Neuer Gemeindepräsident in Beatenberg

Aus der Jungfrauzeitung vom 19. Oktober 2018

BEATENBERG 19. OKTOBER 2018

Plötzlich Gemeindepräsident

Der bisherige Gemeindepräsident Christian Grossniklaus (SVP) verlässt sein Amt Ende Jahr. Auf ihn folgt der parteilose Roland Noirjean, der bisher politisch noch nicht aktiv war. Doch wer ist der Mann, der die Gemeinde in Zukunft lenken wird?
von Yves Brechbühler
Roland Noirjean (54, parteilos) stammt aus dem Kanton Aargau und lebt 23 Jahren auf dem Beatenberg. Er ist hier als selbstständiger Grafiker und Zeichner tätig.

Roland Noirjean (54, parteilos) stammt aus dem Kanton Aargau und lebt 23 Jahren auf dem Beatenberg. Er ist hier als selbstständiger Grafiker und Zeichner tätig.Fotos: Yves Brechbühler

Er ist in Beatenberg zwar kein Unbekannter. Immerhin ist Roland Noirjean seit vielen Jahren Lehrer am Institut in der Waldegg und gab des Weiteren unter anderem Weiterbildungskurse für Senioren. Ausserdem ist sein Grafikerbüro an prominenter Lage mitten im Dorf und hat der stillgelegten Bäckerei Gafner neues Leben eingehaucht. Doch politisch ist Noirjean ein Quereinsteiger. Bisher hatte er noch nie ein Amt inne. Nun wird er ab kommendem Januar der neue Gemeindepräsident von Beatenberg sein.

«Ich freue mich auf das Amt»Roland Noirjean ist ab kommendem Januar der neue Gemeindepräsident in Beatenberg .

Und das kam so: Die Anfrage für eine Kandidatur kam von Hans Gafner, dem Präsidenten der SVP-Sektion in Beatenberg. «Wie aus dem Nichts», erinnert sich Noirjean an jenen Tag im September. Vor rund einem Monat sei Gafner bei ihm vorbeikommen und habe ihn gefragt, ob er das machen würde. «Ich war überrascht und habe mir sogleich die Frage gestellt, ob ich das wirklich kann», sagt der Gemeindepräsident in spe. Eine Frage, für deren Beantwortung er sich einige Tage Zeit lassen wollte. In der Folge führte er viele Gespräche mit Gemeindepolitikern, Gemeindeschreibern und Freunden. «Dabei wurde ich bestärkt, dass ich die nötigen Fähigkeiten habe, das Amt anzutreten», sagt er. Daraufhin sagte er Gafner zu – mit dem Bewusstsein dass es wohl die einzige Kandidatur für das Amt bleiben würde. Eine Wahl war mit seiner Zusage also so gut wie sicher.

Hans Gafner (rechts) fragte Roland Noirjean, ob er nicht Gemeindepräsident von Beatenberg werden möchte. «Ich finde es toll, dass er diese Arbeit übernimmt», sagt Gafner. Es sei alles andere als einfach, Personen für diese Aufgabe zu finden.

Hans Gafner (rechts) fragte Roland Noirjean, ob er nicht Gemeindepräsident von Beatenberg werden möchte. «Ich finde es toll, dass er diese Arbeit übernimmt», sagt Gafner. Es sei alles andere als einfach, Personen für diese Aufgabe zu finden.

«Es hat mich sehr erstaunt, dass die Anfrage von der SVP kam», so Noirjean. Der Parteilose verortet sich zwar grundsätzlich eher im linken Spektrum, doch er sehe sich auch mit der SVP in eigenen Belangen einverstanden. «Für meine Arbeit als Gemeindepräsident spielt meine persönliche politische Orientierung ausserdem sowieso keine grosse Rolle», ergänzt er. Das zusätzliche Arbeitspensum als Beatenberger Gemeindepräsident liegt ungefähr bei 20 Stellenprozenten. Noirjean sagt, dass er als Quereinsteiger zu Beginn wohl etwas mehr Zeit investieren müsse, das sei ihm durchaus bewusst. «Da ich momentan zu 80 Prozent tätig bin und flexible Arbeitszeiten habe, kann ich mir das gut einrichten», erklärt er.

Roland Noirjean sagt, dass ihm insbesondere das Dorfbild von Beatenberg wichtig ist und dies dementsprechend ein wichtiges Thema für ihn sein werde.

Roland Noirjean sagt, dass ihm insbesondere das Dorfbild von Beatenberg wichtig ist und dies dementsprechend ein wichtiges Thema für ihn sein werde.

Dass er als selbstständiger Kreativer mit kurzen Entscheidungswegen nun in die langsamer mahlenden Mühlen der Politik eingebettet werde, erachtet er nicht als Problem. «Mir ist klar, dass man als Gemeindepräsident nicht einfach eins zu eins umsetzen kann, was man will», so Noirjean. Schliesslich müsse es bei den politischen Entscheidungen für die Bevölkerung stimmen. Und er werde Person und Sache zu trennen wissen. «Läuft eine Abstimmung gegen ein Vorhaben des Gemeinderats, darf man das nicht persönlich nehmen, sondern muss akzeptieren, dass die Bevölkerung diese Sache nicht will», ergänzt er. In den verbleibenden rund zwei Monaten will Noirjean sich bereits etwas einarbeiten. «So richtig geht das aber erst, wenn ich im Amt bin», weiss er. Noirjean wird aber bereits eine Gemeinderatssitzung als Beobachter besuchen. Ab dem 1. Januar 2019 ist er als Nachfolger des abtretenden Gemeindepräsidenten Christian Grossniklaus (SVP) im Amt. Vielleicht schreibe er dereinst ein Buch mit dem Titel «Plötzlich Gemeindepräsident», lacht er.

Zur Person

Roland Noirjean lebt seit 1995 in Beatenberg, ist verheiratet mit Karin Känel. Er hat einen neunjährigen Sohn und zwei erwachsene Stiefkinder. Er ist in Wohlen im Kanton Aargau aufgewachsen. Nach einer Lehre als Chemielaborant, Matura und Lehrerausbildung ist er nach Thun gezogen, später dann nach Beatenberg. Er ist seit 1990 am Institut Beatenberg auf Sekundar-Stufe I tätig. Er war ebenfalls am Gymnasium als ICT-Lehrperson oder als Präsident und Kursleiter der Volkshochschule Interlaken sowie vielen Workshops und Kursen als Kursleiter in der Erwachsenenbildung und Schulentwicklung tätig. Er betreibt seit einigen Jahren eine Einzelfirma im Bereich Grafik, Webdesign, Cartoons, Film und hat so seine Leidenschaft zum Beruf gemacht.