Der Beatenberger Bär – Geschichte aus der Jungfrauzeitung

Berichte aus der Jungfrauzeitung

Ein ausgewachsener Kragenbär streifte vor ungefähr 50 Jahren in der Gegend um Ruchenbühl umher, nachdem er aus einem privaten Tierpark in Unterseen entkommen konnte. Diese Zeitung hat die Geschichte wieder ausgegraben, nachdem sie zuvor nur noch fragmentarisch in Erinnerungen und Dokumenten vorhanden war.

Der Beatenberger Bär – Teil 1: Wie es zu dieser Geschichte kam 4. JANUAR 2015

Ein Kragenbär soll einst hier umhergezogen sein, nachdem er aus einem privaten Tierpark entkommen konnte. Diese Zeitung nimmt sich der Geschichte, die nur noch fragmentarisch in Erinnerungen und Dokumenten vorhanden zu sein scheint, in mehreren Teilen an. Lesen Sie heute, wie der Stein für diese Story überhaupt ins Rollen kam.
Ein Bär, der durch die Wälder zwischen Unterseen, Sundlauenen und Beatenberg streunt? Vielen wird beim Lesen dieser Frage nur ein Kopfschütteln übrig bleiben. Mittlerweile wird jeder Braunbär, der im Bündnerland die Schweizer Grenze überschreitet, innert kurzer Zeit auch vom medialen Radar erfasst, und man findet sogleich regelmässig nicht nur in den Wäldern des Nationalparks, sondern auch in den Schlagzeilen seine Spuren wieder. Ein Bär im Mikrokosmos Jungfrau? Unmöglich. Doch einmal soll tatsächlich ein solches Tier auf dem Bödeli frei durch die Gegend gewandelt sein. Ein privater Tierpark bei der Manorfarm in Unterseen habe unter anderem Bären gehegt, einer davon sei entwischt. Fünfzig Jahre später erweist es sich aber als schwierig, genaue und verlässliche Informationen zu diesem aussergewöhnlichen Ereignis zu bekommen.
Tipp eines Amphibien-Liebhabers

Doch bevor diese Geschichte in den nächsten Teilen möglichst umfassend rekonstruiert werden soll, geht es zuerst um die Frage, wie wir auf die Geschichte gestossen sind. Darauf aufmerksam machte uns Daniel Hofer, der uns per Mail kontaktierte und fragte, ob jemand aus der Redaktion etwas zu einem in Unterseen entflohenen Bären wisse. Daniel Hofer lebt mittlerweile in der Hauptstadt und arbeitet dort bei der Finanzdirektion Bern, ist aber auf dem Bödeli aufgewachsen. Der jüngere Bruder von Musiker Polo Hofer hat ein privates Zentrum für Amphibienforschung und setzt sich für Teiche in der Stadt Bern ein. Sein Hauptinteresse gilt einer besonderen Spezies: Hofer ist ein profunder Kenner der Blindwühlen.

Auf die Geschichte mit dem frei lebenden Bären kam Hofer, als er vor rund zwei Monaten am internationalen Bärensymposium am Naturhistorischen Museum in Bern teilgenommen hatte. «Ich habe mit etlichen Bärenspezialisten und Forschern gesprochen und mich der alten Bärengeschichte am Beatenberg erinnert», sagt Hofer. Die Bärenexperten seien sehr interessiert gewesen an den Details zu dieser Geschichte. Deren genaue Umstände kannte Hofer jedoch auch nicht.

Erste Informationen

«Deshalb habe ich angefangen nachzufragen», so Hofer. Er meldete sich daraufhin unter anderem bei Beatenbergs Gemeindepräsident Christian Grossniklaus. Gemäss den Nachforschungen von Grossniklaus musste sich die Geschichte um das Jahr 1965 zugetragen haben. Viel mehr wusste auch Grossniklaus nicht, er nannte ihm aber den Namen einer Person, die damals in der Region Ruchenbühl zwischen Beatenberg und Unterseen gewohnt haben musste.

Erfahren Sie im nächsten Teil, an was sich der Anwohner im Weiler Ruchenbühl erinnern kann und welche weiteren Spuren es zu verfolgen gilt.

