil an Zweitwohnungen überprüft und nachgerechnet. Die Neuberechnung des Zweitwohnungsanteils erfolgte nach den Vorgaben und dem Merkblatt des Bundesamtes für Raumentwicklung (ARE). Bei Gemeinden mit einem Zweitwohnungsanteil über 20 Prozent wird diese Zahl nicht im Detail vom ARE überprüft. Der Zweitwohnungsanteil beträgt somit in Beatenberg nach Neuberechnung 54 Prozent. Bei Fragen steht die Gemeindeverwaltung gerne zur Verfügung.

Darlehen Eissportzentrum Bödeli

Der Gemeinderat hat beschlossen, dem Eissportzentrum Bödeli Genossenschaft ein befristetes, zinsloses Darlehen von 11‘500 Franken bis 30. Juni 2017 zu gewähren. Bis im Frühling 2016 hat die Genossenschaft ein Gesamtsanierungskonzept inklusive verbindliche Kosten vorzulegen. Danach entscheidet der Gemeinderat über die Weiterführung des Darlehens respektive über die allfällige, weitere Finanzierungshilfe durch die Gemeinde Beatenberg.

Jungfrauzeitung vom 20. Juni 2014
BEATENBERG/MEIRINGEN 20. JUNI 2014

Faszinierendes Artilleriewerk

Der Pikettclub Meiringen besuchte die Anlage Waldbrand in Beatenberg und besichtigte die Zufahrtsstollen und die vier Scharten.

Auf Anregung des Vizepräsidenten Daniel Grossniklaus besuchten kürzlich einige Mitglieder des Pikettclubs die Festung A1880 des Artilleriewerkes Waldbrand in Beatenberg. Noch vor der Besichtigung wurde die Gruppe mit mitgebrachten Kaffee und Züpfe verwöhnt. Danach ging es unter der Führung von Ulrich Feuz, Anlagechef, in die im März 1941 und im Juni 1942 fertig erstellten Zufahrtstollen und in die vier Scharten. Im Februar 1944 erfolgte die Feuerbereitschaft. Die Bauarbeiten wurden bis im Februar 1944 von der Firma Frutiger weitergeführt. Im August 1947 wurden weitere Ausbrucharbeiten vorgenommen mit dem Ziel, für 450 Mann Ess- und Schlafräume zu erstellen. Erst im März 2007 erhielt der Betreiber die Bewilligung das Festungsmuseum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 In dieser Anlage waren drei Dieselmotoren montiert, die notfalls den Strom liefern sollten. Insgesamt sind fünf Trinkwasser-Resevoirs von total 500’000 l Wasser eingebaut. Sehr erstaunt waren die Besucher über die grosse Anzahl an gut gewarteten Militärfahrzeugen, die der Öffentlichkeit gezeigt werden. Solche Anlässe sind bereits in der Vorbereitungphase sehr aufwendig, ganz besonders wenn die Verpflegung mit allem Drum und Dran auch noch mitgeführt wird. Dank eines eingespieltem Teams samt Ehefrauen und willkommenen Sponsoren konnte auch der gesellschaftliche Teil mit Erfolg durchgeführt werden.

Jungfrauzeitung vom 20. Juni 2014
BEATENBERG 20. JUNI 2014

Weichen für die gemeinsame Zukunft gestellt

An zwei historischen Generalversammlungen haben die Beatenbergbahn AG und die Niederhornbahn AG der Fusion zugestimmt.
Ein älterer Aktionär aus Thun kann sich noch an die Zeit erinnern, als die Generalversammlung im Kindergarten stattfand und Verwaltungsrat und Aktionäre gemeinsam zum Mittagessen an einem Tisch Platz fanden. Heute ist das anders. So findet die diesjährige Generalversammlung der Aktionäre – nicht wie in den vergangenen Jahren üblich – auf dem Niederhorn statt, sondern aus Platzgründen im grossen Hotel Dorint in Beatenberg. «Aber nächstes Jahr sind wir wieder ‘uf em Bärg’, erklärt Verwaltungsratspräsident Fritz Haldimann, der mit einem Grossaufmarsch wegen der beabsichtigten Fusion rechnet. Er erklärt die heutigen Versammlungen, die 125. der Beatenbergbahn AG und die 67. der Niederhornbahn AG, als historisch.

Historisch in dem Sinne, dass die anwesenden Aktionäre der Fusion der beiden Bahnen, der Beatenbergbahn und der Niederhornbahn, grünes Licht geben sollen. «Ich bin überzeugt, dass wir mit dieser Fusion die Weichen für eine gute, erfolgreiche Zukunft im Sinner der Bahn stellen werden.» Denn eigentlich seien die beiden Bahnen schon lange eine Schicksalsgemeinschaft. «Die eine ist nichts ohne die andere – und umgekehrt. Wenn es der einen schlecht geht, kann es der anderen auch nicht gut gehen», meint der Verwaltungsratspräsident Fritz Haldimann, der souverän durch die beiden Versammlungen führt.

 Die Niederhornbahn in ihrer einmaligen, wundschönen Umgebung. Der Name Beatenbergbahn verschwindet.Foto: Eingesandt

Die untere übernimmt die obere

Aus steuerlichen Gründen soll die untere Bahn die obere übernehmen. Bereits seit langem sind sämtliche Mitarbeitenden beider Bahnen bei der unteren Bahn, der Beatenbergbahn, angestellt. Intern arbeiten die Bahnen seit langem zusammen. Vor allem mit dem Neubau der Niederhornbahn 1995 sei man so richtig zusammengerückt. Alle anwesenden 36 Aktionäre der Beatenbergbahn und 96 Aktionäre der Niederhornbahn, die am Nachmittag tagen, stimmen der Fusion und der notwendigen Kapitalerhöhung einstimmig zu.

 Ebenfalls einstimmig genehmigen beide Versammlungen die Geschäftsberichte und die Jahresrechnungen. Thomas Wegmann, Geschäftsführer, lobt unter anderem die Einführung der Gästekarte «Bödeli» sowie die «Panorama-Karte», dank derer Touristen ermässigt mit den beiden Bahnen fahren können. Dieses Angebot habe für Bergbahnen Pioniercharakter und sei bei den Feriengästen sehr gut angekommen.

 Wegen des Grossaufmarschs fand die Generalversammlung der Aktionäre der Niederhornbahn AG im Hotel Dorint, Beatenberg, statt.

Der Name Beatenbergbahn verschwindet

Dass der Name Beatenbergbahn verschwinden wird, akzeptieren die Aktionäre diskussionslos. Alle sind sich einig, dass es Sinn macht, den Zielort im künftigen Namen zu integrieren. So soll die Bahn, die von der Beatusbucht bis nach Beatenberg und anschliessend zum Niederhorn führt, einen einheitlichen Namen haben, nämlich Niederhornbahn. Der Name Beatenbergbahn wird verschwinden.

 Als es allerdings darum geht, die Aktien der Beatenbergbahn abzugeben und in diejenigen der Niederhornbahn umzutauschen, bittet ein Aktionär, man möge ihm doch bitte die Aktien der Beatenbergbahn wieder zurückschicken. Er möchte sie gerne behalten – aus Nostalgiegründen – auch wenn sie nicht mehr gültig seien.

Zahlen und Verabschiedungen
Jahresergebnisse

Die Beatenbergbahn beförderte 2013 bergwärts 103’423 Personen. Das sind 1,3 Prozent mehr Passagiere als im Vorjahr. Im Mehrjahresvergleich ist das Fahrgastaufkommen als durchschnittlich zu bezeichnen. Der Betriebsertrag lag mit 1’453’853 Franken genau 9 Prozent über dem Vorjahr, während der Betriebsaufwand ebenfalls zunahm auf 933’700 Franken. Felssicherungsmassnahmen führten dazu, dass der Materialaufwand mit 151’602 Franken deutlich höher ausfiel als im Vorjahr. Der Verkehrsertrag stieg um 2,7 Prozent auf 716’928 Franken; er liegt damit 2,8 Prozent über dem Mittelwert der letzten fünf Jahre. Die Jahresrechnung schloss mit einem Gewinn von 15’909 Franken (Vorjahr 11’261).

 Mit 133’228 bergwärts beförderten Passagieren konnte die Niederhornbahn AG das Fahrgastaufkommen auf Vorjahresniveau halten; das Mittel über fünf Jahre konnte hingegen nicht erreicht werden. Sowohl Betriebsertrag mit 2’818’176 Franken wie auch Betriebsaufwand mit 1’927’527 Franken lagen etwas über dem Vorjahr. Der Verkehrsertrag trug 83 Prozent zum Betriebsertrag bei, 17 Prozent stammten aus Nebenerträgen, unter anderem vom Restaurant in der Beatusbucht. Die Niederhornbahn AG schliesst ihre Jahresrechnung nach Steuern mit einem Gewinn von 19’022 Franken.

 Kapitalerhöhung

Das Aktienkapital der Beatenbergbahn AG von 700’000 Franken wird um 3’318’140 auf 4’018’140 Franken erhöht. Mit dem Erhöhungsbetrag werden die Aktien der Niederhornbahn in Form von 331’814 Inhaberaktien zum Nennwert von 10 Franken umgetauscht.

 Verwaltungsräte verabschiedet

Mit grossem Dank werden die Verwaltungsräte Alain Chaponnier und Rudolf Spörri, Beatenbergbahn, und Adrian Amstutz, Daniel Grossniklaus und Fritz Grossniklaus, Niederhornbahn, verabschiedet.

Jungfrauzeitung vom 9. Juni 2014

BEATENBERG

Nächtliche Strassensperrung

Die Kantonsstrasse in Beatenberg erhält auf einem Abschnitt einen neuen Belag. Sie ist deshalb kommende Woche zeitweise nicht für den Verkehr passierbar.

Kommende Woche wird auf der Kantonsstrasse in Beatenberg zwischen dem Parkhotel und dem SPT (ehemals Bibelheim) der neue Deckbelag eingebaut. Die Strasse ist in den Nächten von Montag, 16. Juni, bis Donnerstag, 19. Juni, jeweils zwischen 22.30 und 5.00 Uhr gesperrt. Der Fuss- und Radverkehr kann die Baustelle unter erschwerten Bedingungen passieren.

Jungfrauzeitung vom 8. Juni 2014

BEATENBERG

Waldeggstrasse bleibt, wie sie ist

Für 465’000 Franken wollte der Gemeinderat Beatenberg die Strasse im Bereich Scheuerboden ausbauen. Die Gemeindeversammlung war aber anderer Meinung. Am Freitag hatten ausserdem zwei neue Gemeinderäte ihre Premiere.
Gemeindepräsident Christian Grossniklaus bekam am Freitag in Sachen Strassenbau heftigen Gegenwind. Der Gemeinderat Beatenberg wollte die Waldeggstrasse im Bereich Scheuerboden verbreitern. Die Stelle sei gefährlich, sagte Gemeindepräsident Christian Grossniklaus. «Wenn im Winter noch ein Schneewall auf der Strasse aufgeschüttet ist, müssen die Kinder des Internats auf diesen Wall hinauf, um die Autos passieren zu lassen – und das x-mal pro Tag, weil sie von einem Gebäude ins andere müssen.» Man habe auch aus der Bevölkerung von verschiedenen Seiten den Wunsch nach dem Ausbau vernommen.

 Umstrittene Grundeigentümerbeiträge

Offenbar war dieser Teil der Bevölkerung an diesem Abend aber untervertreten. Denn von den rund 90 Stimmberechtigten sprachen sich etliche Bürgerinnen und Bürger in ihren Voten gegen das Projekt aus. Das grösste Problem schienen die Kosten zu sein: 465’000 Franken waren für die Verbreiterung der 140 Laufmeter veranschlagt. Darin wären allerdings auch gleich die Wasserleitungen enthalten gewesen, die im gleichen Zuge saniert werden sollten. 130’000 Franken wollte der Gemeinderat auf die Grundeigentümer abwälzen – 50 Prozent des Kostenanteils der Strasse selbst. Bei 77 betroffenen Grundeigentümern wäre das ein Betrag von durchschnittlich rund 1700 Franken. Denselben Prozentsatz mussten auch die Sundlauener Grundeigentümer berappen, als bei ihnen Strassenarbeiten infolge Hochwasserschutzmassnahmen anstanden.

Rund 90 Stimmberechtigte hatten sich im Kongress-Saal Beatenberg eingefunden.

Damals hatte sich die Gemeindeversammlung für die Grundeigentümerbeiträge ausgesprochen, am Freitag aber wollten sie von der Regel nichts mehr wissen. Mit 45 zu 31 Stimmen entschieden sie zunächst, dass die Grundeigentümer von den Abgaben befreit werden, falls die Verbreiterung im zweiten Schritt angenommen wird. «Nur weil wir beim letzten Mal einen Fehler begangen haben, müssen wir diesen nicht wiederholen», erklärte eine Beatenbergerin in einem Votum. Diese Meinung stiess nicht auf Gegenliebe bei Walter Bärtschi aus Sundlauenen: «Diese Einsicht kommt etwas spät. Ich käme mir dumm vor, wenn die Anwohner der Waldeggstrasse nichts bezahlen müssten, wir in Sundlauenen aber schon. Das wäre nicht fair.»

Ausbau abgelehnt

Doch soweit kam es nicht. Denn der Konsens der Anwesenden war: Der Strassenabschnitt ist überhaupt nicht gefährlich, sondern sogar eine natürliche Massnahme zur Verkehrsberuhigung. Damit sei die ganze Aktion überflüssig. Und so entschied die Gemeindeversammlung mit 52 zu zwei Stimmen, dass alles beim Alten bleibt. «Ich bedaure den Entscheid. Mir tun besonders die Schulkinder des Internats leid, die täglich auf dieser Strasse die Autos kreuzen müssen», sagte Grossniklaus im Anschluss an die Versammlung gegenüber dieser Zeitung. Doch die Grundeigentümer hätten es offensichtlich verstanden, ihre Leute zu mobilisieren. Weniger umstritten war die Jahresrechnung 2013. Sie schliesst mit einem Minus von 79’492 Franken – 24’692 Franken schlechter als budgetiert. Dies im Verhältnis zu einem Umsatz von 6,5 Millionen Franken. «Deshalb kann man das Ergebnis fast als Punktlandung bezeichnen», so Grossniklaus. Der Verlust kann problemlos durch das Eigenkapital aufgefangen werden. Es beträgt damit noch immer etwas mehr als eine Million Franken. Die Gemeindeversammlung nahm die Rechnung einstimmig an.

 Die neuen Gemeinderäte

An der Versammlung verabschiedete Grossniklaus ausserdem die drei zurückgetretenen Gemeinderäte. Er fand nur positive Worte für den Rückblick auf ihre Amtszeit. Auch die neuen Räte stellte er vor. Es rutschen nach: Hans von Allmen (SVP), Matthias Käser (parteilos) und Fritz Gimmel (SVP). Letzterer war am Freitag abwesend, die beiden anderen walteten schon ihres Amtes. Ob sie dauerhaft im Gremium bleiben, stellt sich bei den kommenden Wahlen im September heraus. «Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich zur Verfügung stehen werde», sagte Käser gegenüber dieser Zeitung. Er wolle zunächst schauen, was das Amt alles umfasse. «An Motivation mangelt es aber nicht.»

Bringt mit Jahrgang 1982 frischen Wind in den Gemeinderat: Matthias Käser (parteilos).

Hans von Allmen sagte, er werde wohl nicht darum herum kommen. «Ich habe mich lange dagegen gewehrt, doch jetzt ist der Moment da, in dem mir die Argumente ausgehen.» Es werde immer schwieriger, Leute für das Amt zu finden. Die Geschichte um die zurückgetretenen Gemeinderäte mache das nicht einfacher. Angst, in eine ähnliche Situation zu kommen, haben aber beide nicht. «Klar, so etwas kann passieren, doch das gehört zum Amt dazu», so Käser.

 Amtsanzeiger Interlaken vom 5. Juni 2014

Nachfolge im Gemeinderat; Liste Nr. 2 SVP (Schweizerische Volksparteiklicken Sie den nachstehenden Link an, um die genaue Veröffentlichung zu ersehen.

Publikation_Nachfolge_im_Gemeinderat_ab_01.06.2014

Jungfrauzeitung vom 3. Juni 2014 http://www.jungfrauzeitung.ch/artikel/131218/

Endgültige Fusion am Berg

Die Stand- und die Luftseilbahn sind operativ gesehen schon lange ein gemeinsames Unternehmen. Nun schliessen sich die beiden dahinter stehenden Aktiengesellschaften auch rechtlich zu einer zusammen. Die Aktiengesellschaft der Beatenbergbahn übernimmt diejenige der Niederhornbahn – eine Standseilbahn bei der Einfahrt in die gemeinsamen Station. Seit 1995 fährt die Niederhornbahn da ab, wo die Beatenbergbahn ankommt. Mit der gemeinsamen Station wuchsen die beiden Unternehmen damals nahe zusammen. Seither ziehen sie operativ am selben Strang: Alle Mitarbeiter sind bei der Beatenbergbahn angestellt, ein Teil hat den Auftrag die Niederhornbahn zu betreiben. Auch im Internet treten die beiden gemeinsam auf als «Thunersee-Beatenberg-Niederhorn-Bahnen». Für Aussenstehende scheint es sich um ein einziges Unternehmen zu handeln. Doch hinter den Kulissen stehen zwei eigenständige Aktiengesellschaften: Die Beatenbergbahn AG und die Niederhornbahn AG – bis jetzt.
Rechtliche Vereinigung

Nun schluckt die Beatenbergbahn AG die Niederhornbahn AG, übernimmt aber gleichzeitig deren Namen. Diesen Vorschlag legen die Verwaltungsräte den kommenden Generalversammlungen beider Firmen am 19. Juni vor. Damit werden sowohl die Stand- als auch die Luftseilbahn neu zur Niederhornbahn AG gehören. «Wir haben uns für diesen Namen entschieden, weil wir das Endziel – das Niederhorn – betonen wollten», erklärt Fritz Haldimann, Verwaltungsratspräsident beider fusionierenden Aktiengesellschaften. Die Beatenbergbahn habe vor allem eine Zubringerfunktion für Gäste, die danach bis auf den Berg fahren. «Ausserdem wollten wir einen einfachen Namen, kein komplexes Gebilde.»

Seit 1995 ist die Bergstation der Beatenbergbahn gleichzeitig die Talstation der Niederhornbahn. «Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft, die Fusion ist ein logischer Schritt», so Haldimann. Durch die Zusammenlegung der Aktiengesellschaften könne man unnötigen Aufwand sparen. Zum Beispiel mussten bisher aus rechtlichen Gründen stets zwei Generalversammlungen abgehalten, zwei Geschäftsberichte publiziert, und zwei Revisionsberichte gemacht werden. Bisher sassen bei der unteren Bahn fünf, bei der oberen sieben Personen im Verwaltungsrat, der Präsident war bei beiden Gesellschaften der gleiche. Das neue Gremium wird aus sieben Verwaltungsräten bestehen. Die nötigen Abgänge erfolgen laut Haldimann allesamt freiwillig.Technisch funktioniert die Übernahme so: Die bisherige Beatenbergbahn AG erhöht ihr Aktienkapital um 3,32 Millionen Franken – 332’000 Inhaberaktien mit einem Nennwert von 10 Franken. Dies ist das Kapital der Aktionäre der bisherigen Niederhornbahn AG, das übernommen wird. Für die Aktionäre ändert sich damit finanziell nichts. Sie besitzen allerdings relativ gesehen ein kleineres Stück des Kapitalkuchens, da sich dieser durch die Fusion vergrössert.
Durchschnittliches Geschäftsjahr

Das Geschäftsjahr 2013 verlief bei beiden Bahnen zufriedenstellend. Die Beatenbergbahn erhöhte den Verkehrsertrag um 2,7 Prozent auf knapp 717’000 Franken. «Wir sind wie alle Bahnen vom Wetter abhängig, haben den Vorteil, dass wir hauptsächlich vom Sommergeschäft leben», sagt Fritz Haldimann. So sind die Bahnen weniger von schlechten Schneeverhältnissen betroffen. Die Jahresrechnung 2013 schloss mit einem Gewinn von 15’909 Franken. Dies sind rund 40 Prozent mehr als im Vorjahr, Grund waren tiefere Abschreibungen.

Die Niederhornbahn verzeichnete zufriedenstellende Zahlen.

Auch die Niederhornbahn konnte ihren Verkehrsertrag steigern – um 3 Prozent auf 2’335’185 Franken. Sie verzeichnet einen Gewinn von 19’022 Franken. Dieser liegt deutlich über den 8460 Franken des Vorjahrs. Haldimann blickt der Zukunft «im Rahmen der Möglichkeiten» positiv entgegen. Die Bergbahnen in Beatenberg hätten den Vorteil, dass sie verhältnismässig nahe an den Ballungszentren Thun und Bern liegen. Auch die Anbindung an die Schiffslinie bringe viele Gäste. So können diese ohne Fussmarsch von Thun aufs Niederhorn reisen.