Teil 2: Wie sich die Anwohner erinnern vom 17. JANUAR 2015

Lesen Sie im heutigen Teil der Serie, wie die Bewohner des Ruchenbühls den überraschenden Bärenbesuch erlebt haben.
Über Daniel Hofer – der den Stein dieser Geschichte ins Rollen brachte – erfuhren wir vom Beatenberger Gemeindepräsidenten Christian Grossniklaus im ersten Teil, wer damals im Gebiet des herumstreunenden Bären wohnte. Ernst Stettler (69) wohnt zwar mittlerweile nicht mehr im Weiler Ruchenbühl ob Sundlauenen, er kann sich aber noch an einiges erinnern.

Der Bär in den Bäumen

«Der Bär kam jeweils bis in die Rüti ob Unterseen, Hohlen und Ruchenbühl. Er ist in die Äpfel- und Birnbäume gestiegen und hat sich in deren Kronen gesetzt», erzählt Stettler. Kragenbären sind gute Kletterer, und so holte er sich seine Nahrung in den Obstbäumen. Ob Stettler selbst den Bären auf freiem Fuss gesehen habe? «Ja, einmal, vor allem haben wir aber die Schäden an den Bäumen gesehen.» Auch in den Gärten der Anwohner des Weilers habe er sich bedient, wie sich Stettler erinnert. «Einmal, als gerade die Kirschen reif waren, haben wir ihn in einem solchen Baum gesehen.» Wann sich die Geschichte genau zugetragen hat, weiss Ernst Stettler nicht mehr. Er verweist dabei auf seine Schwägerin Erika Stettler, die damals wie auch noch heute im Weiler Ruchenbühl wohnt. Sie könne sich vielleicht an mehr erinnern als er, meint Stettler.

Selbst das Radio DRS 1 habe sich damals für den entflohenen Bären interessiert. «Roland Jeanneret ist auf das Ruchenbühl gekommen und hat meine Schwiegermutter gesprochen», so Erika Stettler. Der Journalist und die spätere Stimme der Glückskette habe auch die Kinder in der Schule in Sundlauenen befragt. Diese seien mitunter auch der Grund gewesen, weshalb man den Bären nach mehreren Monaten auf freiem Fuss im Herbst schliesslich erlegt habe. «Man befürchtete, dass er im Winter weniger Nahrung auf den Bäumen findet und den Kindern etwas hätte antun können», sagt die 75-Jährige. Auch ihre Kinder liefen jeden Tag den Weg durch den Wald, in dem der Bär mehrmals gesehen wurde. Rund 20 Minuten dauert der Marsch von Sundlauenen hinauf ins Ruchenbühl. Die Strasse, die von der Beatenberger Strasse zum Weiler führt, wurde erst 1974 gebaut.

«Eines Morgens kam ich die Treppe runter und wollte in den Garten, da hat es ganz in der Nähe im Gehölz geknackt», erinnert sie sich. Daraufhin sei sie schleunigst wieder durch die Türe zurück in die Wohnung. Dies war ihre erste Begegnung mit dem Bären, den sie bis zu seinem Abschuss noch einige Male sehen sollte. Nicht nur Äpfel und Birnen, auch Himbeeren habe er gerne gefressen. «Meine Himbeeren im Garten hat der Kragenbär in diesem Sommer allesamt genommen», sagt sie mit einem Schmunzeln. In welchem Jahr es war, weiss sie indes auch nicht mehr: «Ich weiss aber noch, dass es in dem Jahr war, als in der Peter-Ober-Allee in Interlaken bei einem Gewitter eine Person ums Leben kam.»

Erfahren Sie im nächsten Teil, wie es dem Kragenbären gelang, aus seinem Gehege in der Manorfarm zu flüchten.

 Teil 3: Wie er aus dem Gehege entkam vom 21. JANUAR 2015

Der Kragenbär, der im Weiler Ruchenbühl frei durch die Wälder streifte, entkam dank eines Steinschlags. Auch ein zweiter Bär konnte kurzzeitig entfliehen, wurde dann aber im Gegensatz zu dem anderen Bären wieder gefasst.
«Da ist ein Stein ins Gehege gefallen und den Käfig zerstört, zwei Bären konnten daraufhin entwischen, der eine ist unmittelbar nachher wieder in den Käfig zurückgekommen und der andere ist eben in Richtung Sundlauenen-Ruchenbühl gezogen», erinnert sich Ernst Stettler. Er wohnte damals im Weiler Ruchenbühl, in dem der Bär mehrmals gesichtet wurde. Es entkamen also sogar mehrere Bären, nicht nur derjenige, der danach in der Region ob Unterseen für Furore sorgte. Gemäss anderen Quellen ist der zweite Bär aber nicht von sich aus wieder zurückgekommen, sondern konnte von dem Zoobesitzer wieder eingefangen werden.
In diesen zwei Teilgehegen konnten sich die beiden Bären bewegen.