Berner Oberländer Zeitung vom 22. Mai 2014 (http://bo.bernerzeitung.ch/region/thun/Niederhorn-und-Beatenbergbahn-wollen-fusionieren/story/18660617)

Die Niederhornbahn und die Beatenbergbahn wollen fusionieren. Ein entsprechendes Gesuch wird den Aktionären beider Gesellschaften an den Generalversammlungen am 19. Juni vorgelegt.

Die Talstation der Beatenbergbahn: Im Juni soll die Bahn mit der Niederhornbahn zusammengeschlossen werden.

Die Beatenbergbahn will wegen der Fusion das Aktienkapital erhöhen und damit die Aktionäre der Niederhornbahn abfinden, wie sie am Donnerstag mitteilte. Per Beschluss solle das Aktienkapital um 3,32 Mio auf 4,02 Millionen Franken erhöht werden. Entsprechend beantragt der Verwaltungsrat die Ausgabe von rund 332’000 neuen Inhaberaktien mit einem Nennwert von 10 Franken. Die Beatenbergbahn führt vom Ufer des Thunersees zum Dorf Beatenberg, die Niederhornbahn von diesem hinauf zum Niederhorn, einem Gipfel der Voralpen. Die beiden Bahnen treten auf dem Internet schon gemeinsam als «Thunersee-Beatenberg-Niederhorn-Bahnen» auf. Die Thuner Verkehrsbetriebe STI besorgen die Geschäftsführung.

Beide Bahnen mit gutem Geschäftsjahr

Die beiden Bahnen haben am Donnerstag auch die Zahlen für das Geschäftsjahr 2013 vorgelegt. Bei der Beatenbergbahn erhöhte sich die Zahl der Fahrgäste um 1,3 Prozent, der Verkehrsertrag stieg um 2,7 Prozent auf knapp 717’000 Franken. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen kam mit 520’000 Franken auf dem Niveau des Vorjahres zu liegen. Tiefere Abschreibungen liessen unter dem Strich 16’000 Franken und damit rund 40 Prozent mehr Gewinn übrig. Ende 2013 lag das Bilanzvermögen bei 12,16 Millionen, nach 12,61 Millionen Franken Ende 2012. Die Niederhornbahn hat im Geschäftsjahr 2013 eine Steigerung des Betriebsertrages von 2,7% gegenüber dem Vorjahr auf 2,82 Millionen Franken verzeichnet. Insgesamt lag die Anzahl Bergfahrten mit gut 133’000 im Rahmen des Vorjahres, aber leicht unter dem Fünfjahresmittel. Der Jahresgewinn lag mit gut 19’000 Franken deutlich über demjenigen von 2012.

Jungfrauzeitung vom 8. Mai 2014 http://www.jungfrauzeitung.ch/artikel/130773/

SUNDLAUENEN 8. MAI 2014

Zerstritten und gefesselt

Der Gemeinderat Beatenbergs wollte an einer Aussprache erfahren, warum Sundlauenen sich abspalten will. Dabei wurde klar: Der Ortsteil hat sich in den Köpfen der meisten schon lange getrennt, die Bevölkerung kann aber nicht geschlossen auftreten.
Gemeindepräsident Christian Grossniklaus hörte am Mittwoch vor allem zu und nahm die Kritikpunkte entgegen. Neben ihm: Gemeindeschreiberin Sonja Fuss. Sundlauenen und Beatenberg sind wie ein altes Ehepaar, das sich auseinander gelebt hat» – diese Metapher fasst die Aussprache in Sundlauenen vom Mittwochabend zusammen. Der Beatenberger Gemeindepräsident Christian Grossniklaus war vom Berg hinabgestiegen, um den Sundlauenern ein offenes Ohr zu bieten. Im Gepäck hatte er fast den gesamten Gemeinderat – zumindest das, was davon nach den jüngsten Rücktritten noch übrig geblieben ist: Andreas Sieber, Christina Rähmi und Gemeindeschreiberin Sonja Fuss. Lediglich Daniel Grossniklaus liess sich entschuldigen. Die vier Vertreter sassen rund 30 Bewohnern von Sundlauenen gegenüber.

 Gemeinderat gegen Abspaltung

Die Ausgangslage war brisant: Sundlauenen will sich nach wie vor von Beatenberg abspalten und zu Unterseen überlaufen. Doch vor kurzem gab der Gemeinderat bekannt, «den Wechsel des Ortsteils nicht zu befürworten.» Auch eine Arbeitsgruppe, die sich eingehender mit dem Wunsch befasst, wollte er nicht einsetzen. Stattdessen organisierte er die Aussprache vom Mittwoch, um die Aufsässigen anzuhören. Rund 30 Personen waren zur Aussprache im alten Schulhaus erschienen. Über eine Stunde lang trugen die Sundlauener im alten Schulhaus also ihre Sichtweisen vor. Was sich dabei herauskristallisierte: Einerseits hegt die gefühlte Mehrheit einen tiefen Groll gegen Beatenberg. Andererseits liegt der Lebensmittelpunkt der meisten Bewohner längst in Unterseen.

Den Bezug verloren

Es sind alte und neue Geschichten, die sich in der Bevölkerung angestaut haben – ungeräumte Strassen im Winter, Grundeigentümerbeiträge für Brücken, ungeputzte Strassenlampen und vor allem: mangelndes Interesse und Engagement der Beatenberger. «Wofür zahle ich überhaupt Steuern, wenn ich nichts dafür bekomme?», fragten gleich mehrere Sundlauener. Viel wichtiger als all die kleinen Dinge scheint aber, dass die Bewohner des Ortsteils längst keinen emotionalen Bezug mehr zu denen «auf dem Berg» haben. Früher, als die Sundlauener Kinder noch zu Fuss nach Beatenberg zur Schule gingen, war das anders. Die Jungen kannten sich, wurden gross und kannten sich noch immer. Doch diese Schule ist seit 1999 geschlossen und zu Fuss geht schon lange niemand mehr nach Beatenberg. So ist der Kontakt abgerissen – und zwar von beiden Seiten her. Der Weg von Sundlauenen zur Gemeindeverwaltung Beatenberg führt mitten durch Unterseen und dauert mit dem Auto rund 20 Minuten. Stattdessen besuchen die Kinder heute in Unterseen die Schule. Und die Erwachsenen fahren mit dem Auto zur Gemeindeverwaltung – mitten durch Unterseen hindurch. Mit dem öffentlichen Verkehrsmittel ist die Situation sogar noch absurder: Man fährt nach Interlaken West und muss dort in den Bus nach Beatenberg umsteigen. 45 Minuten dauert ein Weg auf diese Art. «Wenn ich auf die Gemeindeverwaltung will, muss ich wegen der Öffnungszeiten einen halben Tag frei nehmen», beklagt sich ein Sundlauener. Alles in allem wird klar: Die Zentrumsfunktion nimmt schon lange Unterseen ein, geografisch und emotional. Die Zugehörigkeit zu Beatenberg besteht nur noch auf dem Papier.

 Verschiedene Sichten des Gemeinderats

«Ich verstehe das», sagte Christian Grossniklaus im Anschluss an die Aussprache gegenüber dieser Zeitung, «aber ich bin nicht die Mehrheit des Gemeinderates.» Es sei ihm deshalb wichtig gewesen, dass seine Ratskollegen aus erster Hand hören, wo der Schuh in Sundlauenen drückt. Schon während der Anhörungen war das innerliche Dilemma von Grossniklaus spürbar: Fragen nach den Gründen, warum keine Arbeitsgruppe eingesetzt wurde, gab er konsequent an die beiden anderen Gemeinderäte ab. Diese blieben in ihren Erklärungen aber sehr vage. «Ich habe das Gefühl, wenn ein Teil einer Gemeinde fortgeht, schwächt uns das auf verschiedenste Arten», sagte etwa Andreas Sieber. Er versuchte es auch noch mit emotionalen Argumenten: «Sundlauenen ist mir in keiner Art und Weise egal.» Christina Rähmi fügte dem hinzu: «Für mich sind noch zu wenig Gründe für die Abspaltung gekommen, als uns der Ortsverein das Anliegen vorgetragen hat.» Es sei ihr wichtig gewesen, zuerst mehr zu erfahren. «Mir reicht das Argument ‘wir gehören nicht mehr dazu’ einfach nicht. Nicht nur der Gemeinderat scheint sich nicht einig zu sein. Auch den Sundlauener fällt es schwer, als Einheit aufzutreten. Der Präsident des Ortsvereins, Walter Bärtschi, blieb einmal mehr erstaunlich still. Und die Voten der anderen Bewohner waren oft geprägt von Einzelinteressen und alten Fehden, die mit dem Thema nichts zu tun haben. Trotzdem wurde einmal mehr klar: Sundlauenen will zu Unterseen – Punkt. Nun liegt der Ball wieder beim Gemeinderat von Beatenberg, der an einer Sitzung erneut über das Geschäft diskutieren wird. Das Gremium wird anders zusammengesetzt sein als beim letzten Mal. Denn drei der sieben Gemeinderäte sind nach ihrer Verurteilung wegen Urkundenfälschung vor kurzem zurückgetreten und werden nun ersetzt. Es wird sich zeigen, ob diese neue Konstellation und die Aussprache am Mittwoch zu einem anderen Ergebnis führen.

Berner Oberländer Zeitung v. 8. Mai 2014

 http://bo.bernerzeitung.ch/region/thun/Mit-der-Ruhe-ist-es-vorbei/story/30539067

Mit der Ruhe ist es vorbei

  • Die Verurteilung der zwölf Gemeinderäte von Habkern und Beatenberg ist nach wie vor das vorherrschende Thema in den Dörfern. Derweil wird unter Hochdruck nach einer Nachfolgelösung für die zurückgetretenen Gemeinderäte gesucht.

Wenn es die Absicht aller Beteiligten war, das Thema ohne grosses Aufsehen aus der Welt zu schaffen, kann man bereits jetzt deutlich sagen: Das hat nicht geklappt. Die Meldung, die der Regierungsstatthalter von Interlaken-Oberhasli Martin Künzi am Montag veröffentlicht hat, hat nicht nur ein gehöriges Rauschen im Blätterwald verursacht.Nein die strafrechtliche Verurteilung von zwölf aktuellen und ehemaligen Gemeinderäten aus Beatenberg und Habkern wegen Urkundenfälschung und Betrug ist nach wie vor das Gesprächsthema an den Stammtischen in ihren Heimatgemeinden. Tenor dabei: «Sie haben zwar einen schweren Fehler gemacht, es aber nicht böse gemeint und das Geld immerhin nicht in die eigene Tasche gewirtschaftet. Ähnlich hatte auch der Regierungsstatthalter in seiner Pressemitteilung vom Montag argumentiert, als er darauf verwies, dass die Bussen und die Verfahrenskosten durch die Verurteilten getragen würden: «Auch wenn das Fehlverhalten damit nicht entschuldigt werden kann, erinnern die Gemeinderäte von Beatenberg und Habkern sowie der Regierungsstatthalter daran, dass sich die Betroffenen über Jahre hinweg ehrenamtlich und uneigennützig für ihre Gemeinden eingesetzt haben.» Die entstandenen Anwaltskosten übernehmen übrigens die beiden Gemeinden.