Mittlerweile konnte diese Zeitung dank mehreren Meldungen von Lesern das Jahr des Vorfalls rekonstruieren: Es passierte im Sommer 1970. Erika Stettler konnte sich im letzten Teil unserer Bär-Geschichte, daran erinnern, dass ihm gleichen Sommer ein Unfall auf der der Höhematte passierte. Leser Silvio Keller konnte sich zwar nicht an den Bären aber an ebendiesen Unfall erinnern. «Es passierte am 7. August 1970», teilte er dieser Zeitung schriftlich mit. Ein damalige Verwaltungsrat der Manorfarm, Urs Ritschard, bestätigte, dass der Ausbruch 1970 stattfand. «Als Verwaltungsrat erlebte ich die Geschichte hautnah», sagt Ritschard. So kann er über viele Details zu dem Vorfall berichten. Der Kleinzoo gehörte gemäss Ritschard zum Unternehmen der Manor Farm, wurde aber von Roland Fehr betrieben, der zugleich als Pächter das Restaurant «Landhaus» in der Manor Farm führte. Zusammen mit seiner Frau sei Fehr einige Zeit vorher aus Iran zurückgekehrt. Im «Gepäck» sollen die beiden einen jungen Löwen gehabt haben, für den sie eine Unterkunft suchten und in der Manor Farm fündig wurden. Schrittweise wurde daraus mit Hilfe der Manor Farm ein Kleinzoo aufgebaut.
Das Gehege befindet sich unmittelbar neben der Strasse bei der Manor Farm in Unterseen.

Urs Ritschard erinnert sich an eine weitere Anekdote:«Der Kleinzoo-Halter Roland Fehr fand auch noch auf andere Weise die Aufmerksamkeit des Publikums. So wurde er einmal auf dem Bahnhofplatz Interlaken West gesichtet, wie er mit dem Löwen an der Leine einher marschierte.» Das Ehepaar Fehr verliess die Manor Farm 1973 und zog in den Tessin nach Magliaso, wo sie ein geeignetes Gelände für einen neuen Kleinzoo fanden. Dieser befindet sich immer noch im Familienbesitz. Das Gehege in der Manor Farm wurde darauf unter Beratung des damaligen Bärengraben- und Dählhölzli-Direktors Dr. Sägesser für eine Braunbären-Familie umgestaltet.

Erfahren Sie im nächsten Teil, wie das damalige Radio DRS 1 und andere Medien über den Vorfall berichteten.

Für die Geschichte des in Unterseen entflohenen Bären benötigen wir Ihre Hilfe. Können Sie sich an Geschehnisse rund um den Kragenbären in der Manorfarm erinnern? Besitzen Sie Fotos oder Dias aus dieser Zeit, auf denen der Bär oder das Gehege im Neuhaus zu sehen ist? Oder kennen Sie jemanden, der etwas darüber wissen könnte? Dann melden Sie sich telefonisch unter 033 826 01 01 oder per Mail an redaktion@jungfrauzeitung.ch.

 

Der Beatenberger Bär – Teil 4: Wie die Medien berichteten

Sowohl Radio DRS 1 wie auch der Tagesanzeiger berichteten 1970 über den Vorfall mit dem entwichenen Bären. In der Radiosendung kamen die direkt betroffenen im Ruchenbühl und auch der Zoobesitzer zu Wort, während es im Zeitungsbericht vor allem darum ging, Zweifel an der Wahrheit aus dem Weg zu räumen.
Heinz und Renate Jaun aus Unterseen haben das alte Tonband mit der Radioaufnahme gesucht, nachdem sie erste Teile der Bärgeschichte in dieser Zeitung gelesen haben.Fotos: Yves Brechbühler
Das Ehepaar Heinz und Renate Jaun aus Unterseen hat im Jahr 1970 das Aufnahmegerät mitlaufen lassen, als Radio DRS 1 eine Reportage über den herumstreunenden Bären im Ruchenbühl in den Äther geschickt hat. Sie wohnten damals zwar bereits unten in Sundlauenen. Das Elternhaus von Heinz Jaun steht aber oben im Weiler – unmittelbar in der Nähe von der Stelle, an der man auch versuchte, den Bären einzufangen. Glücklicherweise hat Heinz Jaun die Tonbandspule bis heute in seinem Estrich aufbewahrt. Als er und seine Frau die ersten Teile der Bärgeschichte in dieser Zeitung gelesen haben, machten sie sich auf die Suche nach der Spule. Zudem bestätigen sie, die in den bisherigen Teilen berichteten Einzelheiten. «Genau so hat es sich zugetragen», erinnert sich Heinz Jaun.
O-Töne vom Ruchenbühl

Damals machte sich Roland Jeanneret für den Bericht im Radio DRS 1 auf den Weg ins Ruchenbühl. Jeanneret wurde neben seiner journalistischen Arbeit schweizweit auch bekannt als «Stimme der Glückskette» im Radio. Er war es, der jeweils den Kontostand und aktuelle Aktivitäten der Glückskette bei Katastrophenfällen verkündete. Jeanneret war auch Dozent am Medienausbildungszentrum (MAZ) in Luzern.

In seinem Bericht zum entkommenen Bären interviewte er die Eltern von Erika Stettler und auch den Zoobesitzer Roland Fehr. Dieser erzählte dem Berichterstatter, wie die Bären dank des Steinschlags ausbüchsen konnten. «Mithilfe von Honig konnte der eine Bär gleich nach dem Entkommen wieder eingefangen werden», so Fehr zu Jeanneret. «Einen Bären mussten wir ziehen lassen, wir konnten ja nicht beide aufs Mal zurücktransportieren», erklärte der Zoobesitzer, weshalb der andere Bär entkam. Daraufhin stellte man dem Bären mehrere Fallen mit Honig, zum Zeitpunkt der Ausstrahlung der Radiosendung war der Bär aber noch immer auf freiem Fuss.

Der Vater und die Mutter von Erika Stettler konnten Jeanneret von ihren Begegnungen mit dem Bären beim Weiler Ruchenbühl berichten. «Ich bin nach hinten in den Garten gegangen, um Salat zu holen, da habe ich gesehen, dass viele verschiedene Gemüse angeknabbert gewesen waren», erzählt die Mutter. Der Vater hatte eines Nachts ein Knacken in den Kirschbäumen gehört. «Das ist ziemlich sicher der Bär», sagte er damals zu seiner Frau. Als er nachgesehen habe, hätte der Bär stark gebrummelt. «Daraufhin telefonierte ich dem Zoobesitzer Fehr, damit dieser ihn einfangen konnte», so Stettler. Die nachfolgende Einfangaktion endete aber mit einer weiteren Flucht des Bären. «Wer Lust hat, kann sich also nach wie vor auf Bärenjagd machen», beendete Jeanneret seine Berichterstattung.

Bericht im Tagesanzeiger

Urs Ritschard, ehemaliger Verwaltungsrat der Manor Farm, bewahrte einen Artikel des Tagesanzeigers auf, der am 13. August 1970 erschienen ist. «Man weiss mit Bestimmtheit, dass es sich um eine Bärin aus Fleisch und Blut und nicht um ein Hirngespinst handelt, das in hochsommerlicher Hitze und aus vertrockneten Hirnzellen als riesenhaftes Ungetüm ausgeschlüpft ist», steht unter anderem darin. Des Weiteren wurde sogar gemunkelt, dass «Leute aus der Gegend» behaupten würden, dass der Zoobesitzer «die Bärin nur zu Werbezwecken» freiliess.

BEATENBERG 15. FEBRUAR 2015

Der Beatenberger Bär – Teil 5: Wie der Bär erlegt wurde

Der 1970 entflohene Kragenbär widerstand so manchem Fangversuch, bis ihn schliesslich in der Gegend um Rüti ein Wildhüter erschoss. Lesen Sie heute den letzten Teil dieser Serie.

Über das tödliche Ende des Kragenbären zu berichten, bedeutet zuallererst auch, von den vielen missglückten Aktionen zu erzählen, die schliesslich zum Abschuss führten. Wie der Zoobesitzer Roland Fehr im Radiobericht von DRS 1 damals erklärte, habe man zuerst versucht, den Bären mit Honigfallen einzufangen. Doch der Bär machte sich indes lieber über die Kirschbäume und Gärten im Weiler Ruchenbühl her. Als das Tier dort eines Tages auf einem Baum gesichtet wurde, rief man den Besitzer Fehr an. Dieser kam darauf mit Betäubungsmunition nach Ruchenbühl.