Neu besetzen oder nicht?

Und in der Tat ging es den zwölf Gemeinderäten nicht darum, sich persönlich zu bereichern, als sie sich im April 2008 in einer gemeinsamen Sitzung dazu entschlossen, die Auslagen im Formular für den Lastenausgleich an die kantonale Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) für das Jahr 2007 zu erhöhen und 33’770 Franken mehr über den Lastenausgleich abzurechnen, als zulässig gewesen wären.

Die Gemeinderäte wollten auf diese Weise den in finanzielle Schieflage geratenen gemeinsamen Spitex-Verein wieder auf Kurs bringen. Es ist aber ebenso unbestritten, dass das Mittel, das sie dafür wählten, illegal war und nach der Anzeige der GEF zur Verurteilung der Volksvertreter führte, die im April bei der Spitex-Krisensitzung ihre folgenschwere Entscheidung trafen.Neben den strafrechtlichen Konsequenzen haben die fünf heute noch aktiven Gemeinderäte auch die politischen Folgen zu tragen. So sind in Beatenberg Arnold Schmocker, Susanna Gafner-Grossniklaus sowie Johann Gimmel zurückgetreten. Und in Habkern wurden mittlerweile die Rücktritte von Hans Ulrich Brunner sowie Andreas Zurbuchen-Steiner bestätigt. Ernst Zurbuchen sowie Habkerns aktueller Gemeindepräsident Markus Karlen waren damals nicht bei besagter Sitzung anwesend und stehen dem Gemeinderat damit weiterhin zur Verfügung, der nun vor einer Veränderung steht.

«Donnerstagabend werden SVP und Habkern Zukunft zusammenkommen, um zu entscheiden, ob wir die Posten neu besetzen oder vakant lassen und so den Gemeinderat von neun auf sieben Mitglieder reduzieren», erklärte Markus Karlen gestern. Ähnlich wie sein Beatenberger Amtskollege Christian Grossniklaus hält er es für möglich, dass die jüngsten Ereignisse eine Hemmschwelle bei der Suche nach neuen Gemeinderatskandidaten bilden.

«Wir finden sicher Leute»

In Beatenberg will man am Siebenergremium im Rat festhalten, wie unlängst bei einer Verwaltungsreform beschlossen wurde. Die drei vakanten Sitze sollen per Nachzugsliste oder durch zusätzliche Kandidaten besetzt werden. «Wir finden sicher Leute», glaubt Christian Grossniklaus. Aber auch so sei der Rat «knapp beschlussfähig».(Berner Oberländer)

Jungfrauzeitung vom 5. Mai 2014

BEATENBERG/HABKERN 5. MAI 2014

Rücktritte wegen Urkundenfälschung und Betrug

Drei Gemeinderäte aus Beatenberg und zwei aus Habkern geben ihre Ämter ab. Sie hatten im April 2008 ein Formular manipuliert, um den Spitexverein zu retten.
Vor knapp sechs Jahren wählten zwölf Gemeinderäte aus Beatenberg und Habkern den falschen Weg zur Rettung der Spitex.Foto: Samuel Buchmann

Urkundenfälschung und Betrug – so lautet das Urteil gegen sieben ehemalige und fünf aktuelle Gemeinderäte aus Beatenberg und Habkern. Die noch aktiven Räte sind zurückgetreten. Dies schreibt Regierungsstatthalter Martin Künzi in einer Medienmitteilung vom Montag. Die Strafe besteht aus einer bedingten Geldstrafe zu individuellen Tagessätzen und einer Busse im dreistelligen Bereich. Auch die Verfahrenskosten müssen die Verurteilten selbst bezahlen.

 Fälscher in der Not

Die Geschichte beginnt 2007: Der Spitexverein Beatenberg-Habkern steckt tief in finanziellen Schwierigkeiten. Da die Organisation einen Leistungsvertrag mit der Gemeinde hat, obliegt dieser auch die Aufsicht in finanziellen Belangen. Die Spitex unterrichtet also die beiden Gemeinden im März 2008 über ihre Notlage, im April findet eine Krisensitzung statt. Anwesend: Zwölf Gemeinderäte aus Beatenberg und Habkern, die beiden Gemeindeschreiber und der Finanzverwalter von Beatenberg. Ausserdem vier Vorstandsmitglieder, die Rechnungsführerin und der Betriebsleiter des Spitexvereins.

 Die Lage ist ernst: Dem Spitexverein droht der Konkurs. In seiner Verzweiflung wird der Vorstand offenbar kreativ. Er schlägt vor, die Arbeitsstunden der Vorjahre nach oben zu «korrigieren» – und zwar im Formular, in welchem die Gemeinde gegenüber dem Kanton diejenigen Kosten abrechnet, für die sie Geld aus dem kantonalen Lastenausgleich zurückfordern kann. Darunter fallen auch Beiträge für die Spitex. Der Gemeinderat diskutiert über den Vorschlag. Die Gemeindeschreiberin von Beatenberg weist ausdrücklich darauf hin, dass eine solche Änderung gesetzwidrig wäre. Trotzdem kommt es zu einer Abstimmung. Sie endet in einem Patt, sechs Gemeinderäte stimmen für die Urkundenfälschung, sechs dagegen. «Wir können nicht mehr genau rekonstruieren, warum, aber schlussendlich wurde die Änderung anscheinend doch beschlossen», sagt Künzi.

Kanton um Geld betrogen

Der kleine Trick funktioniert zunächst, die Spitex erhält 33’770 Franken zusätzlich. Doch die Sache fliegt auf: Die zuständige Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern (GEF) erhält einen Hinweis, entdeckt die «Formularanpassung» und reicht Strafanzeige gegen die zwölf Gemeinderäte sowie die Gemeindeschreiberin von Beatenberg ein. Die Verantwortlichen der Spitex werden rechtlich nicht belangt, der Verein muss das Geld aber zurückzahlen und geht Ende 2008 Konkurs. Seine Dienstleistungen übernimmt der Verein Spitex Interlaken und Umgebung. Über fast sechs Jahre zieht sich das Verfahren hin. Die Gemeinden Beatenberg und Habkern stellen ihren Räten je einen Anwalt zur Verfügung, der ihnen zur Seite steht. Die Kosten trägt der Steuerzahler. «Das ist nichts Ungewöhnliches», sagt Christian Grossniklaus, Gemeindepräsident von Beatenberg, «Solche Beratungsmandate sind immer wieder nötig, schliesslich sind wir im Gemeinderat nicht alles Juristen.» Die Gesamtkosten der Mandate für den vorliegenden Fall von 2008 bis heute bewegen sich im fünfstelligen Bereich. Wie hoch sie genau sind, will weder Grossniklaus noch sein Amtskollege aus Habkern, Markus Karlen, offenlegen. Regierungsstatthalter Künzi steht hinter dem Entscheid, die Anwaltskosten nicht auf die Verurteilten abzuwälzen: «Es geht hier um die Verhältnismässigkeit.» Die Betroffenen hätten bereits genug für ihren Fehler bezahlt. «Wir kamen deshalb zur Empfehlung, dass die Gemeinden die Anwaltskosten tragen sollen.»

 Urkundenfälschung und Betrug

Im Januar 2014 fällt schliesslich das Urteil: Alle zwölf Gemeinderäte werden der Urkundenfälschung und des Betrugs schuldig gesprochen. Sieben von ihnen sind zu diesem Zeitpunkt bereits abgewählt oder zurückgetreten, doch fünf sind noch im Amt. Einer von ihnen gelangt in seiner Situation an den Regierungsstatthalter, der danach auf die beiden Gemeinden zugeht.Die fünf noch aktiven Gemeinderäte treten auf Ende April 2014 zurück: Hans Ulrich Brunner und Andreas Zurbuchen aus Habkern sowie Arnold Schmocker, Susanna Gafner und Johann Gimmel aus Beatenberg. Sie haben laut den beiden Gemeindepräsidenten ihren Rücktritt alle von sich aus eingereicht. Die Gemeindeschreiberin von Beatenberg, Sonja Fuss, wird freigesprochen – ihr expliziter Einspruch ist im Protokoll der Sitzung vermerkt. Markus Karlen war 2008 Vize-Gemeindepräsident. An der verhängnisvollen Sitzung war er aber nicht anwesend. Er ist vom Urteil deshalb nicht betroffen, genauso wie Ernst Zurbuchen, der ebenfalls schon 2008 im Gemeinderat Habkern sass und abwesend war.Das Gericht machte keinen Unterschied zwischen Gemeinderäten, die 2008 für die Fälschung gestimmt hatten und denjenigen, die dagegen waren. «Das ist sicher eine wichtige Lehre, die alle Amtsträger daraus mitnehmen können: Bei einem rechtswidrigen Kollektivbeschluss tragen alle Involvierten die Verantwortung», sagt Künzi. Nein stimmen reiche nicht, die Räte hätten sich entschieden gegen den Beschluss wehren müssen. Er gibt zu bedenken, dass sich die Gemeinderäte der Tragweite ihres Entscheides wohl kaum bewusst waren. Die Konsequenzen müssen sie nun trotzdem tragen.

Wer übernimmt die freien Sitze?

Durch die Rücktritte fehlen nun zwei Gemeinderäte in Habkern und drei in Beatenberg. Auf diese Positionen werden in den nächsten Wochen die Kandidaten nachrücken, die bei den Wahlen am zweit- oder drittmeisten Stimmen erzielten. Wer dies genau sein wird, werden die Parteien noch bekanntgeben.

Jungfrauzeitung vom 29. April 2014

Kein emotionaler Bezug mehr

Der Gemeinderat von Beatenberg befürwortet bis auf weiteres die Abspaltung von Sundlauenen nicht. In einer Aussprache will er die Gründe für diesen Wunsch der Bevölkerung erfahren.
Sundlauenen möchte nicht mehr zu Beatenberg sondern zu Unterseen gehören.Der Gemeinderat von Beatenberg hat sich gegen die Abspaltung von Sundlauenen ausgesprochen. Er setzt keine entsprechende Arbeitsgruppe ein. Stattdessen veranstaltet er eine Aussprache mit der betroffenen Bevölkerung. Vor einem Jahr reichte der Orts- und Kurverein Sundlauenen einen Antrag beim Gemeinderat ein: Der Ortsteil will sich von Beatenberg abspalten und stattdessen zur Gemeinde Unterseen wechseln; einerseits wegen der geografischen Zentrumsfunktion des Stedtlis, andererseits aus emotionalen Gründen. Beatenbergs Gemeindepräsident Christian Grossniklaus brachte dem Anliegen damals durchaus Verständnis entgegen: «Wenn die Sundlauener wirklich weg wollen, sollen sie halt gehen.»Mehr Stimmen einholen. Mittlerweile klingt es etwas anders. In einer Publikation Beatenbergs im Anzeiger heisst es: «Nach der Beratung und Prüfung sowie einer Besprechung mit einer Delegation des Ortsvereins Sundlauenen hat der Gemeinderat beschlossen, den Wechsel des Ortsteils Sundlauenen zu der Gemeinde Unterseen nicht zu befürworten und keine Arbeitsgruppe einzusetzen.» Grossniklaus erklärt den Sinneswechsel: «Der Gesamtgemeinderat möchte sehen, dass das Anliegen von der Mehrheit der Bevölkerung getragen wird – nicht nur von einer Dreierdelegation des Ortsvereins.» Dies sei der Hauptgrund für die Aussprache. Man wolle ausserdem die «tieferen Beweggründe zum Ortswechselwunsch in Erfahrung bringen», steht in der Botschaft. Dazu veranstaltet der Gemeinderat nun ein Gespräch mit den Sundlauenern, das am 7. Mai im alten Schulhaus stattfinden wird. Mehr Unterschriften als Stimmberechtigte. Sollte sich herausstellen, dass der Wunsch tatsächlich von der Mehrheit getragen wird, kommt das Anliegen wieder im Gemeinderat zur Sprache. Die Sundlauener müssten für eine entsprechende Initiative laut Grossniklaus rund 90 Unterschriften sammeln. Im Ortsteil wohnen aber deutlich weniger Stimmberechtigte. Das heisst, dass auch einige nicht in Sundlaunen wohnhafte Beatenberger die Initiative unterschreiben müssten. Und falls das tatsächlich passiert, muss die Gemeindeversammlung den Antrag auch noch gutheissen. «Ich gehe aber davon aus, dass in diesem Fall eine Abstimmung positiv ausfallen würde», sagt der Gemeindepräsident.Wie eine allfällige Abspaltung und ein Übertritt zu Unterseen genau ablaufen würde, weiss man noch nicht genau. Das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) könne keine Auskunft geben. Es gebe schlicht keine Präzedenzfälle – Fusionen sind alltäglich, Abspaltungen nicht. Deshalb wäre der Ansprechpartner laut Grossniklaus eher der Verein der bernischen Gemeinden. «Es gäbe bestimmt vermögensrechtliche Auseinandersetzungen im kleinen Rahmen», so Grossniklaus. Unüberwindbare Hindernisse wären das aber nicht.
Kein emotionaler Bezug

Warum die Sundlauener zu Unterseen wollen, weiss der Gemeindepräsident nicht genau. Er vermutet, dass den meisten Einwohnern der emotionale Bezug zu Beatenberg fehlt. Auch geografisch liegt Unterseen als Zentrum näher. Ausserdem hat Unterseen einen etwas tieferen Steuerfuss. Dies mache aber nicht viel aus, sagt Grossniklaus. «Wir können Sundlauenen auch nicht entgegenkommen in diesem Bereich. Es wäre ja unfair, wenn sie einfach weniger Steuern zahlen müssten als der Rest der Gemeinde.» Man sei nun aber gespannt, was sich aus der Aussprache ergibt.Und was sagt der Orts- und Kurverein? Walter Bärtschi, Repräsentant und Präsident des Orts- und Kurvereins Sundlauenen, möchte sich nicht zur Situation äussern. Er verweigert jeglichen Kommentar – wie bereits im Herbst, als das Thema das erste Mal aufgekommen war. «Wir kommunizieren nicht über die Medien», sagt Bärtschi.

Strassenarbeiten Parkhotel-Bibelheim- Postbeatenberg

Amtsanzeiger Interlaken vom 17. April 2014
Den Wortlaut der Publizierung können Sie nachstehend ersehen.

 

BEATENBERG 25. MÄRZ 2014 aus Jungfrauzeitung.ch

Wohnen mit Dienstleistungen ist erwünscht

Der Verein Schulhausareal Schmocken wandte sich mit einem Fragebogen an die Bevölkerung. Er wollte wissen, was mit dem Haus geschehen soll. Die Umfrage ist nun ausgewertet.
Noch immer unklar ist die Zukunft des Schulhausareals Schmocken. Eine Umfrage ist inzwischen ausgewertet.Foto: Eingesandt

Im Januar orientierte ein Initiativkomitee öffentlich über die Zukunft des Schulhauses Schmocken am westlichen Ortsrand – über die Zukunft, die ungewiss war. Dieser Tatsache wollte die Gruppe Abhilfe schaffen, gab den Teilnehmern der Versammlung vor Ort die Gelegenheit, an Flipcharts aufzuschreiben, was mit dem gemeindeeigenen Bau geschehen soll, der als Schulhaus aufgrund der Schülerzahlen überflüssig wurde. Mit einem Fragebogen wandte sich das Komitee, welches auch einen Verein gegründet hat, an die Beatenberger Bevölkerung. Zurückgekommen sind 32 ausgefüllte Bögen, wie Vereinsmitglied Rudolf Schatzmann sagt. Schon länger ist die Idee entstanden, das Haus in Verbindung mit dem benachbarten Betagtenheim zu nutzen, und beispielsweise «Wohnen mit Dienstleistung» anzubieten. Alleine das Alterssegment, welches den Fragebogen ausfüllte, macht den Wunsch deutlich, dass in diese Richtung gedacht und gehandelt wird: Zwei Personen im Alter von 31 bis 50 Jahren füllten den Bogen aus, elf zwischen 51 und 65 Jahren, zwölf zwischen 66 und 80 Jahren, sowie zwei über 80 Jahren. 14 Teilnehmer wünschen sich tatsächlich ein Wohnen mit Dienstleistungen, neun möchten generell Wohnraum für Betagte, vier für Familien und zwei für junge Erwachsene. Die Wohnungen sollen nach der Mehrheit der Umfrageteilnehmer zwischen drei und vier Zimmer gross sein, die Miete zwischen 800 und 1200 Franken pro Monat kosten. Die Auswertung ergibt, dass sich die Interessenten den Wohnraum nicht sofort wünschen, sondern mehrheitlich erst in fünf Jahren oder noch später. Im Weiteren bat das Komitee um die persönlichen Meinungen und Anregungen, wofür man das Areal sonst noch nutzen könnte. «Es werden beispielsweise Seniorenwohngemeinschaften gewünscht, oder dass die Wohnungen verschieden gross werden», so Schatzmann. Konkrete Ergebnisse liegen mit der Auswertung der Umfrage nicht vor. «Und doch haben wir etwas, das bei allfälligen Verhandlungen vorgelegt werden kann», sagt Schatzmann. Die Gemeinde hat inzwischen das Areal nochmals öffentlich zum Verkauf angeboten, obwohl sich bei der ersten Ausschreibung 2012 niemand ernsthaft dafür interessierte. «Wir haben die Hoffnung, dass wir Investoren finden», so Schatzmann. «Wie weit die dann bereit sind, unsere Ideen aufzugreifen, ist natürlich unklar.» Auch wenn die Bemühungen des Komitees umsonst bleiben sollten: Der Verein ist auf 15 Mitglieder angewachsen. «Immerhin sind unsere Unkosten gedeckt.»

aus : Amtsanzeiger Interlaken Ausgabe 3. April 2014

Baupublikation: Gesuchstellerin AGV Invest AG, Interlaken

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Die im Artikel erwähnten Grundstücksflächen wurden separat eingezeichntet.
ohne Gewähr.

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Fahrer bei Selbstunfall verletzt

  • Am frühen Donnerstagmorgen kam es in Sundlauenen in der Gemeinde Beatenberg zu einem Selbstunfall in einem Tunnel. Der Fahrer wurde dabei leicht verletzt.

Das Auto prallte zuerst in den rechten Tunneleingang und wurde danach in die linke Tunnelwand geschleudert. Der Fahrer wurde beim Selbstunfall vom Donnerstagmorgen leicht verletzt.
Der Unfall ereignete sich kurz nach 6 Uhr in der Beatenbucht bei Sundlauenen. Das Auto war von Interlaken Richtung Thun unterwegs. Im zweitletzten Tunnel vor der sogenannten «Töffkurve» ist der Lieferwagen beim Tunneleingang in die rechte Wand geprallt, anschliessend wurde er beim Tunnelausgang in die linke Wand geschleudert.

Der Lenker wurde leicht verletzt und musste mit der Ambulanz ins Spital gebracht werden. Die Feuerwehr Interlaken musste ausgelaufenes Öl binden. Die Unfallursache ist noch unbekannt. Der Verkehr musste zeitweise wechselseitig einspurig geführt werden.(tan)

Erstellt: 20.03.2014, 08:53 Uhr Berner Oberländer

BEATENBERG 18. MÄRZ 2014

Jetzt zügelt die Post

In knapp vier Wochen schliesst die Poststelle bei der Kirche. Darauf folgt die Wiedereröffnung als Agentur im Tourismusbüro im Hälteli.

Am Montag, 7. April, ist es soweit: Die neue Postagentur Beatenberg erwartet ihre Kunden im Tourismusbüro Beatenberg. Die Poststelle ist letztmals am Freitag, 4. April, geöffnet. In der Hauptsaison ist das Büro inklusive Agentur jeweils auch am Samstagnachmittag und sonntags geöffnet. Saisonale Öffnungszeiten werden unter www.beatenbergtourismus.ch publiziert.

Die Postagentur bietet ihren Kunden die gewohnten Dienstleistungen an. Dazu gehört die Aufgabe von Inland- und Auslandbriefen, Paketen und Eilsendungen. Nicht zugestellte Sendungen werden in der Agentur gelagert. Zudem sind Einzahlungen mit der Postfinance Card oder der Maestro-Karte möglich, ebenso Geldbezüge mit der Postfinance Card.