Viele Zwischenfälle

Wie Ernst Stettler, der damals im Weiler wohnte, berichtet, «stellte man zudem eine Leiter an den Baum, um den Bären nach der Betäubung runterzuholen». Der Schuss verfehlte das Tier – und scheuchte es auf. Daraufhin kletterte es über die Leiter vom Baum und suchte das Weite. Wie sich Stettler weiter erinnert, sei der Besitzer derjenige gewesen, der aus Angst vor dem Bären als Erster weit weggesprungen sei. Ernst Jaun aus Unterseen, der im Besitz der Radioaufnahme von DRS 1 ist, erzählt, wie die Leute teilweise nur mit Halbschuhen ausgerüstet ins Ruchenbühl gekommen und dementsprechend bei der Einfangaktion an den steilen Grashängen immer wieder ausgerutscht seien.

«Die Strasse nach Ruchenbühl gab es damals noch nicht», so Jaun. Deshalb wollte man ein anderes Mal eine grosse Falle mit der Materialbahn, die dazumals von Sundlauenen ins Ruchenbühl führte, hinauf in den Weiler bringen. Dieses Mal musste der Bär jedoch gar nicht erst flüchten. Während des Transports der Falle wurde dieser Versuch im Keim erstickt. «Bei einem Masten der Seilbahn hängte die Falle an und fiel in Richtung Schlucht runter», weiss Jaun zu berichten. So ging der Sommer 1970 vorüber, ohne dass der Bär eingefangen werden konnte. «Man machte sich Sorgen, dass der Bär vielleicht doch auch für unsere Kinder gefährlich werden könnte, wenn die Nahrung für ihn knapp wird», so Erika Stettler, die bis heute in Ruchenbühl wohnt.

Das fatale Ende

Walter Zurbuchen aus Habkern war damals gerade mal zwei Jahre im Besitz seines Jagdscheines, als er sich zusammen mit den Wildhütern der Region auf die Suche nach dem Bären machte. «Es war die Vorgabe des Jagdinspektorats, die Wildhüter für die Bärenjagd aufzubieten», so Zurbuchen. Dazu gehörten Hans Fuchs aus Brienz, Hanspeter Feuz aus Lauterbrunnen, Christian Kaufmann aus Iseltwald und Fritz Beglinger von Sigriswil. Die Spuren führten im September mittlerweile weg vom Ruchenbühl in Richtung Habkern. In der Nähe der Wendeplatte der Bergstrasse hinauf nach Beatenberg suchte man schliesslich mit Jagdhunden nach dem Tier.

An dem Tag als Zurbuchen mit dabei war, habe man den Bären allerdings nicht angetroffen und das Wetter sei zunehmend schlechter geworden. «Deshalb gingen wir kurz ins Hotel Lötschberg in Interlaken», aus der Bärenjagd wurde so ein geselliger Nachmittag im Restaurant. Ungefähr vier Wochen später, Mitte November, machten sich die Wildhüter Kaufmann, Feuz, Fuchs, Zurbuchen und Beglinger erneut auf. Da sie die Tatzenabdrücke des Bären im Schnee gesichtet hatten, setzten sie wiederum ein Jagdhund auf die Spuren des Bären an.

Die Wildhüter bezogen verschiedene Posten in der Region Rütti-Stollen und legten sich auf die Lauer, derweil hatte der Jagdhund den Bären schon aufgespürt und jagte ihn vor sich her. Plötzlich hörte Feuz, der sich im Kienberg Richtung Rütti-Stollen auf die Lauer gelegt hatte, etwas weiter oben Schüsse. Als Feuz zu Kaufmann aufgeschlossen hatte, sah er, wie der Bär in seinen letzten Atemzügen lag. So war es schliesslich Christian Kaufmann aus Iseltwald, der den Bären vor dem Einbruch des Winters 1970 erlegte.

Die beiden nahmen das Tier anschliessend an Ort und Stelle aus. «Sie brachten die Leber in ein Restaurant in Sigriswil. Diese „Delikatesse“ soll aber nicht gemundet haben, sodass praktisch niemand davon essen wollte», erzählt Zurbuchen. Was mit dem Fell und dem restlichen Fleisch des Tieres passierte, weiss niemand der befragten Personen.

Das Ende einer fünfteiligen Geschichte

Mit dieser Episode endet die Berichterstattung um den 1970 in der Manorfarm entflohenen Krägenbären. Diese Zeitung bedankt sich herzlich bei den vielen Personen, die mit ihren Hinweisen und Auskünften diese Geschichte erst möglich gemacht haben.