Der Briefeinwurf bei der Poststelle wird durch ein neues Modell ersetzt und künftig morgens um 8.00 geleert, am Samstag um 7.30 Uhr. Der Briefeinwurf beim Tourismusbüro wird neu auch abends geleert: Montag bis Freitag 17.45 Uhr, Samstag 11.00 Uhr. Die Zustellung in Beatenberg erfolgt weiterhin ab Interlaken. Die Postfachanlage befindet sich künftig beim Tourismusbüro. Die Postfachkunden werden mit separaten Schreiben informiert.

BEATENBERG 19. MÄRZ 2014

Die Nächstenliebe als Lebensphilosophie

Vor sieben Jahren gründete Thomas Kellenberger das Hilfswerk «Island Kids Philippines». Damit will der ehemalige Kantonspolizist Kindern aus armen Verhältnissen dank schulischer Ausbildung eine bessere Zukunft bieten.
Über 300 Kinder werden im Bildungszentrum unterrichtet, 27 Mitarbeiter kümmern sich um die Schüler.Fotos: Island Kids Philippines

Cagayan de Oro, eine Stadt auf der Insel Mindanao im Süden der Philippinen, im Jahr 2007. Thomas Kellenberger, ein Berner Kantonspolizist aus Beatenberg, macht Tauchferien. Auf Mindanao angekommen, verwirft er seine eigentlichen Ferienpläne bald. Er trifft auf unzählige Menschen und vor allem viele Kinder, die auf gewaltigen Müllbergen nach Wertstoffen suchen, die sie verkaufen könnten. Fortan hilft er den Leuten bei der täglichen Arbeit und diskutiert die schwierigen Verhältnisse jeden Tag mit der einheimischen Gastgeberin, bei der er für einige Wochen Unterschlupf findet. Als er in die Schweiz zurückkehrt, lässt ihm das Schicksal der Slum-Kinder keine Ruhe. Er gründet das Hilfswerk «Island Kids Philippines» (IKP).
«Da isch z’Füfi abegheit», beschreibt Thomas Kellenberger den Moment, als er die philippinischen Wertstoffsammler auf den Müllbergen sah.

ALS THOMAS KELLENBERGER SIEBEN JAHRE SPÄTER, IM MÄRZ 2014, BEI DER REDAKTION DIESER ZEITUNG FÜR EIN INTERVIEW ZU BESUCH IST, GIBT ES VIEL ZU ERZÄHLEN. DER BEATENBERGER IST LÄNGST AUF DIE PHILIPPINEN AUSGEWANDERT, HAT SEINEN JOB BEI DER POLIZEI AUFGEGEBEN UND MIT IKP AUF MINDANAO EIN BILDUNGSZENTRUM FÜR AKTUELL ÜBER 300 SCHÜLER UND MIT 27 MITARBEITERN GEGRÜNDET. ZUSÄTZLICH WURDE 2013 EIN COMMUNITY LEARNING CENTER ETWAS AUSSERHALB VON CAGAYAN DE ORO ERÖFFNET. DIE STRASSENKINDER AUS ÄRMSTEN VERHÄLTNISSEN HÄTTEN OHNE DIE TAGESSCHULE VON IKP KEINERLEI CHANCE AUF EINE SCHULISCHE BILDUNG – UND SIE WERDEN HIER NICHT NUR AUSGEBILDET, SONDERN VON PROFESSIONELLEN HILFSKRÄFTEN AUCH GESUNDHEITLICH, CHARAKTERLICH, GEISTLICH UND IN IHREN EIGENEN TALENTEN GEFÖRDERT. ZUSAMMEN MIT SEINEM TEAM HAT KELLENBERGER ZUDEM EIN SHELTER HOME AUFGEBAUT: HIER FINDEN MOMENTAN 52 KINDER UNTERSCHLUPF, DIE VON EXTREMER ARMUT BETROFFEN SIND UND VON DER STRASSE, AUS DER PROSTITUTION ODER DER KLEINKRIMINALITÄT GEHOLT WURDEN. IM SHELTER HOME ERHALTEN SIE SICHERHEIT UND GEBORGENHEIT SOWIE EINE SCHULISCHE BILDUNG – UND DAMIT BESSERE AUSSICHTEN FÜR DIE ZUKUNFT.

Das neue Community Learning Center wurde 2013 eröffnet.
Es war ein hartes Stück Arbeit und ein grosser Effort, bis Thomas Kellenbergers Ideen konkrete Formen annahmen. «Wir hatten kaum Startkapital und viele meinten, ich sei ein Träumer», erinnert sich der heute 32-Jährige. Noch heute kämpfen der Beatenberger und sein Team auf den Philippinen tagtäglich mit den Problemen, die der Alltag mit sich bringt: «Einen Tagesablauf zu planen, ist unmöglich. Wir werden immer wieder mit einer anderen Schwierigkeit konfrontiert, die es anzugehen gilt.» Eine positive Einstellung ist deswegen die Basis, um IKP und die Projekte des Hilfswerkes erfolgreich zu bewältigen: «Man ist sich selbst die grösste Hürde. Der Kampf findet im Kopf statt. Wenn man daran glaubt, was man tut, gelingt es.»
Glaube als Therapie
Der Glaube ist ein wichtiger Teil von Thomas Kellenbergers Leben und gab 2007 überhaupt den Anstoss, dass er das Hilfswerk gründete. Vor seiner Philippinen-Reise war er kaum gläubig. Er fand zu Gott, als er die Slum-Kinder auf den Müllbergen sah: «’Da isch z’Füfi abegheit.’ Ich wusste, Gott hat einen anderen Plan für mich.» Was genau damals in und mit ihm vorging, könne er nicht rational erklären. Aber der Glaube wie auch das Zusammenleben mit den Menschen auf den Philippinen haben Kellenberger verändert. Im Shelter Home singen die Kinder und die Mitarbeiter etwa jeden Abend gemeinsam Lobpreislieder. Das sei für alle eine Art Therapie: «In diesem Rahmen kommen Emotionen hoch, die die Kinder sonst nicht zeigen, und sie können traumatische Erlebnisse auf diese Weise verarbeiten.» Es komme immer wieder vor, dass ein Kind beim gemeinsamen Singen zu weinen beginne – und auch er selbst habe dabei schon geweint, erzählt Thomas Kellenberger.
Die schulische Ausbildung ermöglicht den Slum-Kindern eine bessere Zukunft.
Trotz aller Bemühungen kann «Island Kids Philippines» nicht allen Kindern helfen, die Leid ertragen müssen. Im Laufe der Zeit sah Thomas Kellenberger mehr als ein Dutzend Kinder sterben. So veränderte sich sein Umgang mit dem Tod. Er erinnert sich an ein schwer krebskrankes Mädchen, für das jede Hilfe zu spät kam. Kellenberger konnte das schwer akzeptieren und empfand es als grosse Ungerechtigkeit. Das Mädchen aber sagte ihm kurz vor seinem Tod, es sei müde und gehe jetzt zu Jesus. «Ich wollte mich am Leben festhalten, während das Kind längst Frieden im Herzen hatte» – eine wichtige Lektion für ihn: «Akzeptanz, anstatt nach einem Schuldigen zu suchen.»
Die Kinder, die IKP betreut, stammen aus ärmsten Verhältnissen.

Der Umgang der Philippinos mit Schicksalsschlägen und ihr Lebensmut beeindrucken Thomas Kellenberger immer wieder aufs Neue. So auch im November 2013, als Taifun Haiyan die Philippinen heimsuchte. Über 10’000 Menschen wurden durch den tropischen Wirbelsturm getötet, ganze Dörfer zerstört, viele wurden obdachlos. Mindanao, wo IKP stationiert ist, war glücklicherweise nicht betroffen. Aus Solidarität zog Thomas Kellenberger aber im Sinne einer «Relief Operation» mit einem kleinen Team – darunter auch neun Jugendliche aus dem Bildungszentrum – los, um sich für jene einzusetzen, die es am dringendsten brauchten. Dafür durfte IKP auf Spenden von rund 7000 Franken zurückgreifen. In kleinen Dörfern auf den Inseln Leyte und Cebu wurden dann Hilfsgüter verteilt: mit Notfallpaketen, bestehend aus Konserven, Reis und Teigwaren, sowie Zeltplanen und Medikamenten aus der Schweiz half das Team von IKP weit über 1000 Familien.

 

Nachdem Taifun Haiyan die Philippinen heimgesucht hatte, unterstützte das Hilfswerk die betroffenen Menschen und Dörfer beim Wiederaufbau.

Auch hier erlebte Thomas Kellenberger die grosse Offenheit und Gastfreundschaft der Bevölkerung. «Man bot uns Essen an und wollte den Reis, den wir den Familien brachten, sofort mit uns teilen.» Von der Tatkraft, mit welcher die Philippinos ihren Lebensraum wieder herstellten, zeigt er sich fasziniert: «Sie hadern nicht mit der Katastrophe, sondern schauen vorwärts und räumen wieder auf.» Kellenberger und sein Hilfswerk setzten zudem alle Hebel in Bewegung, um provisorische Unterrichtsräume zu erstellen und schliesslich auch den Bau von neuen Schulen zu organisieren. «Es ist wichtig, dass die Kinder schnell wieder zur Schule gehen und einen strukturierten Tagesablauf haben. So können sie das Trauma besser verarbeiten.» Nicht zuletzt wurden die Mädchen und Buben auf diese Weise auch vor Prostitution oder Menschenhandel geschützt – denn ohne Obdach sind sie der Kriminalität stark ausgesetzt.
Die Kinder werden von professionellen Lehrkräften unterrichtet.

«Bin dort, wo Gott mich braucht»

Bei all dem Leid, das Thomas Kellenberger in den vergangenen Jahren beobachtete, stimmt es ihn glücklich, wenn er die Früchte der Arbeit seines Hilfswerks sieht: «Die Kinder entwickeln sich, schreiben plötzlich englische Briefe und übernehmen die Philosophie der Nächstenliebe.» Dies entspricht der Vision von IKP. Das Hilfswerk soll eines Tages weitgehend von Spendengeldern unabhängig sein, die Kinder und Jugendlichen die Tätigkeiten übernehmen und sich ebenfalls um bedürftige Menschen kümmern. Thomas Kellenberger wird sich sein Leben lang für Menschen engagieren. Wie lange er noch auf den Philippinen bleibt und ob er sein Hilfswerk eines Tages gar komplett in andere Hände übergibt, weiss er aber selbst nicht: «Wenn Gott eine andere Aufgabe für mich hat, werde ich es spüren. Ich will dort leben, wo er mich braucht.»

Vortrag über Wirbelstürme und Schulhausbau

Thomas Kellenberger berichtet am Freitag, 21. März, ab 19.30 Uhr im Kongresssaal in Beatenberg unter anderem vom Bau des neuen Schulhauses und den Nothilfeeinsätzen nach den verheerenden Taifunen. Musikalisch umrahmt wird der Anlass vom Jodlerklub Beatenberg.
Spendenkonto
 Berner Kantonalbank

3001 Bern
Zugunsten von: Island Kids Philippines
Scheidgasse 48
3800 Unterseen
IBAN: CH84 0079 0042 4190 1489 2
PC BEKB: 30-106-9
Vermerk: Spende

BEATENBERG 13. MÄRZ 2014

Beweggründe der Sundlauener in Erfahrung bringen

Die Gemeinde Beatenberg wird bezüglich der Bitte des Ortsvereins Sundlauenen nach einem Gemeindewechsel keine Arbeitsgruppe einsetzen. Dafür sucht nun eine Delegation des Gemeinderats das Gespräch mit der Bevölkerung von Sundlauenen und Ruchenbühl.

Letztes Jahr gelangte der Ortsverein Sundlauenen an den Gemeinderat mit der Bitte, dass Gemeindepräsident Christian Grossniklaus mit dem Gemeindepräsidenten von Unterseen, Jürgen Ritschard, in Kontakt tritt, um die Möglichkeiten eines Gemeindewechsel zu Unterseen zu diskutieren. Die Gemeindepräsidenten kamen zusammen. Die Gemeinde Unterseen ist weder dafür noch dagegen. Es wurde vereinbart, dass der Gemeinderat Beatenberg an das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) gelangt, um sich beraten zu lassen.

Nach der Beratung und einer Besprechung mit einer Delegation des Ortsvereins Sundlauenen hat der Gemeinderat beschlossen, keine Befürwortung des Wechsels des Ortsteils Sundlauenen zu der Gemeinde Unterseen und keine Arbeitsgruppe einzusetzen. Demgegenüber ist aber eine Delegation des Gemeinderates von Beatenberg interessiert an einer Zusammenkunft mit der Bevölkerung von Sundlauenen und Ruchenbühl. Dabei möchte die Delegation die tieferen Beweggründe zum Ortswechselwunsch in Erfahrung bringen sowie Probleme und Verbesserungsvorschläge aufnehmen und besprechen.

Schulhaus Schmocken wird wieder ausgeschrieben

Ab Schuljahr 2014/15 wird im Schulhaus Schmocken nicht mehr unterrichtet. Mit der neuen Schulorganisation wird nur noch an den zwei Schulstandorten Waldegg und Spirenwald unterrichtet. Der Schulstandort Schmocken wird aufgehoben. Daher sucht der Gemeinderat nach einem neuen Verwendungszweck des Schulhausareals Schmocken.

Der Verein Schulhausareal Schmocken (VSS) wollte mit dem Gemeinderat dazu eine Vereinbarung abschliessen. Diese kam nicht zustande, weil der Gemeinderat beschlossen hat, die Schulliegenschaft Schmocken nochmals öffentlich zum Verkauf auszuschreiben.

Blockierte Ortsplanungsrevision

Gegen die Verfügung, Genehmigung Ortsplanungsrevision Beatenberg, des Amtes für Gemeinden und Raumordnung vom 10. Dezember 2013 ist beim Rechtsamt der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern Beschwerde eingereicht worden. Es werden drei Einzonungen von der Landwirtschaftszone in die Zone für Sport- und Freizeitanlagen S «Startplatz Hängegleiter» (ZSF S) bestritten.

Durch die Beschwerde ist die Ortsplanungsrevision blockiert. Aus diesem Grund stellte der Gemeinderat beim Rechtsamt den Antrag für eine «Teilrechtskraftbescheinigung» für alle Elemente der Ortsplanung, welche nicht im Zusammenhang mit den drei Einzonungen (Parzellen Nummern 626, 673 und 729) stehen und beantragte die Abweisung der Beschwerde.

Sonja Fuss, Gemeindeschreiberin
Beatenberg, 13. März 2014 Berner Oberländer Zeitung

Zum letzten Schlittentest an den Nordpol

Wird es Thomas Ulrich doch noch schaffen, als erster Mensch alleine die Arktis zu überqueren? Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, bald gehts zum Schlittentest an den Nordpol. Jetzt fehlt nur noch ein Hauptsponsor.

In seinem Lagerraum hat Thomas Ulrich mehrere Exemplare seines neuen Polarschlittens «Beluga» gestapelt und bereitet sie auf den Transport zur russischen Drifteis-Station Barneo vor, dem rund 100 Kilometer vom Nordpol entfernten Ausgangspunkt für die Tests.

Wenn vom wahren Abenteuer die Rede ist, dann wird Thomas Ulrich (46) ganz ernst. «Ein echter Abenteurer geht bis an seine Grenzen – oder sogar darüber», sagt der Beatenberger Polfahrer, Extremalpinist, Kameramann, Fotograf, Autor, Referent und Zimmermann. «Aber im Zeitalter von Dschungelcamp und anderem so genannten Reality-TV gibt es leider immer mehr Pseudoabenteuer, irgendwelche Geschichtchen, die mit dramaturgischen Tricks zu risikoreichen Grosstaten aufgepimpt werden.» Das habe rein gar nichts mehr zu tun mit dem klassischen Abenteuer legendärer Bergsteiger oder Forscher. «Sie haben bei Problemen nach Lösungen gesucht, nach dem Weg, aber nicht nach dem Ausweg.

Es ist denn auch genau diese Tradition, der sich Thomas Ulrich verpflichtet fühlt. Dass dabei auch die neuesten technischen Hilfsmittel wie satellitengesteuerte Ortungssysteme zum Einsatz kommen, sei «kein Widerspruch, sondern sinnvolle Notwendigkeit und Fortschritt».

Gesucht: Hauptsponsor

Und nun steckt Ulrich also schon mitten in den Vorbereitungen für sein nächstes grosses Abenteuer. «Transarctic Solo» heisst die Expedition, die ihn alleine über die ganze Arktis führen soll. Es wäre das erste Mal, dass dies einem Menschen allein ohne Hilfe von aussen gelingt. Versucht haben es schon einige, auch Thomas Ulrich. Er scheiterte 2006 gleich zu Beginn der Route und musste per Helikopter aus höchster Lebensgefahr von einer im Sturm schmelzenden Eisscholle gerettet werden. Ob der zweite Versuch nächstes Jahr oder 2016 stattfinden soll, ist noch offen und hängt hauptsächlich von der Finanzierung ab.

Das Budget beträgt rund eine halbe Million Franken. Die Liste von Sponsoren ist zwar bereits recht lang und auch eindrücklich; auf regionaler Ebene bestehen Partnerschaften mit der Lowa-Schuhe AG Matten, der Advance Thun AG und neu auch den Jungfraubahnen. Gesucht ist aber noch der Hauptsponsor. Bei dieser aufwändigen Suche steht neben der erwähnten medialen «Sättigung» durch so genannte Abenteuer wohl noch eine zweite Hürde im Weg: «Extremleistungen von Einzelpersonen sind weniger gefragt als Teamleistungen», sagt Hans Ambühl, Ulrichs langjähriger Geschäftspartner und Expeditionsmanager bei der Firma Visualimpact GmbH. Zudem, so ergänzt Ulrich, «liegen bei diesem Abenteuer Erfolg und Misserfolg sehr nahe beieinander – gefragt sind aber vor allem Siegesmeldungen.»

Ein Hilfsmittel, die Sponsorensuche zu beschleunigen, ist gutes Informationsmaterial. Dazu soll nun auch die nächste Reise an den Nordpol beitragen, die Thomas Ulrich Ende März startet: Begleitet wird er vom renommierten Basler Kameramann Jonas Jäggy («Berge im Kopf»), der möglichst authentische Aufnahmen machen soll für schon gefundene und für noch zu findende Geldgeber.

Doch diese «Exkursion» von der nördlichsten russischen Basis Barneo über den letzten Breitengrad an den Nordpol dient noch einem anderen Zweck: einem letzten Test der neuen Transportschlitten. Ulrich: «Das muss ein richtiger 1:1-Test werden, eine Prüfung auf Herz und Nieren.» Auf die Schlitten ist er besonders stolz, und zwar zu recht, denn sie sind das positive Resultat einer jahrelanger Entwicklungs- und Produktionsphase. Zusammen mit der Berner Fachhochschule für Technik und Informatik hat er aus Polyethylen einen ungewöhnlich leichten, gleitfähigen und robusten Schlitten konstruiert, den er unter dem Namen «Polar Sledge Beluga» nun auch selber vermarktet. Der Preis von 5500 Franken pro Exemplar «basiert auf den hohen Entwicklungskosten», erklärt Ulrich.

Entscheid im Sommer

A propos Herz und Nieren: Sein eigenes Trainings- und Testprogramm wird Thomas Ulrich erst ein halbes Jahr vor dem definitiven Start von «Transarctic Solo» aufnehmen. Das letzte Mal sei er «zu früh schon absolut fit gewesen», und er musste das hohe Niveau über Monate hinweg aufrecht halten.

Aber wann eigentlich wird der Starttermin definitiv entschieden? «Deadline ist im kommenden Sommer», sagt Hans Ambühl. Spätestens dann also, wenn die russischen Partner den Treibstoff für spätere Heliflüge von der Basisstation zum eigentlichen Startpunkt noch per Schiff transportieren können. Bevor das Meer wieder zufriert – und den Weg frei macht für «Transarctic Solo».(Berner Oberländer)

 

BEATENBERG   6. FEBRUAR 2014  Jungfrau-Zeitung

Neben Madonna und Mick Jagger

Hans-Peter Grossniklaus ist pensionierter Lehrer und arbeitet momentan an einer Dorfchronik von Beatenberg. Weshalb er vielleicht bald in einer Reihe mit der ganz grossen Prominenz genannt werden kann und warum er ein lukratives Angebot eines arabischen Scheichs kurzerhand ablehnte, erzählte er bei einem Besuch bei sich zu Hause.
«Es geht mir darum, Geschichten vor dem Vergessen zu bewahren.»Fotos: Yves Brechbühler

Eigentlich wünschte man sich eine von ihm selbst gesprochene Hörbuchversion seines anstehenden Projekts. Denn seine Stimme übertrifft diejenige von so manchem Radiosprecher. Man hört ihm gerne zu, und er weiss eine Vielzahl an Geschichten zu erzählen – von grossen Künstlern auf dem Beatenberg, von Einladungen der chinesischen Botschaft und von einem arabischen Scheich, der ihm seine Wohnung abkaufen wollte. Aber nun alles schön der Reihe nach.

 

Das Dorf und seine Künstler

Angefangen hat es damit, dass er in der «Drachebärg Zytig» – der Dorfzeitung von Beatenberg – jeweils die letzte Seite schrieb. Meistens ging er da genauer auf historische Einzelheiten ein, denen er in Eigenrecherche nachging. Mit der Zeit sammelte sich so ein ganzer Haufen von Anekdoten und interessanten Begebenheiten bei ihm an. Eine erste Dorfchronik wurde im Jahr 1914 von Gottfried Buchmüller, vormals Pfarrer in Beatenberg, herausgegeben. 1980 erschien davon zwar eine nachgeführte Neuauflage, aber mittlerweile ist auch diese nur noch antiquarisch erhältlich. «Das war der Ansporn, um die Geschichte von Beatenberg neu niederzuschreiben», erklärt Grossniklaus. «Geschichten gehen verloren, wenn man sie nicht aufschreibt und weitererzählt», und es gibt viele Geschichten, die es wert sind, dass sie der Nachwelt erhalten bleiben.

Eine der prominentesten Personen, die den Beatenberg regelmässig besuchten, war Paul Klee. Grossniklaus ging auf der Spurensuche nach Klees Beziehung zum Dorf unter anderem ins Paul-Klee-Zentrum in Bern, um dort in den Tagebüchern eines der grössten Schweizer Künstlers des 20. Jahrhunderts mehr über dessen Bezug zum Beatenberg zu erfahren. Klee verkehrte oft im Haus, wo jetzt das Gemeindehaus steht, welches «Heimat» genannt wird. In der «Heimat» wohnten zu dieser Zeit namhafte Anthroposophen, darunter auch die Witwe von Rudolf Steiner, Marie Steiner. Sie hatten das Haus vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gekauft, in der Angst, die Bilder von Rudolf Steiner könnten als «entartete Kunst» von den Nazis konfisziert oder zerstört werden So lagerten sie einzelne Werke im abgelegenen Beatenberg. Zudem wurde die Asche Steiners eine Zeit lang im erwähnten Haus aufbewahrt.

In seiner Studierstube findet sich auch ein Exemplar der mittlerweile vergriffenen Dorfchronik von Beatenberg.

Matisse und Picasso als Käufer

Den Kunstwerken eines anderen grossen Künstlers erging es weniger gut. Balthus, eigentlich Balthazar Kłossowski de Rola, malte 1927 drei Fresken in die reformierte Kirche. Diese wurden sieben Jahre später im Zuge einer «Renovation» mit Verputz überdeckt. Eine Vermutung sei, dass die Wandbilder auf Geheiss des damaligem Pfarrers Rupp aus puritanischen Gründen ausgelöscht worden sind: Balthus malte mit Vorliebe pubertierende Mädchen in lasziven Posen. Das war anno dazumal eindeutig eine zu grosse Herausforderung für den Kunstgeschmack vieler, geschweige denn für ein damals puritanisch-religiöses Bergdorf wie Beatenberg. Die Wirkung seiner Werke ist bis heute ungebrochen, sie polarisieren bis ins 21. Jahrhundert hinein: Kritiker sprechen von Pädophilie, Verehrer von Provokation. Ohne die Werke in eine Richtung werten zu wollen, findet es Grossniklaus grundsätzlich schade, dass die Kunstwerke eines Malers von Weltrang zerstört worden sind. «Deshalb habe ich ihm etwas mehr Platz eingeräumt», so Grossniklaus. Es sei doch beachtlich, wenn einer, der immer wieder auf dem Beatenberg weilte, seine Bilder beispielsweise an Picasso oder Matisse verkaufte.

Besuch im Grand Chalet

Der Kontakt von Grossniklaus mit Balthus kam nicht zustande, der Künstler verstarb 2001 im Alter von 92 Jahren. Im Rahmen seiner Recherchen lernte er aber die Witwe von Balthus kennen, Gräfin Setsuko Kłossowska de Rola. Grossniklaus wurde vom Organisator des Menuhin Festivals Gstaad für den Konzertbesuch und Prominenten-Apéro eingeladen, «da hat sich der kleine Beatenberger die Krawatte dann gebunden», bemerkt er mit einem Lächeln. An diesem Anlass traf er die Witwe von Balthus. Die Gräfin und Witwe des grossen Künstlers wohnt im Grand Chalet in Rossinière VD – notabene das grösste Holzhaus der ganzen Schweiz – zu welchem grundsätzlich kein Zugang gewährt wird. Seltene Ausnahmen waren die Besuche von Madonna, Rolling-Stones-Sänger Mick Jagger oder Schauspieler-Legende Tony Curtis. Für seine Anfrage für ein Interview mit der «Grande Dame» hat er zwar noch keine definitive Bestätigung, aber in Anbetracht des Treffens am Menuhin Festival stehen die Chancen dafür gut.

Wohnten zusammen im Grand Chalet in Rossinière – Gräfin Setsuko Klossowska de Rola mit ihrem Mann Balthus.Foto: Keystone/AP Photo, Beatrix Stämpfli

Beatenberg, eine Herzensangelegenheit

Während des Gesprächs mit Hans-Peter Grossniklaus tauchen immer wieder neue Geschichten auf. Ein Freund von ihm verkehrt in den Kreisen der schweizerisch-chinesischen Gesellschaft. Dieser hat einen Bekannten, einen hohen Mitarbeiter der chinesischen Botschaft, der im Oberland mit seiner Familie in die Skiferien wollte. Grossniklaus vermittelte diesem trotz voll belegten Hotelbetten ein Zimmer auf dem Beatenberg. Zum Dank lud er Grossniklaus diesen Januar zum Neujahrsempfang der chinesischen Botschaft ein. So erwähnte Grossniklaus auch, dass neben ihm im gleichen Haus ab und an ein Scheich seine Ferien verbringe. Bevor das Haus gebaut wurde, die Verträge aber bereits unterschrieben waren, erhielt Grossniklaus eines Tages eine E-Mail. Man bot ihm an, die Wohnung an den Scheich zu verkaufen. Um Grossniklaus die Entscheidung zu erleichtern, unterbreitete man ihm ein Angebot, das rund 50’000 Franken über dem Preis lag, den Grossniklaus ursprünglich bezahlt hatte. «Sie hätten bestimmt auch noch mehr bezahlt», meint er im Nachhinein, auf jeden Fall lehnte er dankend ab. Ob er sich nicht überlegt habe, Ja zu sagen? «Nur sehr kurz, mir gefällt es hier sehr gut», meint er. Ausserdem sei mit der Bushaltestelle gleich in der Nähe der Anschluss auf den Beatenberg optimal für ihn: Der Beatenberg ist für Grossniklaus eine Herzensangelegenheit, die sich auch von viel Geld nicht aushebeln lässt.

BEATENBERG 11. JANUAR 2014

Ungewisse Zukunft des Schmocken-Schulhauses

Als der 60-jährige Bau überflüssig wurde, wollte ihn niemand kaufen. Jetzt wendet sich ein Initiativkomitee an die Bevölkerung und sucht Ideen und Meinungen, wie es mit dem Areal im westlichen Ortsteil weitergehen soll.
Das Schmocken-Schulhaus stand zum Verkauf, fand aber keine Interessenten.

Vor gut 20 Jahren gab es in Beatenberg vier Schulhäuser. Eines in Waldegg (östlicher Ortsteil), eines in Spirenwald (Mitte), eines auf Schmocken (westlicher Ortsteil) und eines in Sundlauenen, dem abtrünnigen Ortsteil am Thunersee. Das Sundlauener Schulhaus wurde schon vor rund 15 Jahren verkauft. Mit der neuen Schulorganisation wurde beschlossen, mit dem Schulhaus Schmocken einen weiteren Standort aufzugeben – in den letzten 20 Jahren hat sich die Anzahl Schulkinder in Beatenberg halbiert. 2011 setzte der Gemeinderat eine Arbeitsgruppe ein, welche darüber beriet, was mit dem Areal geschehen soll. 2012 entschied man sich, das 4000 Quadratmeter grosse Areal (Zone mit Planungspflicht), auf welchem sich das 60-jährige Schulhaus befindet, zum Verkauf auszuschreiben. Der Verkaufspreis betrug 2,6 Millionen Franken – gemeldet haben sich keine ernsthaften Interessenten.

An der Info-Veranstaltung hatten die Bürger die Gelegenheit, auf Flipcharts ihre Ideen aufzuschreiben.

VEREIN SUCHT IDEEN

Die Gemeinde besitzt also ein Schulhausareal, das nicht mehr benötigt wird und welches niemand will. Ein Initiativkomitee hat sich dem Areal angenommen und traf sich im August 2013 zu einer ersten Sitzung; ein entsprechender Verein wurde im September gegründet. Dem Komitee gehören der Architekt Rudolf Schatzmann an, Präsident Gemeindeverband Altersheim Beatenberg-Habkern, die frühere Gemeindepräsidentin Verena Moser, die amtierenden Gemeinderatsmitglieder Andreas Sieber und Christina Rähmi sowie die Finanzexpertin Erika Zobrist. Ziel des Vereins: Er will Vorschläge erarbeiten, wie das Areal künftig genutzt werden soll. «Verschiedene Varianten sind denkbar», so Rudolf Schatzmann an einer Informationsveranstaltung im Kongress-Saal Beatenberg. Es kam die Idee auf, das Areal in das benachbarte Altersheim zu integrieren. Beispielsweise könnte im alten Schulhaus «Wohnen mit Dienstleistung» angeboten werden. Über die öffentliche Nutzung des Areals durch Vereine wurde ebenso diskutiert, eine weitere Möglichkeit ist, im Haus stilles Gewerbe anzusiedeln.

Die Zukunft des Schulhausareals ist seit Jahren ungewiss – nun ist die Bevölkerung am Zug.

Am Informationsanlass hatten die Anwesenden die Gelegenheit, ihre Meinungen und Präferenzen auf Flipcharts darzulegen, ebenfalls lagen Statuten und Einzahlungsscheine des neuen Vereins auf. «Wir wollen jetzt Vorschläge sammeln», so Schatzmann. In der nächsten Ausgabe des Dorfnachrichtenhefts «Drachebärg Zytig» ist eine Umfrage beigelegt, auch dort sollen sich die Bürger nochmals äussern. Ein Verkauf des Schulhausareals Schmocken ist laut Schatzmann noch immer nicht ausgeschlossen. «Wir wissen nicht, in welche Richtung der Zug abfährt. Aber jetzt sind zuerst einmal die Beatenberger gefragt.»

Mit der neuen Schulorganisation und nach dem Rückgang der Anzahl Schulkinder hat das Schulhaus vorerst keine Verwendung mehr.